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Die holländischen Hansestädte (Teil 1)

Die Hanse: Schwedisch-holländische Symbiose in Deventer

Die Hanse: Schwedisch-holländische Symbiose in Deventer

Der wichtigste Raum des Rathauses? Das kann nur das Weinhaus gewesen sein, wo die Gastgeber die Hansekaufleute aus Deutschland bewirtet haben. Oder, wie Harry Vrielink es formuliert: „Mit Bier und Wein abgefüllt.“ Damit sie auch beim nächsten Mal wieder nach Zwolle kommen, um ihre Geschäfte zu machen.

Pilszeit: Gildemeister Harry Vrielink

Pilszeit: Gildemeister Harry Vrielink

Und nicht ein paar Kilometer weiter flussaufwärts fahren. Nach Deventer etwa, oder nach Zutphen. Zwei Städte, die sich ebenfalls mit Bollwerken, Gräben und hohen Mauern vor ungebetenem Besuch zu schützen wussten. Und wo nicht minder geschäftstüchtige Händler lebten.

Der Munttoren von Deventer

Der Munttoren von Deventer

Vrielink ist ein Haudegen der alten Schule. 65 Jahre alt, von stattlicher Statur und nie um markige Worte verlegen: „Wenn ich hier etwas zu sagen hätte, würde auf allen Ortsschildern ‚Hansestadt Zwolle‘ stehen“, bellt er. So wie es die langjährigen Partner in Hamburg oder Lübeck machen, Städte, die ihre Identität nicht verleugnen. „Auch wir waren schließlich dabei, als es zum ersten Mal so etwas wie eine europäische Handelsgemeinschaft gab.“

Diese Epoche wirtschaftlicher Blüte hat seine Stadt geprägt. Die heutige Hauptstadt der Provinz Overijssel mit ihren spätgotischen Prunkbauten, den Patrizierhäusern und den verwinkelten Sträßchen ähnelt immer noch der sternförmigen Festung von früher. Grund genug, die Historie wieder mehr in den Vordergrund zu rücken.

Die zweite Hansezeit

Insgesamt sieben Hansestädte reihen sich entlang der Ijssel aneinander. Auch Doesburg, Hasselt, Hattem und Kampen profitierten vom 14. bis zum 16. Jahrhundert vom Handel, der erheblichen Reichtum in diesen Teil der Niederlande gebracht hat.

Das Holstentor in Lübeck? Oder doch das Stadttor von Kampen?

Das Holstentor in Lübeck? Oder doch das Stadttor von Kampen?

Und nachdem die Epoche im Selbstbild der Städte lange kaum eine Rolle gespielt hat, ist die Begeisterung für die Zugehörigkeit zur Mutter aller Städteverbunde seit 1980 abermals entbrannt. Sehr zu Vrielinks Genugtuung wurde damals die „Neue Hanse“ ins Leben gerufen – in Zwolle.

Der Sensenmann ist auch dabei - zumindest während der gruseligen Kirmes in Deventer

Der Sensenmann ist auch dabei – zumindest während der gruseligen Kirmes in Deventer

Kaum jemand allerdings lebt und liebt den Mythos so wie der Mann mit dem grauen Kinnbart. Er ist eine Art Generalsekretär der örtlichen Sint-Michaels-Gilde, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Gepflogenheit der Vergangenheit zu kultivieren. Er selbst besitzt die Schlüssel zu vielen historischen Schauplätzen, wo er die Vorzüge der Hanse erklärt. Damals sagt er, haben sich die Partner bewusst zu gegenseitigem Wohlstand verholfen. Wenn es nötig war, Schutz geboten. Und man sei nicht vor neuen Ideen zurückgeschreckt.

Einst ein Blickfang: Die Grote Kerk in Zwolle

Einst ein Blickfang: Die Grote Kerk in Zwolle

Vrielink zieht es zur Sint Michaelskerk. Das Gotteshaus ist zu Recht als „Grote Kerk“ bekannt, schließlich besaß es einst den mit 125 Metern höchsten Kirchturm des Landes. Damit die auf dem Ijsselmeer verkehrenden Schiffer sehen konnten: Aha, zehn Kilometer flussaufwärts, da leben auch Leute. Und zwar solche, die sich einen außergewöhnlich hohen Turm leisten können. Mehrere Blitzeinschläge allerdings brachten das Wahrzeichen 1665 zum Einsturz.

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