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Langlauf in Norwegen: „Das ist wie Yoga für uns“

Bernt Bjornsgaard hatte noch gesagt: „Langlauf ist für uns Norweger wie Yoga.“ Am Anfang der ersten Übungseinheit aber ist die Realität eine andere. Die Fortbewegung auf den schmalen Skiern erinnert eher an Seiltanzen. Doch mit dem Vertrauen in die stabilisierende Wirkung der Loipe wächst auch die Sicherheit. So schwierig kann es ja nicht sein, denn Bernt hatte auch gesagt, dass Langlauf hierzulande Nationalsport ist. 

Das muss Stille sein: Frühsport bei Sonnenaufgang

Das muss Stille sein: Frühsport bei Sonnenaufgang

Es weht ein strammer Wind, weshalb die Strecken an der Nordflanke des Skeikampen heute keine gute Wahl sind. Eine grüne Loipe hatte Langlauflehrer Bernt für den Anfang empfohlen. Doch wer möchte sich beim Sport schon mit der geringsten Schwierigkeitsstufe begnügen? Also fällt meine Wahl auf „Kyrakampen“, eine blaue Strecke, die inklusive Rückweg zum Hotel an die 15 Kilometer lang ist.

Wie auf Schienen

Die Loipe hat die erhofft schienenartige Funktion. Bald führt sie heraus aus dem Ferienort. Das Anforderungsprofil ist machbar – stetig, aber sanft geht es durch ein geschütztes Waldgebiet bergauf. Die Arme ächzen unter der ungewohnten Strapaze, aber ein gewisser meditativer Effekt ist der Fortbewegungsart nicht abzusprechen – bis die Abfahrt in den Ort Austlid ansteht. Hier erinnere ich mich daran, dass Bernt davor gewarnt hatte, wie technisch Langlauf sein kann.

Hin und wieder hechtet ein Einheimischer mit dreifacher Geschwindigkeit vorbei

Hin und wieder hechtet ein Einheimischer mit dreifacher Geschwindigkeit vorbei

Der Versuch, mich in der rasanten Abfahrt auf den Beinen zu halten, endet im Schnee. Dennoch lautet das Resümee des Tages: Das war erhaben. Schon um 16 Uhr ist es an diesem Freitag Mitte Januar dunkel. Ein irritierter Niederländer fragt: „Wo sind denn die ganzen Leute?“ Ich gebe weiter, was mir anvertraut wurde: Skeikampen ist ein Resort, das ohne den Zirkus der alpinen Wintersportdestinationen auskommt – obwohl der 40 Kilometer nordwestlich von Lillehammer gelegene Ort rund um eine der steilsten und höchsten Erhebungen im Süden des Landes gebaut ist. Ein Berg, der sogar schwarze Alpinpisten aufweist.

Am nächsten Tag um sieben Uhr steht Arlid Blikken bereit, um diesen Berg zu umrunden. Es ist stockfinster, als er den Motor der Pistenraupe anwirft. Jeden Morgen um fünf sitzt der 36-Jährige in dem schweren Gerät. Erst präpariert er den „Fun Park“, wo sich später die Kids auf kleinen Schanzen austoben. Dann will er rund 40 Kilometer Loipe spuren.

Schneehase im Rampenlicht

Heute liegen die Temperaturen nur knapp unter Null. „Angenehme Bedingungen“, sagt Arlid. Nicht selten sind es um diese Zeit minus 20 Grad Celsius. Zuerst geht es auf die „Skeikampen rundt“, einen 13 Kilometer langen Kurs, der bei den Ausdauersportlern beliebt ist. „Hier in der Natur fühle ich mich zuhause“, sagt Arlid. Seit 16 Jahren macht er den Job. „Von November bis Mai – je nachdem, wie lange Schnee liegt“.

Schafzüchter in 13. Generation: Goldjunge Erling Jevne mit Trainingspartner Bernt Bjornsgaard

Schafzüchter in 13. Generation: Goldjunge Erling Jevne mit Trainingspartner Bernt Bjornsgaard

Routinemäßig hält er Ausschau nach Elchen und Rentieren, dann richtet er den Dachscheinwerfer auf einen Schneehasen, den der ungewohnte Platz im Rampenlicht zu irritierten Fluchtversuchen verleitet. Die Strecke ist als rot ausgewiesen. In der Pistenraupe fällt der Unterschied zum Vortag allerdings kaum auf. Als die Sonne aufgegangen und die Piste präpariert ist, werden die Bretter wieder untergeschnallt. Meine Arme sind noch müde vom Vortag, doch mit Hilfe intuitiver Variation von Diagonalschritt und Doppelstockschub ist der Parcours zu meistern.

Bedrohlich: Der beleuchtete Berg bei Nacht

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Die Sonne kann sich nicht entschließen, die milchigen Wolkenschleier zu vertreiben. Doch das passt zum meditativen Landschaftserlebnis, bei dem die körperliche Anstrengung kaum wahrnehmbar ist. Ist das etwa der Yoga-Effekt, von dem Bernt gesprochen hatte? Ich halte an. Der Puls schlägt schnell, es ist merkwürdig ruhig. Es weht kein Wind, die Natur ist eingefroren, und auch Zivilisationsgeräusche sind nicht zu hören. Das muss Stille sein. Hin und wieder hechtet im Schlittschuhschritt mit dreifacher Geschwindigkeit ein Einheimischer vorbei.

Auf Skiern in die Schule

Erling Jevne erinnert sich noch gut, wie der Amerikaner Bill Koch den Wettkampfsport Anfang der 80er Jahre revolutionierte, indem er als erster konsequent die Skating-Technik einsetzte. Das war zu Beginn seiner eigenen Karriere, während der der heute 45-Jährige dem klassischen Stil verpflichtet blieb. Mit Erfolg: Jevne gewann 1998 bei den Olympischen Spielen von Nagano Gold mit der Staffel und Silber im Einzel. Heute bewirtschaftet Jevne in 13. Generation den familieneigenen Bauernhof bei Hafjell. „Nach den Wettkämpfen und den vielen Reisen ist das ein schönes Leben“, sagt er.

Noch bedrohlicher: Die 110-Meterschanze von Lillehammer

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Auf Skiern steht er schon, seit er denken kann. Früher sei das die einzige Möglichkeit zur Fortbewegung gewesen. „Wir sind damit in die Schule gelaufen.“ 3.500 Kilometer gespurte Loipen stehen den Langläufern heute zur Verfügung. Der Sport ist groß in Norwegen – und er wächst weiter. Die Menschen sehen, wie sie davon profitieren, wenn der ganze Körper in Bewegung ist. Außerdem sei Langlauf gut gegen Stress, betont Jevne. „Aber auch ein bisschen wie Yoga?“, frage ich. „Ja“, sagt er, „das auch.“

Am nächsten Tag begutachtet Bernt, welche Fortschritte der Langlaufautodidakt in den drei Tagen seiner Abwesenheit gemacht hat. Er attestiert mir, dass die Zeit von 100 Minuten für die Skeikampen-Runde für ein Mindestmaß an Kondition bürgt. Zur Belohnung nimmt er mir die Stöcke weg. „Nur so kann man es richtig lernen.“

Anfangs ist die Unsicherheit groß, nach einigen Minuten aber wird der Parallelschritt plötzlich effektiver. „Merkst du, wie du dich mit den Zehen abdrückst?“, fragt Bernt. Und wie sich dieser Rhythmus einstellt, wenn man mit den Armen Schwung holt? Das alles, antworte ich, ist nicht von der Hand zu weisen. Doch es bleibt wie Seiltanzen – und nicht wie Yoga. Bis Bernt mir die Stöcke zurückgibt.

Informationen:

Anreise:

Mit dem Flugzeug nach Oslo (ab Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt und München nonstop mit SAS oder Lufthansa) oder ab Berlin mit Air Berlin, Weiterfahrt mit der norwegischen Staatsbahn nach Lillehammer, von dort aus rund 40 Kilometer mit dem Bus nach Skeikampen.

Unterkunft:

In Skeikampen gibt es zwei Hotels der Thon Gruppe (ab 110 Euro für zwei Personen im Doppelzimmer in der Nebensaison), die Preise variieren ebenso stark wie jene für freistehende Hütten (je nach Saison kostet die Woche zwischen 500 und 1500 Euro für eine Familie).

Ski:

Die Benutzung der Langlaufloipen ist kostenlos, rundum Skeikampen werden 215 Kilometer regelmäßig präpariert. Ausrüstung kann vor Ort geliehen werden, auf fachmännisches Wachsen achten. Die örtliche Skischule „Snowsports Skeikampen“ bietet Einführungskurse für Langlaufanfänger. Das alpine Skigebiet ist überschaubar aber für einen (halben) Tag eine gute Abwechslung. Rund um Lillehammer (70 Kilometer Loipe) und Hafjell (220 Kilometer) sind ebenfalls attraktiv für Langläufer.

Destination:

Norwegen ist für Zentraleuropäer ein teures Reiseland. Die norwegische Krone (100 Euro = 750 Kronen) ist Landeswährung. Im Winter sind Temperaturen von bis zu minus Grad nicht selten. März und April sind milder und für Sportler auch wegen des zusätzlichen Tageslichts zu empfehlen.

www.skeikampen.no/en

www.skeikampen.no/en/Accommodation

www.thonhotels.no

www.skeikampen-skiskole.no

www.lillehammer.com

www.visitnorway.com/de

(Die Reise wurde vom norwegischen Tourismusverband „Visit Norway“ unterstützt.

Die Geschichte ist zuerst bei DAPD erschienen, unter anderem in der WAZ.



			

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