Galerie
1 Kommentar

Von den Fab Four zu den Super Seven

Siesta am Steilhang

Siesta am Steilhang

Die Beatles haben in Obertauern ihren Film „Help“ gedreht – Heute rufen Skiläufer nur an einem Hang nach Hilfe.  Sichtlich beeindruckt richtet Holger den Blick nach oben. Er hat schon einiges über diesen Berg gehört. Doch ganz so grimmig hätte er sich den höchsten Punkt des Skigebiets auch von Nahem betrachtet nicht vorgestellt.  Es ist erst kurz nach Mittag, und doch verirrt sich kaum noch ein Sonnenstrahl auf den Osthang. Oben an der Liftstation wirbelt ein garstiger Wind den Schnee auf. Der Unterlauf der Piste ist bucklig. Und das Gefälle ist enorm. Kein Wunder, denkt er sich, dass die Zweiersesselbahn hinauf nach Gamsleiten 2 nahezu verwaist ist.

Das Vortor zur Hölle: Gamsleiten II

Das Vortor zur Hölle: Gamsleiten II

Nach kurzem Schweigen aber demonstriert Holger Härte. Schließlich fehlt ihm nur noch der „G2“, wie die hier aktiven Hasardeure den steilsten Hang im Skigebiet von Obertauern nennen. Dann hat er an einem Tag alle Pisten gemeistert, die unter dem Namen „Super Seven“ firmieren. Nach ein paar Stockschüben sitzt er im Lift. Wenige Minuten später in 2313 Metern Höhe hat der Rheinländer die bevorstehende Mutprüfung zunächst vergessen. Zu beeindruckend sind die Gipfel der Radstädter Tauern vor dem Dekor eines strahlend blauen Himmels.

Österreichische Berge - mit kölnischer Beschallung

Österreichische Berge – mit kölnischer Beschallung

Bald aber endet die Phase der Kontemplation. Und Holger wird schmerzhaft daran erinnert, warum ihn das Logo von Gamsleiten 2 zuvor an die Form einer von der Bergwelt inspirierten Schokoladenkreation erinnert hat. Nur dass die Konturen dieses Dreiecks deutlich spitzer zulaufen.

Selbstzweifel

Das erste Drittel geht noch. Es ist einfach nur steil. Und eisig. Dann aber folgt ein Übergang, der zwei Optionen ermöglicht: Eine schmale Traverse, die an den weniger gewellten Rand des Hanges führt. Oder jene brutal anmutende Buckelpiste, die zu den schwierigsten in ganz Europa gehört. Holger entscheidet sich für die leichtere Variante – mit der unvermeidlichen Folge, dass er die nächsten Minuten daran zweifelt, ob er wirklich der geübte Skifahrer ist, für den er sich bislang gehalten hat.

Zwei Stunden später ist der Nervenkitzel bereits Legende. Der Kölner sitzt mit seinen Freunden auf der Sonnenterrasse des „Treff 2000“ und schaut hinauf zum Seekareck. Dort oben hatte der Husarenritt über die sieben schwierigsten schwarzen Pisten begonnen. Nun belohnt er sich mit Tiroler Gröstl und Krautsalat für die Mühen des Tages.

No turning back

No turning back

Am folgenden Morgen bereiten sich Marion und Stephan am tiefsten Punkt des Skigebiets auf den Tag vor. Auf dem Weg in den Skikeller ihres Hotels gewinnt ein Foto ihre Aufmerksamkeit, das vier junge Männer mit wenig zeitgemäßen Frisuren zeigt. Die Pilzköpfe, heißt es im Bildtext, stammen aus Liverpool. Und sie haben das Skilaufen erlernt, als sie 1965 für die Dreharbeiten zu ihrem zweiten Spielfilm „Help“ in Obertauern verweilten.

Das Double von Paul McCartney

Auch wenn der Talkessel am Tauernpass überwiegend familienfreundliche Pisten beherbergt, war Herbert Lürzer bei der Betreuung der Beatles ganz besonders gefordert: Die „Fab Four“ nämlich zeigten sich an Technik und Stockeinsatz nur wenig interessiert, sie wollten einfach nur ihren Spaß haben. Um im Kino dennoch eine gute Figur abzugeben, mussten sie auf den Pisten gedoubelt werden. Skilehrer Lürzer übernahm die dankbare Aufgabe, als elegant Kurven schwingender Paul McCartney in die Geschichte einzugehen.

Apres-Ski-Sündenpfuhl: Die Lürzer Alm

Apres-Ski-Sündenpfuhl: Die Lürzer Alm

Sohn Heribert hat die Geschichte tausende Male gehört. Dass die Beatles damals weitgehend unerkannt in dem noch wenig glamourösen Skiort unterwegs waren. Dass sie im Hotel Edelweiß genächtigt haben, welches sein Onkel Harald betrieb. Und dass Vater Herbert mit seiner Rolle immerhin so viel verdient hatte, um die familieneigene Pension zu jenem Hotel umzubauen, das heute „Kesselspitze“ heißt. Als solches hat es weitere Evolutionsstufen durchlebt: Die Einrichtung fällt durch einen Stil auf, der am ehesten als alpiner Neobarock zu umschreiben ist – mit Kuhfellimitaten auf den Designersitzmöbeln und Geweihimitaten an den Wänden.

Direkt auf die Piste

Marion und Stephan haben sich unterdessen die Ski angeschnallt. Abgesehen davon, dass Obertauern mittlerweile als annähernd so mondän wie ihre „Kö“ gilt, wissen die beiden Düsseldorfer an dem Ort besonders zu schätzen, dass sie vom Hotel direkt in die Piste einsteigen können. Für heute haben sie sich vorgenommen, die grüne Tauernrunde zu absolvieren: Einen Steinwurf vom Skikeller entfernt nehmen sie auf den beheizten Sitzen der Schaidbergbahn Platz, um das Skidorf gegen den Uhrzeigersinn einmal zu umrunden.

Die Tauernrunde: Zwischenstopp im Sonnenstuhl

Die Tauernrunde: Zwischenstopp im Sonnenstuhl

Zum Warmwerden geht es über eine sanfte blaue Piste zur Talstation der Plattenkarbahn. Nach der Abfahrt führt ein Ziehweg zum Hundskogel. Hier beginnen die weniger belebten Strecken abseits des Ortes, von denen die „Super Seven“-Piste des Seekarecks die schönste und schwierigste ist. Auf zwölf Kilometern Abfahrt müssen zur Absolvierung der Tauernrunde insgesamt 2200 Höhenmeter überwunden werden. Ein bequemes Vormittagspensum, das sich die beiden nach der Hüttenjause in umgekehrter Richtung – und auf komplett anderen Pisten – abermals zumuten.

Design-Hotel im Talkessel: Die Lürzer Alm, einst Domizil der Beatles

Design-Hotel im Talkessel: Die Lürzer Alm, einst Domizil der Beatles

Als Marion und Stephan gegen 15 Uhr die Edelweißhütte passieren, herrscht dort schon Hochbetrieb. Hunderte Ski-Paare stecken im tiefen Schnee. Bis weit auf die Pisten sind Lieder zu hören, die Rheinländer gemeinhin dem Karneval zuordnen. Später im Tal verlagert sich der Hüttenzauber in die Lürzer Alm. Die Düsseldorfer aber beschließen, frühzeitig ins Hotel abzufahren. Schließlich wollen sie sich am kommenden Tag der ultimativen Herausforderung stellen: Gamsleiten 2.

Informationen:

Die Skisaison in Obertauern beginnt am 18. November und endet am 24. April. Das Skigebiet erstreckt sich von 1630 Metern bis hoch auf 2313 Meter, die längste Abfahrt ist der Zehnerkar mit einer Länge von 1700 Metern. Obertauern gilt aufgrund seiner Lage am Tauernpass als schneesicher.

Insgesamt umfasst das Skigebiet 26 Liftanlagen und 100 Kilometer Abfahrten, von denen vier als „schwer“, 36 als „mittel“ und 60 als „leicht“ eingestuft werden. Der Skipass kostet in der Hochsaison 38 Euro pro Tag und 193,50 Euro für sechs Tage.

Die Anreise erfolgt von Deutschland über Salzburg, für den Tauernpass sind meist Schneeketten erforderlich. Einige Hotels bieten einen Shuttle-Service zum Flughafen Salzburg an, der etwa 90 Kilometer entfernt ist. Der nächstgelegene Bahnhof ist Radstadt, von hier verkehrt ein Postbus.

www.obertauern.com

www.luerzer.at

1 Kommentar

  1. Auch ein Apreski-Tip am Obertauern:
    diktnalm.at
    Urige gemütliche Hütte mit viel Charme!

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.