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Badeurlaub zwischen Nadelbäumen und Orchideen: Nova Scotia machts möglich

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Zum Badeurlaub nach Kanada? Das ist nicht so abwegig, wie es klingt. Gewiss, es war vor der Küste Neufundlands, wo die Titanic einen Eisberg gerammt hat. Aber das war ja nicht im Hochsommer, sondern im April. Und wer einen Globus besitzt, kann unschwer feststellen, dass Halifax auf einem Breitengrad mit Bordeaux oder Venedig liegt. Warme Gefilde also. Nur dass hier halt Nadelbäume am Strand gedeihen. Und die dazugehörigen Hütten sehen auch anders aus.

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Weil mir das Land der Eisberge für den Sommer arg schwer kommunizierbar schien, habe ich Nova Scotia vorgeschlagen, die ausladende Halbinsel, die auf der Karte den Anschein erweckt, nur noch notdürftig am Rest des Landes befestigt zu sein. Und Badeurlaub, das muss ja ohnehin nicht gleich Strand heißen. Ein Haus am See tut es ja auch.

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Mit ein wenig Hilfe unserer Freundin Barbara haben wir eine geeignete Hütte gefunden. Mit einem Satz Adirondack Chairs, die ganz in der Nähe in den buntesten Farben produziert werden.

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Mit eigenem Kanu und eigenem Bootanleger. Ohne Wi-Fi oder sonstigen Netzanschluss. Ohne Fernsehen oder Radio. Aber mit einem Grill. Tony Soprano wäre stolz auf mich gewesen (OK, die Latschen sehen scheiße aus).

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Die Hütte ist ungefähr 30 Kilometer von Lunenburg entfernt. An einem namenlos See. Und an einer Seitenstraße, die nach vielen Hügeln und Kurven im Nichts endet. Es ist ein stiller Ort. Am See, der vielleicht zwei Quadratkilometer des weiten Landes beansprucht, stehen ganze fünf Häuser.

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Wir lauschen den Zikaden. Wir lesen. Ja, und wir schwimmen auch. Nachts starren wir auf Milchstraße, denn es ist auch ein dunkler Ort. Und morgens joggen wir über die autofreie Straße tiefer ins Nichts. Erst kurz vor der Abreise hören wir von der Nachbarin, dass uns hinter den Büschen Schwarzbären zugesehen haben.

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Die haben wir nicht zu Gesicht bekommen. Dafür kreuzt eine Landschildkröte unseren Weg.

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Nach einigen Tagen hat sich der Ruhepuls bei 40 eingependelt. Es ist an der Zeit, die Umgebung zu erkunden. Dabei fällt unsere Wahl auf Lunenburg. Seit 1995 Unesco-Welterbe und schon ein wenig länger die älteste deutsche Siedlung in Kanada.

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Gut 2500 Menschen leben hier, die meisten in bunt getünchten Holzhäusern.

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Es ist einer dieser Orte, für die die Tourismusindustrie in einer eigenartigen Konspiration mit einem Netzwerk weltweit aktiver Reiseberichterstatter den Fachterminus „romantisches Fischerdorf“ erfunden hat.

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In jedem Haus könnte ein John Irving leben.

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Die Kirche könnte Schauplatz der gespenstischen Machenschaften linkischer Geistlicher sein.

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Und heller in Signalfarben leuchtende Häuser hat die Welt noch nicht gesehen.

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Doch Vorsicht: So verschlafen Lunenburg auch sein mag, so hellwach und geschäftstüchtig sind seine Bewohner. Einige verkaufen Fudge, Eiscreme oder Ansichtskarten.

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Die meisten aber scheinen sich darauf spezialisiert zu haben, gutgläubigen Besuchern Begegnungen mit Walen in Aussicht zu stellen.

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Auch wir lassen uns von der Notwendigkeit eines zweistündigen Ausflugs überzeugen.

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Schon vorher war klar, dass wir das Motorboot nach vielen salbungsvollen Worten des Kapitäns enttäuscht verlassen würden. Das größte aber war die Ansage, die auf ein lautes Plätschern folgte. „Wenn ihr genau hinriecht, könnt ihr einen Walfurz wahrnehmen“. Das hat er gesagt.

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Die Tour hat trotzdem was. Die Sonne scheint. Und wir können anderen Leuten beim Kayak-Fahren zusehen.

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Davon abgesehen ist es prächtig in Lunenburg, wo die Bäume noch im Juni zartgrünes, just aufgepopptes Laub tragen.

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Nach weiteren trägen Tagen suchen wir die andere Seite der Halbinsel auf, die der Bay of Fundy zugewandt ist. Hier herrschen mit die stärksten Gezeiten des Planeten. An manchen Orten liegen bis zu 16 Meter zwischen Ebbe und Flut.

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Aus ganzen Landstrichen zieht die Ebbe zwei Mal täglich das Wasser, um es danach wieder mit aller Macht hineinzupumpen. Eine endlose Kraftverschwendung, bei denen die Schiffe zum hilflosen Spielball werden – und die das Einsteigen zuweilen schwierig macht.

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Es muss ganz schön nervenaufreibend sein, dieses Schauspiel  – wie hier bei Digby – Tag für Tag erdulden zu müssen. Unsere Badefreuden beflügeln der rasche Wechsel aus Sandbrachen und brachialer Strömung jedenfalls nicht.

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Dafür aber stoßen wir in Annapolis Royal unerwartet auf einen botanischen Garten, der sowohl dem pompösen Namen des Dorfes als auch dem durchaus südlichen Breitengrat gerecht wird.

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Allerdings gedeiht nicht jede Spezies gleichermaßen gut.

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Verwöhnt von lauwarmen Tagen, trauen wir uns gegen Ende der zehn Tage immer mehr zu. Wir beschließen, den kanadischen Atlantikstrand aufzusuchen. Eisberg hin, Eisberg her.

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Mit Badetuch und Badehose machen wir uns auf zum Kejimkujik National Park, wo ich mein Blick auf knorrige Strandkoniferen fällt. Aber auch andere heitere Pflanzen.

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Wir schwärmen für die Orchideen, die allerorten ihre langen Stengel emporrecken.

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Und das durchaus mit einigem Variantenreichtum.

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Wir begutachten nicht ohne Neid die Robben, die träge auf den Felsen liegen.

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Durch das Teleobjektiv entdecken wir einen Kutter, der auf einer dieser Inseln gestrandet ist.

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Wir beneiden den Besitzer eines Airstreams um seine stilvolle Behausung.

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Versonnen schauen wir auf Segelboote, die gemächlich an uns vorbeiziehen.

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Wir schlendern über den Strand. Eines aber machen wir nicht: Unsere Körper ins Wasser bewegen. Das nämlich ist auch bei 25 Grad Außentemperatur nur elf Grad warm. Nicht, weil Nova Scotia so weit im Norden läge. Sondern schlicht und einfach, weil die Meeresströmungen ungünstig sind. Anders als in Norwegen, dem wahren Norden, dessen Küste der Golfstrom stets warm umspült. Das holen wir dann nach. „Daheim“ am See.

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Informationen:

Nova Scotia befindet sich im Südostzipfel Kanadas. Condor fliegt von Mai bis Oktober nonstop nach Halifax. Die Sommermonate sind angenehm warm. Das Mückenaufkommen hält sich auch am See in Grenzen. Das Ferienhaus ist buchbar bei Canadvac.

Visit Nova Scotia

Kanadisches Tourismusbüro (CTC)

Der Autor war privat in Nova Scotia – vielen Dank an Barbara Ackermann für die Vermittlung des gradiosen Ferienhauses.

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