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In vollen Zügen genießen: Mit der Bahn durch Thailand

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Ein zahnloser Mann bietet gekühlte Wasserflaschen und klebrig aussehende Softdrinks an, eine hagere Frau verkauft Saté-Spieße – und wenn ich mich nicht täusche, hat sich neben mir jemand mit getrockneten Baby-Oktopussen für die Reise eingedeckt. Wir stehen auf Bahnsteig 9 von Hua Lamphong, einer Art Hauptbahnhof von Bangkok, wo wir mit Hunderten anderer Passagiere auf den Zug in Richtung warten.

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Die meisten haben sich auf dem Asphalt niedergelassen, mit ebenso bunten wie alten Koffern oder mit undefinierten Gepäckknäueln, manchmal vier bis fünf an der Zahl. Nur ein Teenager in strahlend weißem T-Shirt Jüngling macht einen leicht unentspannten Eindruck, er bewacht mit einigem Stolz einen originalverpackten Mega-Flatscreen.Der 1916 erbaute Bahnhof spricht sofort all meine nostalgischen Sinne an: Mit seiner im Kolonialstil erbauten Fassade, seinem okkerfarbenen Anstrich, aber auch mit den Ticket-Schaltern, die sie sich in seinem unklimatisierten Inneren verbergen. Hier können sich die Reisenden noch echte Fahrscheine kaufen. Bahn durch Thailand 18

Auch die Bahnhofshalle hat etwas, auch wenn die Betonschalen, die an stilisiertes Wellblech erinnern, eher improvisiert scheinen. Um kurz vor 13 Uhr rollt der Zug der Thailändischen Staatseisenbahn ein, er fährt nach Surat Thani, eine rund 500 Kilometer entfernte Kleinstadt. Kategorisiert ist er als „Rapid Express“ – mit 18 farbenfroh angemalte Waggons in drei Buchungsklassen. Wir haben uns für die 2. Klasse entschieden, nicht ganz backpacker-konform, aber angesichts des Betriebes keine schlechte Maßnahme.

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Unterwegs nach Hua Hin

In Wagen 13 finden wir unsere reservierten Plätze, blaue Kunstledersitze, die nicht nur hoffnungslos abgewohnt, sondern auch unökonomisch breit sind. Nach einer Weile kommt der Schaffner vorbei, um den Bettkasten aufzuschließen, der sich über uns befindet. Dort legt er frische Wäsche rein. Wenn wir wollten, könnten wir es uns richtig bequem machen.

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Als diese Prozedur abgeschlossen ist und die meisten fliegenden Händler die Waggons verlassen haben (einige bleiben an Bord), setzt sich der Zug mit einem Ruck in Bewegung, um in gemächlichem Tempo den Bahnsteig hinter sich zu lassen.

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Ab nun nehme ich verzückt ein Geräusch wahr, das ich als kleiner Junge geliebt aber schon so lange nicht mehr gehört habe: Schwere Metallrader rattern rhythmisch über verzogene Schienen, die Außenfenster klappern, die Türen quietschen, altersschwache Ventilatoren vibrieren. Es ist eine wonnige Symphonie, die jedes Zeitgefühl außer Kraft setzt. Fehlt nur, dass Peter Ustinov im Zug als Hercule Poirot ermittelt.

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Schon nach wenigen Hundert Metern schrumpft das Gleisbett von 15 auf nur noch drei Schienenstränge, die nicht etwa einzäunt sind, sondern geradewegs durch die Wohnzimmer der Anwohner zu führen scheinen. Die Kinder winken. Im Nachbargleis stehen ungerührt einzelne Fußgänger. Zwischen zwei Gleisen entdecke ich wahrhaftig einen Picknick-Tisch.

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Die Fahrt durch die Suburbs von Bangkok ist ansonsten unspektakulär. Instabile Hütten und unauffällige Funktionsbauten wechseln sich mit Bahnübergängen ab, vereinzelt passieren wir ein paar Villen, später auch Mangoplantagen und Pangasius-Zuchtbetriebe.

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Plötzlich aber flankieren Betonpfeiler die Strecke, deren Funktion ich zunächst nicht erkenne. Bald aber erinnere ich mich daran, ähnliche Konstrukte auch in anderen Ländern gesehen zu haben.

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Mir wird klar: Hier entsteht in Hochlage eine Hochgeschwindkeitsstrecke. Beim nächsten Halt sehe ich, dass die benötigten Bahnhöfe teilweise schon fertig sind – graue, hochfunktionale Monster kunden von der traurigen Botschaft, dass es mit der entschleunigten Form des Reisen auch in Thailand bald vorbei sein wird. 2018 soll die Strecke nach Hua Hin fertig sein. Dann heißt es: Rasendschnell mit der Bahn durch Thailand.

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Während der ersten Stunde ändert sich die Umgebung nur wenig. Dafür aber erfreut die Vegetation das Auge: Frangipani, Bougainvillea und Flammenbäume blühen mit aller Kraft, Bananen und gelegentlich auch ein Baum der Reisenden sorgen für Abwechslung. Als wir uns Ratchaburi nähern, sehen wir im Hintergrund die ersten Ausläufer des Gebirges, das als natürliche Grenze zwischen Thailand und Myanmar fungiert. Erhebungen, die von unberührtem Dschungel bewachsen sind.

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Im Vordergrund breiten sich nun Getreide- und Reisfelder aus, die von Hunderten weißer Reiher nach Nahrung durchkämmt werden. Die angrenzenden Wasserreservoirs haben Seerosen als Lebensraum für sich entdeckt. Als sich zwischenzeitlich ein Platzregen ergießt, ziehen wir die Fenster nur widerwillig hoch, doch es plästert dermaßen, dass diese Schutzmaßnahme unumgänglich ist.

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Auch nach vier Stunden bin ich immer noch verzückt. Auch weil bei der Durchfahrt eines jeden Haltepunktes – wir befinden uns ja immer noch in einem „Rapid Express“, auch wenn die Durchschnittsgeschwindigkeit nicht mehr als 45 Stundenkilometer betragen kann – ein livrierter Bahnhofsvorsteher (dunkler Anzug, Mütze) salutiert, wie in meiner Kindheit, als ich mit meiner Oma in einem Dieseltriebwagen alle Nebenstrecken Hollands abgefahren bin.

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Als wir schließlich kurz vor 18 Uhr in den Bahnhof von Hua Hin einrollen, muss ich an das Missverständnis denken, das nach dem Frühstück für Heiterkeit gesorgt hat. Auf meinen Hinweis, dass wir an diesem Tag die Hauptstadt Richtung Süden verlassen, hat mich die PR-Managerin eines Hotels (über das ich in anderer Mission eine Geschichte schreibe) gefragt, wie wir dort hinkommen werden. „You take the helicopter, Mr. Johnen?“, hat sie allen Ernstes gefragt. Mancher Reisejournalisten scheint diese Art des Transfers zu bevorzugen. Wir sind stattdessen mit dem Tuk Tuk zum Bahnhof gefahren. Eine Reise, die ich unter keinen Umständen missen möchte.

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Informationen: Wer mit der Bahn durch Thailand fährt, muss nicht viel ausgeben: Die Strecke von Bangkok nach Hua Hin kostet in der 2. Klasse 560 Baht. Das sind ungefähr 14 Euro – und damit in etwa so viel, wie eine Rückfahrt von Köln nach Bonn kostet.

Wer passende Angebote für Reise nach Bangkok oder Thailand im Allgemeinen sucht, findet diese zum Beispiel bei Neckermann Reisen.

www.thailandtourismus.de

Ralf Johnen, Juni 2013. Der Autor war auf diesem Teil der Reise privat in Thailand unterwegs.

6 Kommentare

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  2. Ein schöner Bericht! Wer sich auch für die Schönheit Thailands und diese faszinierende Kultur begeistern kann, für den ist vielleicht ein Freiwilligendienst das Richtige. Das ermöglicht einen ganz intensiven Einblick in das Land und einen längeren Aufenthalt! Ich kenne einige tolle Hilfsprojekte in dem Land..wer mal reinsehen möchte bei http://www.welt-sicht.org, nur zu!:)

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  3. Haha. Das hört sich aber richtig abenteuerlich an. Ich würde auch mal gerne mit einem Zug durch Thailand fahren.

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    • So viel der netten Worte! Merci. Und es ist tatsächlich sehr cool, mit den klapprigen Zügen durch Thailand zu fahren. Also nichts wie hin – bevor die Hochgeschwindigkeitszüge kommen.

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