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Im Hotel der Zukunft: Das NHOW in Berlin

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„Berlin, Du bist so wunderbar“, textete vor knapp zehn Jahren die längst vergessene Band Kaiserbase. Das scheinen sich die Touristen in der Mühlenstraße an diesem sonnigen Sonntagmorgen auch zu denken. Der Bürgersteig jedenfalls ist kaum passierbar. Alle paar Meter stehen Asiaten oder Nordamerikaner, die sich vor den plakativen Malereien der East Side Gallery ablichten lassen.

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Michail Gorbatschow oder Erich Honecker können sich hier, auf den längsten zusammenhängenden Relikten der Berliner Mauer, immer noch einer gewissen Aufmerksamkeit erfreuen. Die Lage an der Spree tut zur Popularität ihr übriges.

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Ich erhole mich hier von meiner Ankunft am Ostbahnhof: Nach fünf Stunden im ICE habe ich grade ein Sandwich inhaliert, als eine unverdächtig aussehende Frau mittleren Alters auf mich zukommt: „Ihr sollt alle nicht so viel fressen“, sagt sie. „Ihr werdet viel zu fett.“ Guten Morgen, Berlin.

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Nach ein paar Minuten bin ich in Friedrichshain. Ihr wisst schon: Da wo die ganzen Leute wohnen, die grad so’n Projekt machen. Ich sehe die Lagerhäuser des ehemaligen Osthafens, die den typischen Berliner Weg einer Nutzungsänderung hinter sich haben. Im ehemaligen Eierkühlhaus residiert seit rund einem Jahrzehnt die Plattenfirma Universal, dahinter erhebt sich das markant verschachtelte Hotel NHOW, das sich in das musikaffine Umfeld nahtlos einfügt: Es beherbergt ein Aufnahmestudio und lockt damit, auf Anfrage Gitarren oder Keyboards aufs Zimmer zu liefern. Auch Soul-Diva Erykah Badu und Public Enemy wussten das zu schätzen.

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Beim Betreten des Hotels werde ich von einem jungen Mann mit Melone begrüßt, der erkennbar mit spanischem Akzent spricht. Das Hotel gehört schließlich zur NH-Gruppe, die so ziemlich in jeder Stadt der Welt präsent ist. Nach dem Check-in an einer eiförmigen Kunststoffeinheit begleitet er mich aufs Zimmer, ohne dabei an den antiquierten Kofferträger aus den Zeiten des Grand Hotels zu erinnern.

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Er erklärt, wie das alles funktioniert hier: Die weiße Flatscreen-Glotze läßt sich bequem vom Schlafraum zum Wohnraum drehen. Wi-Fi ist inklusive. Der wahlweise mintgrün oder mildrosa gehaltene Grundton des Interieurs mag psychedelisch wirken, entfaltet jedoch eine beruhigende Wirkung. Auf meinen fragenden Blick entgegnet er, dass ich schon sehen werde. Das Wasser in der freistehenden Badewanne kann im Bedarfsfall mit geeigenten Salzen angereichert werden. Und, genau, wenn ich eine Gitarre oder ein Keyboard brauche, soll ich mich einfach melden.

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Mit Rücksicht auf die Zimmernachbarn verzichte ich. Stattdessen genieße ich das geräuschkulissenlose Zimmer mit Spreeblick.

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Ich sehe die Oberbaumbrücke, über die Lola in dem maßlos überschätzten Tom-Tykwer-Film so oft gerannt ist. Ich denke: Eine sehr coole Unterkunft, die perfekt zu Berlin passt. Ein Konzept, das nicht auf die Anzugträger dieser Welt zugeschnitten ist, sondern auf eine Fashion-crowd. Es ist schrill durchdesignt. Und durchaus ein Entwurf für das Hotel der Zukunft vor. Gelegen ist das NHOW auch gut. Die Location an der Spree ist perfekt.

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Es ist nicht weit zum Kreuzkölln, der Schnittstelle von Kreuzberg und Neukölln, wo sich die stolzen Jungkreativen vom kinderwagenschiebenden Establishment des Prenzlauer Bergs ostentativ distanzieren. Und vom S-Bahnhaltepunkt Warschauer Straße (etwa zehn Minuten Fußweg) sind es nur vier Stationen zum Hackeschen Markt. Ach ja, und wenn man irgendwo in Mitte oder in Kreuzberg versackt: Die Heimfahrt im Taxi kostet um die 10 Euro.

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Das Publikum beim Frühstück ist amüsant durchgestylt: Magere Model-Mädchen mit platinblonden Haaren und Black-Flag-T-Shirts schnappen sich die Obst-Schälchen – sie fühlen sich wohl in diesem Hotel. Auch weil sie gesehen werden. Es wird Englisch gesprochen, aber auch Spanisch und Russisch. Hipster aus aller Welt kommen, um hier ihrem Aufenthalt in der Party-Hauptstadt der Welt zu zelebrieren. Und das zu einem Preis, der in London, Paris oder Amsterdam schon ein Hostel kostet: ab 90 Euro für das Doppelzimmer.

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Informationen:

NHOW Hotel Berlin

Stralauer Allee 3

10245 Berlin

nhow-hotels.com/berlin/hotel

Ralf Johnen, Februar 2013 Fotos: NHOW (8), Ralf Johnen (3)

Der Autor war auf Einladung von NH-Hotels im NHOW

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  1. Schöne Geschichte über ein spannendes Hotel. Besonders gut die Berliner Schnauze „Ich sollt alle nicht so viel fressen“. Übrigens: ich war neulich im Nhow Hotel in Mailand, fand es auch super 🙂

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