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Bona’me, Köln

Bona'me - die türkische Variante von Vapiano

Bona’me – die türkische Variante von Vapiano

Nun gut, Vapiano auf Türkisch. Es war nicht unbedingt das, was wir uns für den Abend vorgestellt hatten, aber einige Leute hatten ja schon davon geschwärmt. Also bleiben wir sitzen an den  Holztischen im yuppiefizierten Rheinauhafen.  Wir lassen von unseren Tischnachbarn (man kommt hier leicht ins Gespräch, wie auf der AIDA) auf die schnelle darüber informieren, „wie das hier funktioniert“. Und mit gedämpftem Optimismus schreiten wir zu den Bestellstationen: Ein gemischter Vorspeisenteller (Soguk Meze) und Ezme (Kleingehackte Tomaten mit Peperoni). Der libanesische Weißwein, das Flagship des Hauses, ist leider nicht erhältlich. Und auch für die anatolische Alternative gibt es nur widerwillig Eiswürfel und Kübel.

Auch wegen des großen Andrangs, stelen wir uns darauf ein, uns vorerst mit dem Maiabend zu begnügen – bis der Vibrationsalarmempfänger uns erlöse. Doch der Wein, der Emir heißt und aus dem Hause Cankaya kommt, erweist sich als angenehm süffig. So fällt es kaum auf, dass es rund eine halbe Stunde dauert, bis die Vorspeisen, an denen es im Grunde wenig zu kochen gibt, fertig sind. Bald stellen wir fest, dass die nach einer Radtour durchaus unangenehme Wartezeit sich gelohnt hat.

Wein aus authochtonen Rebsorten und der unvermeidliche Vibrationsalarm

Wein aus authochtonen Rebsorten und der unvermeidliche Vibrationsalarm

Der Vorspeisenteller besteht aus drei cremigen Dips auf Spinat-, Paprika- und Frischkäsebasis, die allesamt schmackhaft sind und ohne garstige Knoblauchkaschierung auskommen. Die gehackten Tomaten sind eine angenehme Erfrischung. Und das auf der Speisekarte vermeldete Attribut „scharf“ ist keineswegs übertrieben. Einzig das vor dem Gast aus dem Ofen gezogene Fladenbrot schmeckt etwas muffig. Vielleicht liegt es daran, dass Pfingstmontag ist und der Bäcker pausiert.

Nach dieser Ouvertüre ist der Resthunger limitiert. Ein Saxophonist vertont das Testament von Harry Belafonte. Wir denken derweil, dass die Teilung eines Hauptgerichts unangenehmen Völlegefühlen vorbeugen können – und wir irren uns nicht. In der Hoffnung, nicht das übliche zu essen, entscheiden wir uns für Mante, kleine hausgemachte Teigtaschen mit verschiedenen Gemüsefüllungen. Von der handgeschriebenen Kreidetafel interessiert uns die Variante mit Artischocken und Möhren in Senfsoße. Die Zubereitung dauert merklich weniger lang als bei den Vorspeisen. Und das Ergebnis ist durchaus erfreulich. Sowohl die tortellinihaften Teigtaschen, als auch die nach Händlmayr-Senf schmeckende Soße erinnern allerdings eher an eine kulinarische Achse, die von Schwaben nach Regensburg reicht. Aber letztlich war ich ja noch nie in der Türkei. Der Rotwein von Cankaya, gleichfalls eine autochthone Rebsorte, erfreut nicht minder als sein weißer Bruder. Süffig und unprätentiös.

Zwei Details überzeugen uns letztlich, dass wir es hier wirklich mit einem Herzblut-Restaurant und nicht mit einer Geldmachmaschine zu tun haben: Das Personal sorgt sich gewissenhaft darum, dass die Küche sich nicht zu viel Zeit lässt. Und bei den Tischnachbarn, die gleichfalls den Vorspeisenteller geordert haben, sehen wir die formadablen Tomaten mit Peperoni. Die fehlten bei uns, offenbar weil wir das Gericht separat bestellt haben. Man hat also Augenmaß – auch wenn die große Terrasse voll besetzt ist. Ein gutes Zeichen ist zudem, dass hier nicht wenige Türken speisen (die übrigens Bitburger trinken, während der deutsche Gast Efes bestellt). Die Rechnung fällt mit 51 Euro moderat aus. Insgesamt hat uns die Kopie des Vapiano-Konzepts gefallen. Besser als Original? Ja, im Grunde schon.

http://www.bona-me.de/

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