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Knut 2.0 schaut vorbei: Berlin hat sein Lieblingstier erst mal wieder

„Ist hier immer so wenig los?“, fragt eine bemantelte Frau mit Fotoapparat im Anschlag und nickt Richtung Glaskasten. „Na, kommen Sie mal am Vormittag, da wimmelt es hier von Schülern“, antwortet der Security-Mann, der sich im Foyer des Berliner Naturkundemuseums den lieben Tag lang die Füße in den Bauch steht, was ihn ein bisschen redselig macht. Aber: Er hat den besten Überblick darüber hat, wie beliebt er denn immer noch ist. „Es ist auf jeden Fall viel mehr los als sonst“, sagt der Wachmann.

Knut im Kasten

Knut im Kasten

Seit 14 Tagen sitzt er nun da im Glaskasten, die Tatzen ruhig auf dem Kunstfelsen ruhend, hat ein verschmitztes Grinsen aufgesetzt und feiert als Dermaplastik gerade so etwas wie eine Wiedergeburt: Knut, Berlins verblichener Superstar, der Eisbär, der es zusammen mit Leonardo Di Caprio auf das Cover von „Vanity Fair“ schaffte. Oder zumindest das, was von ihm übrig ist.

Dermoplastik als Modell

Dermoplastik als Modell

„Von ihm verwendet wurde nur das Fell“, bekundet der Sicherheitsmann. Auch die Krallen stammen vom Originaltier, das am 5. Dezember 2006 nach über 30 Jahren als erste Eisbärengeburt im Berliner Zoo gefeiert, anschließend von Hand aufgezogen wurde und zum internationaler Medienphänomen avancierte, zum globalen Knuddel-Star, der dem Zoo ungeahnte Besuchermassen bescherte.

Im Alter von vier Jahren verstarb Knut

Im Alter von vier Jahren verstarb Knut

Doch der Höhenflug nahm bekanntermaßen ein tragisches Ende. Erst verstarb sein Pfleger, und dann ging am 19.3.2011 auch der hirnkranke und erst vierjährige Knut. Er ertrank im Gehege vor den Augen entsetzter Zoobesucher. „Sie können sich das Ganze auf Youtube ansehen – keine schöne Sache, nichts für Kinder. Ich vermute ja, dass er nicht mehr leben wollte, weil die Beziehung zu seinem Pfleger wie zu einem Vater war“, mutmaßt der Wachmann.

Dürfen wir auch mal ran? Über einen Monitor werden die Präparationsarbeiten erläutert

Dürfen wir auch mal ran? Über einen Monitor werden die Präparationsarbeiten erläutert

Ein paar Knut-Fans laufen dann doch noch auf im Eingangsbereich und zücken die Kameras. Ein älterer Mann mit Mütze lichtet erst die Plastik ab und widmet sich dann dem Monitor, der neben der Vitrine an der Wand eine Kurzgeschichte der Präparationsarbeiten erzählt. „Ich habe den Knut schon gefilmt als er noch ein Baby war und im Zoo umhergetollt ist“, sagt der Mann. Eine Frau, der der Blick auf die Mattscheibe verstellt ist, mault: „Können wir auch mal ran?“

Work in progress: Plastik ohne Fell und Kopf

Work in progress: Plastik ohne Fell und Kopf

Derweil zeigt der geduldige Monitor in Endlosschleife Bilder einer Negativ-Gipsform, die die Präparatoren machten und mit Polyurethanschaum ausschäumten, um die Plastik zu erhalten, dann Feinarbeiten wie das Kämmen der Gesichtshaare. Schließlich wird die fertige, mit dem gegerbten Knut-Fell umspannte Plastik auf einem Rollwagen durch Museumsgänge gekarrt.

Die Mimik muss stimmen - Präparieren ist Kunst

Die Mimik muss stimmen – Präparieren ist Kunst

Der Begleittext lässt wissen: „Ein Tier zu präparieren ist eine wissenschaftlich anspruchsvolle, künstlerische Arbeit. Das beginnt mit Anatomiestudien, geht über Modellbau bis zum Präparieren feinster Mimikdetails und hat nichts mit ‚ausstopfen‘, wie es oft in der Presse dargestellt wird, zu tun.“ Dass Knut den Präparatoren übergeben wurde, statt ihn zu begraben, war nicht unumstritten, wie auch Museumsdirektor Johannes Vogel weiß.

Noch eine letzte Streicheleinheit...

Noch eine letzte Streicheleinheit…

Und dennoch: Dass Knut als Plastik derzeit im Museums-Foyer gezeigt wird, entspreche „dem Wunsch eines Großteils der Berliner Bevölkerung.“ Allerdings wird diesem Wunsch nur bis zum 15.März entsprochen. Dann wandert der starre Eisbär in die wissenschaftlichen Sammlungen des Forschungsmuseums. Warum wieder wegschließen? Auch hierfür hat der Sicherheits-Beauftragte eine Erklärung: „Sie machen es dann ein bisschen spannend, und 2014 wird er wieder im Rahmen einer Ausstellung zu sehen sein.“ In 14 Tagen also muss Berlin schon wieder bis auf weiteres Abschied von Knut nehmen.

Autor: Stefan Weißenborn, 2.03.2013

... und dann ab auf den Rollwagen

… und dann ab auf den Rollwagen

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