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Am Beispiel Preziosa – Kostbare Momente einer Schiffstaufe (Teil 2)

Der Weckton aus dem Handy, jetzt endlich die Dusche, Frühstück im Buffet-Restaurant, das immer noch oder schon wieder auf hat, eine Stadtführung durch Genua, die in etwa simulieren soll, was zahlende MSC-Gäste so buchen können, und schließlich taucht zum ersten Mal „die Göttliche“ auf.

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Minutenlang schon umwuseln sich die Fotografen vor dem Absperrseil in der Safari Lounge auf der Preziosa, die Pressekonferenz mit MSC-Funktionären und dem Kapitän ist gerade zu Ende. Dann reihen sich ein paar Bouncer in akkuraten Anzügen auf und legen die Hände zusammen. Hinter ihnen passiert, kostümiert und mit Halstuch und getönter Tantenbrille: Sophia Loren.

(Quelle: MSC Crociere)

(Quelle: MSC Crociere)

Sie muss von ihren Begleitern hie und da etwas gestützt werden, 78 ist sie schon, die Leinwandlegende, die in letzter Zeit vor allem mit großer Schere in der Hand vor Schiffsbäuchen gesichtet wurde. Zum zehnten Mal wird sie am Abend als Taufpatin eines MSC-Schiffes das Band mit der Schampusflasche  am anderen Ende durchtrennen. Beim Plausch auf der Bühne erzählt sie, wie sie und die Reederei einst zusammen gefunden haben. Von einem MSC-Manager habe sie vor Jahren einen Anruf bekommen, während der Dreharbeiten zu irgendeinem Film in Kanada. Sie habe sofort die Koffer gepackt, um ihr Engagement als Taufpatin anzutreten. Et cetera pp.

Schiffsinnenarchitekt

Schiffsinnenarchitekt

Für 16.30 Uhr ist eine Schiffsführung durch einen der Innenarchitekten angesetzt. Treffpunkt Rezeption. Vielleicht steckt mir der Herr ja noch ein paar prickelnde Infos denke ich und zeige pünktlich Präsenz. Und tatsächlich: Eine Stufe der Wendeltreppe im Foyer habe zwischen 2500 und 3000 Euro gekostet, ist zu erfahren. Eingearbeitet sind geschliffene Kristallglas-Steine. Dann tapst die Gruppe deutscher Journalisten in Richtung „Platinum Theatre“. 1600 Plätze.

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Mir kommt die Gaddafi-Geschichte in den Sinn, und ich frage nach: „Libyen wollte eine staatliche Kreuzfahrtgesellschaft gründen und hatte dazu die Schiffspläne erworben“, antwortet Maik Homeyer, Marketingchef bei MSC Kreuzfahrten, der sich ins Grüppchen gemischt hat. Nach dem Sturz Gaddafis übernahm MSC und verabschiedete sich von dem Hai-Plan: Demzufolge sollte im Foyer der Preziosa über zwei Stockwerke ein Pool mit lebenden Haien hinter 30 Zentimeter dickem Glas eingebaut werden. Der Unterhaltung dienen für Schiffe dieser Größe nun eher gewöhnliche Dinge wie eine Bowlingbahn oder ein 4D-Kino, der Entspannung ein Spa mit Behandlungen „auf Basis kostbarer Mineralien“.

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2000 Gäste zur Premiere

Bei einem nahtlos anschließenden Gala-Aperitif in einer der 20 Bars und Lounges an Bord flöten sich die Gäste noch schnell ein paar hastige Drinks rein, und dann ist laut Programm Ausschiffung angesagt. Über ein verschränktes Konstrukt überdachter Treppen und Gangways schieben sich die über 2000 Premierengäste – Touristiker, Journalisten, Verrückte – wie ein Lavastrom in ein riesiges Zelt mit durchsichtigen Wänden, das an der Backbordseite auf dem Pier neben der Preziosa aufgebaut ist.

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Es könne kalt werden in dieser Frühlingsnacht von Genua, deshalb wurden in italienisch-machohafter Höflichkeit ausschließlich an die Damen Microfaser-Decken verteilt. Diese liegen nun unbenutzt unter den Stühlen, denn im Zelt ist es heiß, Kondenswasser tropft von der Decke.

comandante

comandante

Einzigartiges Schiffskoloss

Nach einer Stunde ist das Publikum weichgekocht, und die Show fängt an. Viertel vor acht ists. Ein aufgedrehter Anchorman stürzt auf die Bühne und moderiert die Prominenz an, die jetzt im Sekundentakt ins Spotlight tritt. Kapitän Bossi und MSC-Chef Pierfrancesco Vago bewerben den Schiffskoloss als einzigartig. SSC-Neapel-Boss Aurelio De Laurentiis besiegelt mit einem Trikot mit Sonderaufdruck irgendeine Zusammenarbeit. Und Genuas Bürgermeister Marco Doria hopst auf die Bühne: „Dies ist ein sehr wichtiges Event für die Stadt“, betont er die wirtschaftliche Bedeutung der Reederei: 2013 gehen 800 000 Gäste am MSC-Terminal an Bord. Viele von ihnen schwärmen in die Hügel der ligurischen Regionalhauptstadt aus, geben dort hoffentlich viel Geld aus, so Prognose und Hoffnung.

"Genua wird kostbar", diese Banner ließ die Stadt mit dem beeindruckenden mittelalterlichen Ensemble tatsächlich aufhängen

„Genua wird kostbar“, diese Banner ließ die Stadt mit dem beeindruckenden mittelalterlichen Ensemble tatsächlich aufhängen

Mit wilden Gesten und zugekniffene Augen singt Lokalmatador
 Guino Pauli, eine Art italienischer Joe Cocker, wie meine Nachbarin treffend bemerkt. Es tritt eine Kompagnie junger Baletttänzerinnen aus Genua auf, es redet ein UNICEF-Abgesandter und erklärt das löbliche Engagement von MSC für die Kinder dieser Welt, und dann wird der „Maestro“ anmoderiert: Auch Dirigent und Filmmusiker Ennio Morricone hat MSC gebucht, der ein paar seiner Klassiker nebst Orchester abruft – zum Beispiel „Spiel mir das Lied vom Tod“.

matador

matador

maestro

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Dann ein lautes Dröhnen. Suchende Blicke allerorten. Springt doch noch eine Lüftung an und verabreicht den Anwesenden die rettende Sauerstoffration, erörtere ich mit meiner Nachbarin. Stattdessen schiebt sich auf der anderen Seite der Pier ein anderer Schiffskoloss lautstark neben das Zelt, die MSC Opera. Und wie angekündigt kreuzt auch die MSC Splendida auf.

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Was folgt, ist ein kontemplatives Konzert der Schiffshörner der drei Kreuzfahrtriesen, die wie in „Unheimliche Begegnung der Dritten Art“ (Close Encounters of the Third Kind, 1977) in einen Dialog mit den Zuschauern treten, wie die Außerirdischen in dem Spielberg-Streifen mit der Menschheit. Dazu leuchten abwechselnd weiße Riesenlampions auf den Schiffsbugen auf. Die Show der Giganten erntet Riesenapplaus, dann fahren die beiden Gastschiffe mit 5000 Menschen an Bord wieder ab.

Eine unheimliche Begegnung ihrer Art (Quelle: MSC Crociere)

Eine unheimliche Begegnung ihrer Art (Quelle: MSC Crociere)

(Quelle: MSC Crociere)

(Quelle: MSC Crociere)

Eine Schiffstaufe ist also ein Megaevent. Und das muss wohl so sein, auch wenn es den Dampfer in Form eines baugleichen Schwesterschiffes, im Fall der Preziosa ist das die MSC Devina, eigentlich schon gibt. Kein Superlativ, keine Revolution, wie es vielleicht eine neuartige Kreuzung aus Flugzeugträger und Resortschiff gewesen wäre.

Der Moment

Der Moment

Aber egal, der Silvester-Countdown muss ran. „Four, three, two, one, g-o-o-o!“, grölt der Anchorman. Und mit einem beherzten Kopfnicken bedient die inzwischen präsente „Göttliche“ die Schere. „Perfetto, Mamma mia!“, hallt es durchs Zelt, als die Flasche gegen den Bug klatscht, was die Anwesenden im Zelt allerdings nur auf der großen Leinwand verfolgen können.

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Aus Gründen des Aberglaubens der Seeleute dürften Schiffe nur an der Steuerbordseite getauft werden, erläutert der Anchorman. Und das Zelt steht dummerweise auf der anderen Seite der Preziosa. Wohl aus Gründen der Logistik konnte der Koloss nicht anders einparken.

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Während der Schampus die Bordwand herab rinnt, rieselt es über der Bühne glitzernde Schnipsel, am Himmel steigen Feuerwerksraketen auf. Dann wird kollektiv wieder eingeschifft. Das Galadinner wartet. Und damit beginnt kurz vor ihrer Jungernfahrt auch auf der MSC Preziosa ein Stück Schiffsalltag: Die prominenten Gäste nehmen an der allgemeinen Verköstigung schon nicht mehr teil. Was bleibt, ist der Name des Schiffs: Preziosa – zu Deutsch: kostbar.

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Information:

Ihre einwöchige Jungfernfahrt hat die „MSC Preziosa“ bereits hinter sich. Bis Ende des Sommers wird das zwölfte Schiff der MSC-Flotte im westlichen Mittelmeer kreuzen. Eine Nacht an Bord kostet 79 Euro, einwöchige Kreuzfahrten regulär ab 499 Euro. Buchungen unter www.msc-kreuzfahrten.de.

Autor: Stefan Weißenborn, April 2013

Die Reise zur Schiffstaufe wurde unterstützt von MSC Kreuzfahrten in München.

"Die Göttliche" als MSC-Testimonial

„Die Göttliche“ als MSC-Testimonial

3 Kommentare

  1. Nachdem wir jetzt ja auf der Backboardseite sassen und die Flasche auf der Steuerboardseite zerschellte, hab ich mal ein wenig gegoogelt – und finde nichts, aber auch gar nichts dazu, dass es eine bestimmte Seite sein müsse. Ich glaub, die haben uns dort einen Bären aufgebunden…

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    • Hubert, hallo! Vielen Dank für den Hinweis. Habe die Seitenverwirrung behoben. Du meinst also eine Art Seemannsgarn? 😉

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      • Jup, scheint es – oder Reedergarn 😉 Denn auch unter Seemansgarn (hatte ich auch geschaut) habe ich dazu nichts gefunden ;))

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