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Jahrmarkt im Deadlock – Der Spreepark in Berlin

Die „Bild“ hat via Twitter die Frage gestellt: „Habt ihr gestern #Tatort geschaut?“ und antwortete: „Ja, den #Spreepark gibt es wirklich“.  Natürlich! Boarding Completed war schon vor vier Jahren vor Ort. Hier ist der Repost:

Bunt beleuchtet und weithin sichtbar: Wenn es dunkel wurde im Plänterwald, glimmte das Riesenrad im Nachthimmel und verdoppelte sich als Spiegelbild in der nahen Spree. Das 40 Meter hohe Fahrgeschäft war die Ikone des einstigen VEB Kulturpark Berlin, dem einzigen ständigen Jahrmarkt der DDR. 1969 gegründet und zum 20. Geburtstag der DDR „der Bevölkerung übergeben“, wurde er nach der Wende abgewickelt und unter neuer Führung modernisiert als Spreepark weitergeführt.

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Ruhe für Rastlose: Die Insel Schiermonnikoog

Thijs de Boer kennt das Phänomen: Zu Tausenden fallen die Besucher auf Schiermonnikoog ein. Zweimal pro Jahr. Wochenlang herrschen dann tumultartige Zustände auf dem kleinen Eiland. Für den Mann mit dem wettergegerbten Gesicht wird es nun höchste Zeit, sich auf die Lauer zu legen. Er will Art und Anzahl der Eindringlinge sondieren. Es ist früher Morgen, als de Boer mit Fahrrad und Fernglas ausrückt. Der Wind bläst hart aus Nordwest.

Während der Sonnenaufgang den Himmel melodramatisch einfärbt, ist der hagere Mann darauf fixiert, größere Populationen jener Zugvögel zu erspähen, die ab Mitte September auf der kleinsten bewohnten Nordseeinsel der Niederlande eine Flugpause einlegen.Seinen ersten Zwischenstopp legt de Boer heute am Westerplas ein. Zwar fürchtet er, dass die lustigen Löffler mit ihren langen Schnäbeln ihr Sommerdomizil an dem Süßwassersee bereits verlassen haben. Dafür aber liege es im Bereich des Möglichen, dass sich der Große Brachvogel blicken lasse – und der verfüge über ein nicht weniger kurioses Utensil zur Nahrungsaufnahme.

Knutt, Zwergmöwe und Basstölpel hofft der pensionierte Lehrer dann bei seinem zweiten Halt in den Dünen anzutreffen. Erst zum Winter erwartet er die großen Schwärme von Ringel- und Weißwangengänsen.

Obwohl die Insel nur 16 mal 4 Kilometer misst, ist im Nordwesten von Schiermonnikoog kein Ende der sandigen Hügellandschaft in Sicht. Nicht ohne Sinn für Übertreibung haben die Niederländer den welligen Pfad hinunter zum Meer „Bergweg“ getauft.

Thijs de Boer

Thijs de Boer

Anders als auf den übrigen Watteninseln ist der Pfad nicht eingezäunt: Auf Schiermonnikoog haben Hobbyornithologen und Wanderer freien Zugang zu den sensiblen Biotopen. Eine Freiheit, die möglich ist, weil auf der Insel nur im Luftraum Betrieb herrscht – die Einwohnerzahl hingegen beläuft sich auf weniger als 1000. Auch Menge und Bewegungsradius der Besucher sind nicht einmal in der Hochsaison groß genug, um für Flora und Fauna eine Gefahr darzustellen.

Während sich die Dünen verschwenderisch weitläufig geben, ist vom Strand kaum etwas zu sehen. An ruhigen Tagen ist er mancherorts bis zu einem Kilometer breit. Dann rühmt er sich, einer der breitesten in Europa zu sein.

Heute aber ist das anders: Kumulus- und Zirruswolken ringen um die Vorherrschaft am Himmel. Bis zum Horizont brechen bedrohlich wirkende Wellen. Und der Wind treibt das Wasser so weit ans Land, dass der zitronengelbe, auf Stelzen stehende Pavillon am Ende des Badwegs nur noch mit dem Boot erreichbar ist.

„Schicksal des Inselbewohners“, kommentiert Thijs de Boer lakonisch. Wenn Windstärke und Wasserstand dies nicht zulassen, sei es schließlich keine Seltenheit, dass auch die Fähren zum Festland nicht verkehren. „Wir wissen also, was es heißt, vom Rest der Welt abgeschnitten zu sein.“

An den Tagen der Isolation bleibt den Bewohnern des einzigen Inseldorfes das „Van der Werff“. Mit seinen weißen Fassaden strahlt das Hotel eine Würde aus, die an mondäne Badeorte längst vergangener Epochen denken lässt. Die Zimmer allerdings sind leicht abgehalftert. Tatsächlich reicht die Geschichte des Hauses bis ins Jahr 1726 zurück. Seinerzeit fungierte es als Kombination aus Rathaus, Post und Gericht. Heute ist der angenehm altmodische Salon so etwas wie der Mittelpunkt des sozialen Lebens von Schiermonnikoog. Wenn es Einheimischen nach Konversation verlangt, kommen sie hierhin.

Schwarzweißfotos, holzgetäfelte Wände und samtbezogene Sessel prägen die nostalgische Aura des Salons, der über die Jahrzehnte hinweg eine fast schon Stolz ausstrahlende Patina angelegt hat. Den Geschichten, die hier erzählt werden, bekommt dieses Umfeld. Auch Seemannsgarn ist den Inselbohemiens nicht fremd.

Davon hat Auke Talsma reichlich auf Lager. Als einer der letzten Insulaner übte er bis in die siebziger Jahre den Traditionsberuf des Walfischers aus. Obwohl der Naturmensch heute vorzugsweise Hecke und Hortensien im Garten seines Häuschens pflegt, sieht er auch im Alter von 74 Jahren noch wie ein Vorzeigeseebär aus.

Talsmas Domizil befindet sich zwischen Middenstreek und Voorstreek, den beiden schönsten Straßen des Ortes. Hier scheinen die Sommermonate im Zeichen eines inoffiziellen Wettbewerbs um die opulenteste Vegetation zu stehen. Die Anordnung ausdrucksstarker Farben liegt ihn: Als Mitglied des Künstlerklubs „De Kwast“ bannt er seine Erinnerungen auf Leinwand. Ein Leben zwischen Insel und Meer.

So hält es auch Thijs de Boer. Auf die Frage, was er sonst so mache auf dieser Insel, wo die Hauptattraktion darin liege, dass es außer der Natur keine Attraktionen gibt, auf diese Frage also antwortet de Boer, dass er und seine Frau Annelies ein kleines Muschelmuseum aufgebaut haben.

Rund 1500 Exponate sind hier zu sehen. Fundstücke, die das Paar aufgelesen hat. Bei Exkursionen, die nie langweilig werden. Vor allem dann nicht, wenn sich die Zugvögel auf der Nordseeinsel von den Strapazen ihrer Reise erholen.Auf der Insel ist ein Besucherzentrum eingerichtet, von wo aus Exkursionen und Ausflüge in den Nationalpark mit und ohne Führer angeboten werden. Neben Wanderungen und Fahrradtouren können auch Busfahrten am Strand (Balgexpres), Kutschfahrten oder Bootstouren unternommen werden.

Das Dorf, der Bancks-Polder, die Umgebung des Dorfes mit Eisbahn, Campingplatz und dem Berkenplas sowie das Dünengebiet im Norden des Dorfes gehören nicht zum Nationalpark. Auf dem Polder sind Milcherzeuger angesiedelt, an einigen Stellen wird Mais angebaut. Hier überwintern große Verbände von Ringel- und Weißwangengänsen.

Die Geschichte wurde zuvor über dapd veröffentlicht, unter anderem auf Spiegel Online: http://www.spiegel.de/reise/europa/insel-schiermonnikoog-ruhe-fuer-rastlose-a-723058.html

Die Reise wurde vom Niederländischen Büro für Tourismus und Convention unterstützt.

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Rundflug über La Réunion im Zweisitzer

Um 5.15 Uhr geht der Wecker. Nach einem Croissant ohne Kaffee nehmen wir Kurs auf ein Industriegebiet im Nordwestvon La Réunion. Hier hat sich Felix Ulm niedergelassen. “Ein Deutscher?”, frage ich schlaftrunken. Nur um mich dann belehren zu lassen, dass ULM für “ultra light/micro light aircraft” steht. “Eine Abkürzung”, knurre ich, “die keinen Sinn macht”.

Es wird gerade hell, als mir ein Pilot zugeteilt wird: Serge, ein kerniger Typ, der mich sofort an Jack aus „Sideways“ erinnert. Eine positive Assoziation. Leider verstehe ich sein Englisch noch schlechter, als sein Französisch. Als Serge den 450 Kilo schweren Pappflieger auf die Startbahn schiebt, ist es 7.00 Uhr. Mir ist durchaus ein wenig mulmig.

Aber egal, jetzt ist es zu spät für Zweifel. Serge quetscht mich in den Flieger, setzt mir einen Kopfhörer auf und legt mir einen Gurt an. Dann klappt er die Plexiglasaußenwand herunter. Und ohne weitere Verzögerung nimmt die mit nur einem kleinen Propeller ausgestattete Maschine Fahrt auf.

Wir gewinnen rapide an Höhe. Serge fliegt eine 270-Gradkurve, die einen Ausblick über Le Port gestattet, ein verschlafen aussehender Hafen. Nach etwas mehr als einer Minute aber befinden wir uns schon am Ausgang einer Schlucht.

Von Wasser ist in der schattigen Felsenspalte nichts zu sehen. Doch ich habe bereits gelernt, dass auf dem Eiland im Indischen Ozean gerne schonmal 200 Milliliter Regen pro Tag fallen. Das ist ein Drittel des Jahresniederschlags von Köln. Und hier regnet es bekanntlich auch nicht selten.

Wir gewinnen weiter an Höhe. Bald befinden wir uns auf etwa 2000 Metern. Zaghaft werfe ich einen Blick auf die Instrumente. 5350 Stunden hat der Flieger schon auf dem Buckel. Angeblich. Das beruhigt.

Serge fliegt so nah am Gipfel eines Berges vorbei, dass ich glaube, von den Bäumen ein paar Blätter abpflücken zu können.

Langsam kommt das Ende des Talkessels in Sicht. Serge steuert auf den Grat zu, über den die Wolken wie eine zähe Melasse hinwegfließen.

Erst 20 Sekunden, bevor wir bei unserem Tempo von nur 100 Stundenkilometern unweigerlich gegen die Kraterwand geknallt wäre, navigiert Serge den Flieger im Stile eines typisch französischen Hasardeurs über die Kante hinweg.

Auf der Wetterseite dieser bizarren Insel ist zunächst nicht viel zu sehen. Dann aber öffnet sich die Wolkendecke. Überall Vulkankrater. Erst sind sie zugewuchert. Bald jedoch sind sie nackt.

Wir erreichen nun jenen Landstrich, den die Bewohner der nur 40 mal 60 Kilometer großen Insel „Le Volcon“ nennen. 2600 Meter ist das graue Ungetüm hoch. Er gehört zu den aktivsten Vulkanen des Planeten.

Hinter einer Kante, die den inneren Zirkel des Vulkans markiert, wächst und gedeiht nichts mehr, außer ein wenig knorrigem Gestrüpp.

Als wir uns dem Gipfel nähern, muss ich daran denken, was der mitreisende Kollege P. tags zuvor bei der Wanderung gesagt hat: Wenn La Réunion der Arsch der Welt ist, dann ist das hier das dazugehörige Loch.

Meine theatralische Skepsis der frühesten Morgenstunde ist nun einem – schon wieder! – hemingwayeskem Entdeckergeist gewichen. Zumal Papa zwei Flugzeugabstürze überlebt hat.

Was für eine Insel, denke ich. Die Küstengewässer sind haiverseucht. Dahinter Städte und Dörfer mit viel Verkehr. Dann Almen mit Kühen. Akazien, die einsam in der Landschaft stehen. Die Mondlandschaft des Vulkans, auf der zuweilen sogar Schnee liegt, was Tausende in die Höhen treibt. Und schließlich noch diese drei Talkessel mit ihrer üppigen Vegetation und kreolischen Siedlungen.

Ich ertappe mich bei einem verträumten Gedanken: Das ist wie beim Bleigießen hier. Man nehme ein wenig Masse, schmeiße sie ins Wasser. Und heraus kommt so etwas.

Vier Stunden bis Paris. Dann nochmal zwölf Stunden mit Air Austral. Und 170 Euro für diesen einstündigen Rundflug. Doch die weite Anreise lohnt in jedem Fall.

Beim Landeanflug rücke ich noch mal kurz von meinen schwelgerischen Gedanken ab. Doch auch wenn es mir tollkühn erscheint, so landet Serge den Hobel doch sicher auf der Piste. Später erfahre ich, dass wir fünf Minuten zu früh waren, um auch noch in den Genuss brünftiger Buckelwale zu kommen, die sich in den Gewässern tummeln. Aber das wäre der Reizüberflutung dann vielleicht doch zu viel gewesen. Zumindest zu dieser frühen Stunde.

Die Reise wurde vom Fremdenverkehrsamt der Insel La Réunion unterstützt.

www.felixulm.com/start

www.airaustral.com

www.reunion.fr/de