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Trois Vallées: Panoramablick auf das größte Skigebiet der Welt

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Auf 1450 Höhenmetern gibt sich das Tal von Belleville betont ursprünglich: Natursteinhäuser mit Holzbalkonen prägen den kleinen Ort St. Martin. Rund um die Dorfkirche gruppieren sich ein paar Feinkostläden. Die wenigen Restaurants sind vornehm rustikal. In den Straßen nach brennendem Kaminholz. Ansonsten passiert hier nach Sonnenuntergang wenig.

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Erst in den 80er Jahren haben sich die Bewohner überhaupt dazu durchringen können, Skiläufer zu beherbergen. Unter der Bedingung, dass der Ort seine Identität behält. Seitdem wird St. Martin von ein paar Chalets umringt, die architektonisch dem traditionellen Stil der Region gehorchen.

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Manche stehen in beträchtlicher Abgeschiedenheit. Doch alle kommen ohne irgendeine Form von Alpenkitsch aus.

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Eine einzige Kabinenbahn macht den Ort für Wintersportler so attraktiv, denn diese verbindet St. Martin de Belleville mit dem größten Skigebiet der Welt. In den „3 Vallées“ stehen 600 Kilometer Piste zur Auswahl -und ein breites gesellschaftliches Spektrum.

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Es umfasst die Selbstdarsteller eines leicht angestaubten Jet Set und reicht bis zu den selbstverliebten Protagonisten jener Generation, die lieber durch die Bewältigung sportlicher Herausforderungen beeindruckt.

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Auf 1850 Höhenmetern allerdings ist von beiden Extremen nichts zu sehen. Dafür erheben sich in Les Menuires Kordilleren aus Glas, Holz und Beton, die in einem 90-Grad-Winkel zu den Savoyer Bergketten stehen. Schon 20 Jahre vor St. Martin wurde der ungleich größere Ort für den Tourismus erschlossen – auf staatliches Geheiß. In einer Epoche ungebremster Zukunftsgläubigkeit, als die Architekten partout hoch hinaus wollten. Und in der sie sich zu Bauwerken inspiriert fühlten, für die der Begriff Bettenburg geprägt wurde.

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Diese Klassifizierung aber ist zu eindimensional. Einige Ortsteile von Les Menuires sind durch Kabinenbahnen miteinander verbunden, die kostenlos benutzt werden können. Zu den Transportmitteln zählt sogar eine futuristische Standseilbahn. Die verwinkelten Einkaufspassagen an der Croisette sind von außen als solche gar nicht zu erkennen. Einige Alpenhochhäuser beherbergen gar ihren eigenen Supermarkt. Bei allem bieten die Siedlungen derart viel Platz, dass vierköpfige Familien hier auch in der Hochsaison für 1000 Euro residieren können – inklusive Skipass. Mit anderen Worten: das Ganze ist durchdacht.

Als Zugeständnis für eine Klientel mit höheren Ansprüchen wurden oberhalb des Ortes holzverkleidete Bauten errichtet, die das zeitgeistkonforme Grundrecht auf Design und Wellness befriedigen. Fast schon schamhaft wenden die Domizile von Reberty den Hochhäusern der Croisette den Rücken zu.

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Obwohl Les Menuires ein eigenes Skigebiet mit 160 Kilometern Pisten ausweist, ist auch dieser Ort Teil der „3 Vallées“. Der Panoramablick, der sich nur eine Liftfahrt in Richtung Nordosten eröffnet, ist im kleinen Pass inbegriffen: Oben auf dem Col de la Chambre scheint der Mont Blanc an klaren Tagen zum Greifen nah. Das Panoptikum, das sich nach Überwindung eines weiteren Bergrückens offenbart, bleibt dem Skiläufer ohne Eintrittskarte in die „3 Vallées“ verborgen: Im sonnenverwöhnten Tal nahe Courchevel zelebrieren gebräunte Luxusgestalten das Leben.

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Auf den Terrassen von Skihütten, deren Tische mit Stoffservietten eingedeckt sind, und die es Tage im Voraus zu reservieren gilt. Dieses Paralleluniversum lässt sich von Les Menuires in weniger als einer Stunde erschließen.

Auf 2300 Höhenmetern zeigt das Tal von Belleville dann abermals ein anderes Gesicht. Der Ort hier oben heißt Val Thorens – und es darf nicht verwundern, dass es sich auch bei Europas höchst gelegenem Ski-Resort nicht um ein historisch gewachsenes Bergdorf handelt. Val Thorens ist fest in der Hand der Jugend. Der Schnee ist hier auch dann griffig, wenn es andernorts taut. Gefahren wird entsprechend sportlich. Die Küche macht derweil auf „Fusion“, schweizerisches Fondue und asiatische Currys stehen auf der Speisekarte des „Kinabalu“ wie selbstverständlich nebeneinander. Auch die Après-Ski-Vergnügen sind speziell: Wer sich auf den Pisten nicht gebührend austoben konnte, dem bleibt die Bewältigung von Abfahrten auf dem Mountainbike.

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Erst auf 3200 Höhenmetern ist Schluss. Dafür ist die Fahrt zum Cime Caron kaum zu toppen: Die Bahn gehört mit einer Kapazität von 150 Personen pro Kabine zu den größten der Welt. Eine kühne Konstruktion mit einer abenteuerlichen Bergstation, die auf einem scheinbar viel zu schmalen Grat thront. Dagegen mutet die schwarze Abfahrt ins Tal wie die kleinere Herausforderung an.

Wer in noch höhere Sphären vordringen möchte, dem bleibt die französische Küche. Dafür ist das Dorf St. Marcel (auf 1550 Höhenmetern) weithin bekannt. Hier nämlich hat 1976 René Meilleur sein Restaurant „La Bouitte“ eröffnet. Damals, als der Tourismus noch in den Kinderschuhen steckte, war er weit und breit der einzige, der die Skiläufer bewirtet hat. Ein Jahrzehnt mit Raclettes und Quiches aber reichte ihm: „Ab jetzt kochen wir richtig“, hat er sich dann gesagt.

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In 2008 hat der Guide Michelin Meilleurs Anstrengungen mit der Verleihung eines zweiten Sterns belohnt. Der Autodidakt serviert ebenso gewagte wie kreative Gerichte, etwa ein Ei, das 68 Minuten lang bei einer Temperatur von 62,5 Grad pochiert wird. Es thront auf einem Bett aus zart pinkfarbenen Würfeln, die sich als Melange aus roher Lachsforelle und geschälten Grapefruits herausstellen. Eine Consommé begleitet das Gericht geräuschlos.

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Nachdem das Gros der Arbeit verrichtet ist, patrouilliert der Chef durch sein Lokal, das trotz aller Kritikerlorbeeren einen ungezwungenen Charme verbreitet. Nichts bereitet ihm mehr Freude als Gäste, die beim Essen vor Entzücken ein Glucksen nicht unterdrücken können. Seien es eigens angereiste Gourmets oder Skiläufer, die der Patron mittags vom Pistenrand einfahren lässt. „C’est la France“, sagt Meilleur lapidar, wenn er auf diese spontanen Glücksbekundungen angesprochen wird. Ein bisschen muss sich der Skiurlaub ja von der Konkurrenz anderer Alpenländer abheben. Und in Frankreich gilt nun einmal eine andere Höhenskala – wenn es um das Essen geht.

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Informationen:

Das Tal van Belleville ist mit dem Auto in 75 Minuten von Albertville zu erreichen, nach Lyon dauert es zwei Stunden. Anreise per Zug (Albertville) und Flugzeug (Lyon oder Genf) möglich, aber kompliziert.

Der Skipass für die „3 Vallées“ (sieben Tage) kostet 270 Euro. Günstiger sind die Varianten für das Tal von Belleville (Les Menuires und Val Thorens) mit 249 Euro und für Les Menuires (210 Euro). Wer ein Gefühl für die Höhenmeter bekommen möchte, kann die ganze Strecke von St. Martin nach Val Thorens auch auf gespurten Loipen und Wanderwegen zurücklegen.

Les Menuires und St. Martin bieten eine Schneegarantie: Wenn weniger als 80 Prozent der Liftanlagen geöffnet sind, erhalten unzufriedene Gäste ihr Geld für Skipass und Unterkunft zurück (extreme Wetterlagen wie Stürme und starke Schneefälle ausgeschlossen).

Im Restaurant „La Bouitte“ wird Tischreservierung empfohlen. Das Viergang-Überraschungsmenü kostet 100 Euro.
www.la-bouitte.com

In Savoyen wohnen die Skiläufer häufig in Appartements. Sprachliche Probleme sind die Ausnahme, fast jeder spricht Englisch oder Deutsch.

Buchungen über:

www.lesmenuiresreservation.com  (inklusive St. Martin).

In Val Thorens dauert die Saison aufgrund der Höhenlage bis zum 8. Mai.
www.valthorens.com

www.de.franceguide.com
Die Reise wurde teilweise unterstützt vom Tourismusbüro Les Menuires/St. Martin de Belleville

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