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Stadtpark im Schatten der Vergangenheit: Die Bonner Rheinaue

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Vorbei an den beiden markanten Gebäuden bahnen wir unseren Weg zum Nordeingang der Bonner Rheinaue. Tretbötchen und Schwäne kreisen auf dem Auensee, der sich in der Rheinaue ausbreitet. Wir brauchen nicht lange, um das Bild zu interpretieren: Vor und liegen Ruhe und Entspannung.

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Dennoch werfen wir werfen einen Blick zurück auf das Einfallstor zur Rheinaue. Zur Rechten steht der 115 Meter hohe „Lange Eugen“. Das  Symbol  für die beschauliche, doch  längst verblichene Bonner Republik. Nur einen Steinwurf entfernt erhebt sich der Post-Tower, der für das neue Bonn steht: Dynamisch. Wirtschaftlich kraftvoll. Und mit 165 Metern höher als der Kölner Dom.

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Wer hier in der Bonner Rheinaue steht, aber muss nicht zwingend über Architektur sinnieren. Zur Linken nämlich erhebt sich das Siebengebirge mit dem Gästehaus auf dem Petersberg. Noch so ein Bild, das sich durch die Nachrichtensendungen früherer Jahrzehnte ins Gedächtnis eingebrannt hat. Und  vor uns öffnet sich jener elegante Park, den die Bonner gerne mit Superlativen schmücken. Die  Rheinaue  nämlich ist mit  ihren 370 Hektar in etwa halb so groß, wie der Central Park in New York. Und über die beiden Wolkenkratzer haben wir ja schon gesprochen.  

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Wie sich der Landschaftsarchitekt Gottfried Hansjakob kürzlich vor Ort erinnerte, fehlte noch in den 70er Jahren ein geschmeidiger Übergang von der Bonner City  nach Bad Godesberg. Die Promenaden der beiden linksrheinischen Zentren waren ebenso wenig miteinander verbunden, wie auf der anderen Rheinseite  die von Beuel und Königswinter. Das galt es zu ändern.

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Also wurde die Idee geboren, den damals schmucklosen Acker in Innenstadtrandlage zum  Freizeitpark zu konvertieren. Ein Vorschlag, der schließlich anlässlich der Bundesgartenschau 1979 realisiert werden konnte.  Aus heutiger Sicht ein städtebaulicher Geniestreich: Die Fläche wurde ein für alle Male vor dem Zugriff von Investoren geschützt. Das war nachhaltig – noch bevor dieser Begriff überhaupt erfunden wurde.

Bonn13Sichtbeziehung zum Siebengebirge

Wir laufen weiter, vorbei an dem Wasserreservoir, dem es auch zu verdanken ist, dass hier Vogelarten ein Zuhause gefunden haben, denen es auf dem nahen Rhein zu hektisch zugeht. Hier auch wird die planerische Vision des Parks deutlich: Aus der Tiefebene ragen ein paar aufgeschüttete Hügel heraus, die wiederum Ausgangspunkt für die Höhenwege sind. Das Wort mag ein wenig übertrieben klingen, doch durch Konzept der Terrassierung entstehen die abwechslungsreichen Sichtbeziehungen – auch zum nahen Siebengebirge.

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Auf den weitläufigen  Wiesen stehen kleine Baumgruppen, die ausreichend Schatten für ein Picknick spenden. Jogger, Rollerblader und Radfahrer sind auf den asphaltierten Wegen unterwegs. Sie übrigens verschlägt es auch gerne an die östliche Begrenzung des Parks: Das von hohen Pappeln gesäumte Rheinufer, wo der Blick zuerst auf die alte Zementfabrik fällt. Wieder so ein Kontrast, denn neben dem ehrwürdigen Industriebau glitzert mittlerweile die Fassade des futuristischen Kameha Hotels.

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Wer nun über ein paar Brücken den Bogen zum Höhenweg schlägt, findet einen dramatisch anderen Park vor. Hier nämlich haben die Landschaftsarchitekten seinerzeit die Glanzpunkte für die Bundesgartenschau gesetzt. Ein japanischer Garten, dessen harmonisches Gesamtgefüge eine Pagode und zwei Wasserfälle abrunden. Nebenan gedeihen hoch gewachsene Rosen, die in verspielten Formationen angeordnet sind.

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Alsbald gehen die Beete in Alleen über, die von Kastanien, Platanen und Kirschen gesäumt werden. Eine besondere Augenweide sind die weißen Blüten des Catalpa, der auch als Trompetenbaum bekannt ist. Wer noch Energie übrig hat, kann noch einen Schlenker zum südlichen Ende des Parks machen, dort wo einst die amerikanischen Diplomaten beheimatet waten. Standesgemäß spielen Kinder und Erwachsene hier auf einer wohl gepflegten Anlage Baseball gespielt. Ansonsten herrscht  Ruhe. 

Bonn06Pils mit Blick auf den Petersberg

Uns aber lockt es im Zentrum des Parks zum standesgemäßen Ausklang der Tour in das Restaurant Rheinaue. Ein perfekter Ort, um mit Blick auf die Grünflächen und den Petersberg ein kühles Bier zu trinken. Oder um sich auf den Gedanken zu besinnen, wie schön es doch ist, dass die betuliche  Bundesstadt nicht noch mehr Wolkenkratzer benötigt hat, um sich für eine rosige Zukunft zu rüsten.

Bonn10Ralf Johnen, August 2013

Die Geschichte ist zuerst im Kölner Stadt-Anzeiger erschienen.

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