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Die schönste Seite Bayerns: Ein Wochenende im romantischen Regensburg

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In diesem Keller liegt allerlei Gerümpel. „Maschinenteil?“ „Mammutzahn!“. So lauten die ratlos anmutenden Aufschriften, mit denen jemand versucht hat, die versammelten Preziosen zu benennen. Alle Gegenstände vereint, dass ihre Museumswürdigkeit zumindest in Frage steht. Sonst hätten ihnen die Kuratoren des Historischen Museums zu Regensburg wohl kaum das Schicksal beschieden, im Untergeschoß des ehrwürdigen Gebäudes ihr Dasein zu fristen.

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Nicht wesentlich moderner als die Verliese präsentiert sich das Gebälk des Ostenturms. Hoch oben auf dem Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert aber eröffnet sich eine formidable Aussicht auf Deutschlands einzig erhaltene mittelalterliche Großstadt. Wer nach unten blickt, schaut allerdings nicht selten in Leere: Der Boden in dem betagten Relikt der einstigen Stadtmauer ist gespenstisch undicht.

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Ihr wenig repräsentativer Zustand unterscheidet die beiden Konstrukte vom Zanthaus. Der Patrizierpalast in der Altstadt gilt mit einer Fläche von über 16.000 Quadratmetern als eines der größten mittelalterlichen Gebäude nördlich der Alpen. Hier war lange Zeit die umsatzstärkste Schnupftabakfabrik Deutschlands untergebracht. Als die Produktionsstätte des „Schmalzerfranzl“ schließlich dicht gemacht wurde, schien die historische Immobilie dem Verfall überlassen – bis Investoren den Komplex restaurierten.

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Heute nun sind die Treppenhausgewölbe feierlich illuminiert. Und während sich im Parterre ein stilvolles Restaurant angesiedelt hat, werden für die glamourösen Wohnungen Höchstpreise gezahlt. Drei Räume aber bleiben der Erinnerung an die schnupffreudige Vergangenheit vorbehalten. Bis heute strahlen die Wände das Aroma von wohlriechendem Tabak geradezu ab.

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Die Türen zu all den Überbleibseln aus der reichen Vergangenheit Regensburgs öffnet Susanne Florschütz. Die Kunsthistorikerin besitzt die Zugangsberechtigung zu Orten, die daran erinnern, wie die heute aufwändig sanierte Altstadt noch in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts aussah. Lange bevor sie in 2006 zum Unesco-Welterbe geadelt wurde. Ihr zu folgen, wird bei der Erkundung dieser einzigartigen bayrischen Stadt zum Schlüsselerlebnis.

Dazu gehören auch die nicht immer ausreichend gewürdigten Schätzen der Gegenwart. In der Glockengasse etwa befindet sich die Manufaktur der Familie Ernst. Vom knorrigen Topfreiniger bis zur grazilen Bürste produziert das Familienunternehmen in vierter Generation von Hand gemachte Haushaltsutensilien. Ross- und Ziegenhaar haben es Juniorchefin Caroline Jäger besonders angetan. „Damit“, sagt sie, „fängt man auch noch das letzte Stäubchen ein“. Kein Vergleich zu den billigen Plastikprodukten, die den Bürstenmacher auf die Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Berufe gebracht haben.

Auch wenn sie nicht so sehr im Blickpunkt stehen, wie ihre Kollegen am ehrwürdigen Dom, so teilen die Bürstenmacher doch die Ansicht von Robert Nuslan. Der Hutmacher beherbergt im familieneigenen Ladenlokal nicht weniger als 15.000 Kopfbedeckungen, die immer wieder ihren Weg zum Pferderennen von Ascot finden. Nuslan mutmaßt, dass das traditionelle Handwerk in Regensburg überleben konnte, weil die kleinparzellige Altstadt keine für jene Ketten attraktiven Flächen bietet, die ihre Tentakeln fast überall ausgebreitet haben. Schon Franz Josef Strauß und Willy Brandt haben beim „Hutkönig“ ihre Kopfbedeckungen erstanden. Und auch die „First Lady“ von Regensburg, Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, hat schon einmal gesagt, dass sie ohne die Dienste der Gebrüder Nuslan aufgeschmissen wäre.

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Einen Beitrag zur Konservierung historischer Errungenschaften leistet auch Johannes Pernsteiner. Der Konditormeister bekam als junger Mann von seiner Großmutter immer wieder Karmeliterbrand geschenkt, ein hochprozentiger Schnaps, der im nahen Kloster hergestellt wird. „Irgendwann hatte ich eine ganze Sammlung“, sagt er. Also musste etwas geschehen – und der findige Pernsteiner begann, die gewöhnungsbedürftig scharfe Spirituose einer Paste beizumischen, welche fortan die wohlschmeckende Basis der Regensburger Karmeliter-Trüffeln bilden sollte.

Der Besuch des Chocolatiers markiert den süßen Abschluss der Regensburger Schlüsselerlebnisse. Die viertgrößte Stadt Bayerns aber schafft trotz des berechtigten Traditionsbewusstseins den Spagat, auch bei jungen Leuten rasend beliebt zu sein. Das mag an den Biergärten liegen, die sich auf den Donau-Inseln ausbreiten. An den Bars, die sich in Gewölben eingenistet haben. Oder einfach nur daran, dass Regensburg sich weigert, nur ein Museum zu sein.

Weitere Informationen:

Angereist sind wir per Mietwagen, buchbar zum Beispiel bei Budget.

www.regensburg.de/tourismus

www.budget.de

Die Reise wurde teilweise von Regensburg Tourismus unterstützt.

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