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Scheitern ist keine Option: Houston, der Kraftprotz von Texas

Flachbauten mit Western-Flair und eine Skyline wie in »Dallas«

Wieviel PS hat das Dingen hier noch mal?

Scheitern kommt nicht in Frage. Dieses Zitat des Astronauten Gene Kranz ist in Houston zum geflügelten Wort avanciert. Die texanische Stadt versteht sich als Kraftprotz, der sich unbeirrt seinen Weg bahnt. Angefangen hat der Aufschwung durch den Handel mit Baumwolle und Öl.

Später kamen die Raumfahrt und die bedeutendsten medizinischen Einrichtungen des Kontinents hinzu. In einem ehemaligen Sumpfgebiet unweit des Golfs von Mexiko ist so über die Jahrzehnte hinweg der viertgrößte Ballungsraum der USA entstanden. 5,7 Millionen Menschen leben heute hier – trotz einer zuweilen erdrückend wirkenden Schwüle, die von Mai bis September über der Stadt liegt.

Keine Fata Morgana: In Houston und Galveston gobt es cool zones

Keine Fata Morgana: In Houston und Galveston gobt es cool zones

Erste Adresse für Besucher ist der Südrand der Metropole, wo sich das Space Center der Luft- und Raumfahrtbehörde NASA befindet. In den unscheinbaren Hangars werden laufend Projekte vorbereitet, bei denen ein Scheitern nicht eingeplant ist.

Back to the moon: 2020 soll es losgehen

Back to the moon: 2020 soll es losgehen

Unter anderem eine erneute Mondmission im Jahr 2020. Die Amphibienfahrzeuge, die dann zur Fortbewegung dienen, können auf dem Campus schon jetzt begutachtet werden. Nur durch eine Glaswand getrennt, blicken Besucher den Forschern bei der Arbeit über die Schultern. Die sonst in den USA so weit verbreitete Angst vor Spionage oder Sabotage scheint hier nicht vorhanden.

Scheitern ist keine Option! War es auch noch nie…

Halb Forschungszentrum, halb Themenpark, hat sich das Space Center auch der ausführlichen Dokumentation der Raumfahrthistorie verschrieben. Kinder und Erwachsene drängen sich gleichermaßen um den Nachbau einer Raumkapsel.

»I am a Rock«. From the moon.

»And I am pretty massive, too«.

Hier fühlt sich unterdessen alles ziemlich leicht an

Der Autor gefällt sich mit Helm

Neugierig starren sie ein Stück Mond-Gestein an. Und mit offenen Mund staunen sie über die Rakete „Saturn V“, die mit ihren über 100 Metern Länge einen ganzen Hangar ausfüllt.

Die Ausmaße des Raketenantriebs sind gewaltig

Deren fünf gigantische Triebwerke sind ein passendes Sinnbild für die Energie und Rastlosigkeit, mit der Houston zu ständig neuen Superlativen aufbricht: Die Galleria Mall in Uptown gehört mit 375 Geschäften zu den größten des Kontinents.

Houstons Restaurants rocken

Auf dem ganzen Stadtgebiet untermauern nicht weniger als 5000 kettenunabhängige Restaurants den Anspruch kulinarischer Eigenständigkeit. Und 150 Golfplätze ziehen vor allem im milden Winter Gäste von Außerhalb.

Texas? Habe ich mir anders vorgestellt

An den Golf nach Galveston

Laut Celia Morales kommen die Touristen überwiegend aus den USA – auch wegen der attraktiven Küstenregion. Das Städtchen Galveston auf der gleichnamigen Golf-Insel etwa ist in einer Stunde erreichbar.

Der Kemah Boardwalk

Viktorianische Villen, trutzige Kastelle und tropische Gärten zeugen von einer reichen Vergangenheit als wirtschaftliches Oberzentrum und Seebad.

Galveston zählt einige Trutzburgen aus vergangenen Zeiten

Ihre reizvolle Lage unmittelbar an den weitläufigen Stränden der Golfküste allerdings wird der mit nostalgischen Gefühlen aufgeladenen Hafenstadt immer wieder zum Verhängnis: Zuletzt richtete Hurrikan Ike im September 2008 Verwüstungen an der historischen Bausubstanz an.

In einer Südstaatenvilla lässt es sich leben

Die Verwundbarkeit durch die Kräfte der Natur war auch der Grund dafür, dass Galveston seine Führungsrolle ans70 Kilometer weiter nördlich gelegene Houston abgeben musste.

Poesie aus Beton: Die Skyline von Houston

Dort prägen Fortschrittsglaube und Dynamik das Erscheinungsbild der Innenstadt. Die Vertikalität der Skyline steht für Stärke und Macht der texanischen Wirtschaft. Doch anders als in vielen US-Städten mutieren die Wolkenkratzer in den Abendstunden nicht zur Fassade eines potemkinschen Dorfes. „Downtown“ lebt: Vor den Clubs und Restaurants der Main Street bilden sich an Wochenenden lange Schlangen. In unweiter Entfernung befinden sich der Theaterdistrikt und die nagelneuen „Houston Pavillons“, die zum Shopping unter freiem Himmel laden.

Grünflächen gehören zu Houstons Kernkompetenz

Jenseits der unübersehbaren Urbanität aber betont Houston auch seine weniger amerikanischen Seiten. Eine Bahnlinie verbindet die City mit dem Museumsdistrikt und den Wohnvierteln von Midtown, wodurch ein Leben ohne Auto zumindest theoretisch möglich ist.

Ulmen legen ihre Zweigen auf der Wiese ab

Die schönsten Stadtteile (wie Montrose) sind »walkable«

Zu Fuß durch Montrose

Die In-Viertel Heights und Montrose überraschen unterdessen mit ehrwürdigem Südstaatencharme: Pastellfarbene Villen und riesige Ulmen, die ihre ausladenden Äste auf den Straßen ablegen, sorgen für einen eigenen Charakter.

Sun cream by day, ice cream by night

Mitten in Montrose befindet sich auch Rothko Chapel, eine von Philipp Johnson erbaute Kapelle, die der überkonfessionellen Kontemplation dient.

Rothko Chapel ist ein absolutes Highlight

Die Wände sind mit 14 Gemälden des abstrakten Expressionisten Mark Rothko verziert. Im Innern herrscht absolute Stille. Die Grau-, Braun- und Schwarztöne der Bilder aber changieren permanent, sobald die Sonne durch das Oberlicht einfällt. Ein erhabenes Schauspiel. Und ein Ruhepol in einer energiegeladenen Stadt, die zwar nie so viele Touristen wie New York oder San Francisco anlocken wird. Durch seine Vitalität und Ehrlichkeit aber gibt das liberale Houston ein repräsentatives Bild vom Amerika im Jahre 2013 ab.

Reisetipps Houston

Houston ist ein interessantes Ziel vor allem für Reisende, die schon einiges von den USA gesehen haben. Besonders eignen sich die milden Wintermonate oder auch die Vorweihnachtszeit zum Christmas-Shopping. Auch bietet sich die Metropole als Ausgangspunkt für eine Rundreise durch Texas oder einen Urlaub an der endlosen texanischen Küste an.

Ein bisschen Nostalgie darf in Amerika nie fehlen

Lufthansa und Continental Airlines unterhalten tägliche Nonstop-Verbindungen von Frankfurt nach Houston (Preise zurzeit ab circa 575 Euro). George Bush International Airport liegt eine 45 Minuten nördlich der Innenstadt. Taxifahrten kosten etwa 60 US-Dollar.

Der öffentliche Nahverkehr („Metro“) ist zwar vergleichsweise gut ausgebaut, aufgrund der enormen Distanzen aber ist ein Mietwagen unbedingt empfehlenswert.

Wie sieht eine Raketenhalle wohl von außen aus?

Das Space Center befindet sich etwa 30 Kilometer südöstlich von der Innenstadt. Tickets kosten um die 20 Dollar. Geöffnet ist täglich, die Öffnungszeiten allerdings sind variabel (vorher im Internet nachsehen). Der Ausflug kann kombiniert werden mit dem Besuch von „Kemah Boardwalk“, einem kinderfreundlichen Vergnügungspark an der Galveston Bay (weitere 20 Kilometer südöstlich).

Der Houston City Pass beinhaltet neben den Eintrittskarten zum Space Center auch Tickets zu sieben weiteren Attraktionen. Er kostet 39 Dollar (Kinder 29 Dollar).

Rothko Chapel liegt etwas versteckt im Viertel Montrose (1409 Sul Ross, geöffnet: täglich von 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei).

Houston der Kraftprotz von Texas

Uptown Houston heißt ein westlich der Innenstadt gelegenes Viertel. Rundum die Galleria Mall wächst hier ein zweites Zentrum heran. Midtown Houston hingegen befindet sich südwestlich der City. Restaurants und Bars eignen sich für einen abendlichen Aufenthalt. Montrose und Heights sind Viertel aus den Anfangstagen der Stadt. Montrose beheimatet auch die „Menil Collection“, eine Privatsammlung mit mehr als 17.000 überwiegend modernen bis zeitgenössischen Kunstwerken. Das Museum wurde von Renzo Piano entworfen. Die Eigentümer der Sammlung, Dominique und John de Menil, haben auch Rothko Chapel erbauen lassen.

visithoustontexas.com
rothkochapel.org
spacecenter.org

Die Reise wurde unterstützt von Visit Houston und dem texanischen Tourismusbüro

Ralf Johnen, März 2013

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