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Vom Malocherhafen ins Vogelschutzgebiet: Ein Strandspaziergang in Málaga

Sonne, Palmen, Strand und Meer? Langweilig! Bei ein Strandspaziergang in Málaga ist viel mehr zu entdecken

Sonne, Palmen, Strand und Meer? Langweilig! Bei ein Strandspaziergang in Málaga ist viel mehr zu entdecken

Für Touristen gehört er gemeinhin zu den leichteren Übungen. Ein Strandspaziergang in Málaga aber hat eine besondere Wirkung. Er legt die DNA der Stadt frei. 

Ziel unbekannt: Ein Strandspaziergänger lässt den Blick in die Ferne schweifen

Ziel unbekannt: Ein Strandspaziergänger lässt den Blick in die Ferne schweifen

Ein älterer Mann steigt versonnen auf den Steinen einer Kaimauer herum. In der Ferne ist die Silhouette eines Kreuzfahrtschiffs zu erkennen, das den Hafen von Málaga mit unbekanntem Ziel verlässt. Es ist Vormittag – und die Sonne hat sich noch nicht endgültig entschieden, ob sie der Costa del Sol zu einem freundlichen Tag verhelfen soll.

Mächtige Mauern schützen den Stadtstrand La Málaguita

Mächtige Mauern schützen den Stadtstrand La Málaguita

Wir stehen am Strand von La Málaguita und sind entschlossen, die sechstgrößte Stadt Spaniens heute auf die denkbar einfachste Weise zu entdecken: Durch einen Spaziergang entlang der Küstenlinie, auf die wir blicken.

Bougainvillea wonderland: Der Gang in die oberen Stadtviertel

Bougainvillea wonderland: Der Gang in die oberen Stadtviertel

Ja, so hat man das gelöst früher: Eine breite Straße, Häuser mit Sonnenbalkonen, 15 Stockwerke hoch. Dahinter eine Hügelkette, die sich fast bis an den Strand schmiegt. Eine der Serpentinen sehen wir uns aus der Nähe an. Ohne Rücksicht auf das Gefälle führt die Straße steil nach oben. Die Bürgersteine sind vom Wurzelwerk kapitaler Bäume aufgebrochen. Am Wegesrand wachen Araukarien und blühende Bougainvilleen über das Geschehen.

Blick auf eine Stadt, die sich neu erfunden hat

Blick auf eine Stadt, die sich neu erfunden hat

Der Ausblick auf Mittelmeer und Stadt ist makellos, das etwas widerspenstige Terrain ist angenehm zersiedelt: Teure Villen stehen neben bröckelnden Betonbauten.

Im Hafenbecken werden Kreuzfahrer abgefangen

Im Hafenbecken werden Kreuzfahrer abgefangen

Mittlerweile ist die Sonne durchgebrochen. Wir ziehen weiter in Richtung Hafenbecken, das neuerdings von einer Art Shopping Mall eingerahmt wird.

Wellenartige Bewegungen: Der Weg in die Stadt

Wellenartige Bewegungen: Der Weg in die Stadt

Eine Betonkonstruktion, die dem Ideenkanon des Santiago Calatrava entnommen scheint, weist den Weg zurück in die Stadt. In den späten Stunden des Tages flaniert hier die Jugend, um die mächtige Alcazaba im Abendlicht zu bewundern.

Der abendliche Blick auf die Alcazaba

Der abendliche Blick auf die Alcazaba

Tagsüber ist der Hafen den Passagieren der Kreuzfahrtschiffe vorbehalten, die unablässig an den Kaimauern festgemacht sind. Im Hintergrund aber ist jener Teil des Hafens unübersehbar, in dem keine Yachten auf den Wellen schaukeln. Kapitale Kräne deuten an, dass hier immer noch malocht wird.

Solange die Kräne stehen, heißt es: Hafenstadt bleibt Hafenstadt

Solange die Kräne stehen, heißt es: Hafenstadt bleibt Hafenstadt

So offenbart ein Strandspaziergang in Málaga: Die Stadt ist eben eine Hafenstadt, aus der Öltanks, Container und Fischverarbeitungsanlagen nicht wegzudenken sind – obwohl die schick restaurierte City längst eine andere Identität angenommen hat. In den mittelalterlichen Gassen locken Tapas-Bars und Flamenco-Lokale zum Besuch. Außerdem nennt die Stadt viele Museen ihr eigen. Schließlich ist Málaga der Geburtsort von Pablo Picasso.

Erste Anzeichen für Badefreuden

Erste Anzeichen für Badefreuden

Trotz der Versuchungen der Innenstadt entscheiden wir dafür an jenem Zaun entlang weiterzugehen, der Neugierige vom Malocherhafen fernhalten soll. Wir blicken auf die andere Straßenseite zum Jardin de la Alabia, einem freundlichen Stadtpark, in dem Kinder ausgelassen umhertoben.

Ein Boulevard für den zweitberühmtesten den Sohn der Stadt

Ein Boulevard für den zweitberühmtesten den Sohn der Stadt

Mittlerweile haben wir den Hafen hinter uns gelassen. Als wir uns umdrehen, sehen wir einen Berg, dessen Gipfel noch von einer puderzuckerhaften Schneeschicht bedeckt ist. Es war kalt offensichtlich in 2066 Metern Höhe auf dem La Maroma, der den höchsten Punkt des Naturparks Sierras de Tejeda bildet.

Typisch Málaga: Ein Chiringuito...

Typisch Málaga: Ein Chiringuito…

Farbenfreudige Kacheln kunden von den Restaurants...

Farbenfreudige Kacheln kunden von den Restaurants…

... in denen der Fisch vor den Augen der Gäste frisch gegrillt wird

… in denen der Fisch vor den Augen der Gäste frisch gegrillt wird

Am Strand sind es derweil 25 Grad. Noch ist es ein Stadtstrand mit rötlichem Sand, auf dem in kleinen Inselformationen Palmen angesiedelt sind. Bald aber kommt richtiges Leben auf: Etwa eine halbe Stunde von der Innenstadt entfernt, macht die Hauptstraße einen Bogen, um fortan weiter landeinwärts zu verlaufen.

A long day's journey into night: Der Autor nach zwei von 14 Wanderkilometern

A long day’s journey into night: Der Autor nach zwei von 14 Wanderkilometern

Auf dem Strand stehen nun kleine Gebäude, deren Fassaden mit Kachelornamenten verziert sind: Chiringuitos, Lokale, in denen frischer Fisch vor den Augen der Gäste gegrillt wird.

Auch das ist Andalusien: Schnee auf dem Berg, Stroh auf dem Strand

Auch das ist Andalusien: Schnee auf dem Berg, Stroh auf dem Strand

Ein Schild lässt keinen Zweifel, wem dieser schicke Strandabschnitt gewidmet ist: Es ist die Paseo Maritimo Antonio Banderas – neben Picasso der zweiten Berühmtheit Málagas. Der Blick auf Berge, Meer, Palmen und Hafen wird nun um eine schicke Promenade bereichert. Dahinter: Teure Appartements. Keine Hotels.

Am Paseo Maritim wird gefischt

Am Paseo Maritimo wird gefischt…

... und gechillt

… und gechillt

Nach gut zwei Kilometern hat Banderas ausgedient. Es folgt ein abermaliger Wechsel der Szenerie. Die Uferbefestigung hört unvermittelt auf, um in einen amorphen Parkplatz überzugehen. Dahinter: Hmm, Plattenbauten? Neugierig setzen wir unseren Strandspaziergang in Málaga fort.

Das am besten besuchte Chiringuito ist auch das schmuckloseste

Das am besten besuchte Chiringuito ist auch das schmuckloseste

Noch ehe wir die Bauten erreichen, fällt unser Blick auf ein weiteres Chiringuito. Es ist schmucklos, aber jeder Platz ist besetzt. Hier also gehen die normalen Leute hin.

Der Prachtboulevard endet plötzlich

Der Prachtboulevard endet plötzlich

Über die gelblichen Plattenbauten lernen wir später, dass es Sozialbauten seien. Eine Sünde aus vergangenen Zeiten. Wir aber befinden, dass es für diese Stadt spricht, dass die Hochhäuser mit Blick auf das Mittelmeer noch stehen, sicherlich steht so mancher Investor in den Startlöchern, um hier ein paar Resorts aus dem Boden zu stampfen.

Plattenbauten am Strand: Das hätten wir in unserem durchgentrifizierten Europa nicht für möglich gehalten

Plattenbauten am Strand: Das hätten wir in unserem durchgentrifizierten Europa nicht für möglich gehalten

Seltsame Kombination: Sand, Graffiti und Palme

Seltsame Kombination: Sand, Graffiti und Palme

Für Verschmähung bedarf es keiner Artikel

Für Verschmähung bedarf es keiner Artikel

Auf einer Mauer lesen wir: „Puta Sevilla“. Die größte Stadt Andalusiens scheint nicht beliebt zu sein hier. Wir laufen weiter, vorbei an der Mauer, die zwischendurch den Blick auf einen Schrottplatz freigibt. Wenden wir den Kopf in Richtung Meer, sehen wir sporadisch Sonnenanbeterinnen.

Wasteland: Löcher in der Mauer von Málaga geben den Blick frei auf eine merkwürdige Stadtwüste

Wasteland: Löcher in der Mauer von Málaga geben den Blick frei auf eine merkwürdige Stadtwüste

Dann ist erst mal Schluss. So scheint es jedenfalls, denn wir müssen einen Damm aus Felsbrocken erklimmen.

Der Fluss endet ein paar Meter vor dem Meer. Dafür blicken wir in ein Stadion

Seltsam: Der Fluss endet ein paar Meter vor dem Meer. Dafür blicken wir in ein Stadion

Der Fluss, der sich aus den fernen Bergen seinen Weg zum Meer gebahnt hat, endet zu unserer Überraschung jedoch ein paar Meter vor seiner angedachten Mündung. Merkwürdig, denken wir – und gehen weiter.

Sporadische Sonnenanbeter lassen sich von den Plattenbauten nicht irritieren

Sporadische Sonnenanbeter lassen sich von den Plattenbauten nicht irritieren

Plötzlich stehen wir auf einer Insel. Es ist das Delta des Guadalhorce, eines 166 Kilometer langen Flusses. Ein Schild weist und daraufhin, dass es sich um ein Naturschutzgebiet handelt. Es ist der einzige Küstenstreifen an diesem Abschnitt der Costa del Sol, der sich in seinem natürlichen Zustand behaupten konnte – wahrscheinlich, weil der Fluss mitunter launisch ist.

Wir laufen weiter, bis wir in einem Flussdelta ankommen, das sich als Vogelschutzgebiet herausstellt

Begleitet von grimmigen Blicken laufen wir weiter…

... bis wir zu unserer Überraschung in einem Vogelschutzgebiet stehen

… bis wir zu unserer Überraschung in einem Vogelschutzgebiet stehen

Auf der Insel wähnen wir uns lange Zeit alleine. Wir entdecken einen Rundbau aus schweren Steinen, zu dem ein nutzloser Torbogen Zugang gewährt.

Wir wähnen uns weitgehend alleine in diesem seltsamen Reservat

Wir wähnen uns weitgehend alleine in diesem seltsamen Reservat…

... rätseln über eine seltsame Behausung...

… rätseln über eine seltsame Behausung…

... und machen Siesta in der Sonne

… und machen Siesta in der Sonne

Draußen auf der glatten See harrt ein seltsames Gebilde dem Wasser. Eine Outlaw-Behausung? Ein autonomer Staat. Oder eine kleine Bohrinsel, auf der nun ein Piratensender beheimatet ist?

Im Delta des Guadalhorce entdecken wir Blumeninseln

Im Delta des Guadalhorce entdecken wir Blumeninseln…

... und geheime Badestrände - die einzigen an der Costa del Sol, die naturbelassen sind

… und geheime Badestrände – die einzigen an der Costa del Sol, die naturbelassen sind

Nach einer sonnigen Siesta laufen wir weiter über die Insel, die von Seen und Blumenmeeren durchzogen ist. Wenn die Böschung einen Blick freigibt, sehen wir Vögel. Zugvögel, denen das Delta als Rastplatz dient, aber auch Blauschnabelenten – und einen Flamingo.

Ein Rastplatz für Zugvögel

Wir hätten hier alles erwartet – außer einem Rastplatz für Zugvögel…

... einen Flamingo...

… einen Flamingo…

Wir sprechen über die nie endenden Freuden der Stadterkundung per pedes. Dann halten wir inne: Vor uns baut sich abermals ein seltsames Konstrukt auf, das wir mühsam als Aussichtsplattform für Ornithologen identifizieren.

Eine Araukarie vor den Bergen Andalusiens

… eine Araukarie vor den Bergen Andalusiens…

Eine Handvoll älterer Männer blickt uns giftig entgegen – als wären wir Eindringlinge. Wir gehen auf Zehenspitzen und zücken die Kameras.

Und eine Aussichtsplattform für Ornithologen

… und schon gar keine Aussichtsplattform für Ornithologen

Nach einer Weile merken wir, dass der Nachmittag weit fortgeschritten ist. Höchste Zeit, den Rückweg anzutreten – um im erstbesten Chiringuito einen „ombra“ zu nehmen. Das ist zwar Italienisch, hat sich aber in unserem Sprachgebrauch für einen vorabendlichen Drink etabliert. Während der langen Stunden ohne Flüssigkeit – wer hätte ahnen können, dass wir den Nachmittag in aller Abgeschiedenheit verbringen – ist der Schnee auf La Morena längt geschmolzen. Und das Bier schmeckt besonders gut.

Nach einem aufregenden Tag: Eine wohl verdiente "ombra" in Form eines Bierchens

Nach einem aufregenden Tag: Eine wohl verdiente „ombra“ in Form eines Bierchens

Informationen:

Der Spaziergang von La Málaguita bis ins Flussdelta ist hin und zurück rund 14 Kilometer lang. Teile der Strecke können auch mit dem Bus zurückgelegt werden.

Málaga wird fast allen deutschen Flughäfen angeflogen – von Köln aus zum Beispiel mit Norwegian oder Ryanair. Je nach Saison kostet dann weniger als 100 €.

Wurde die Stadt lange Zeit nur als Einflugschneise zur Costa del Sol betrachtet, hat sie sich mittlerweile als Ziel für Städtetrips etabliert. Weitere Artikel folgen in Kürze.

Weitere Informationen auf der deutschsprachigen Internetseite des Tourismusbüros: malagaturismo.com/de

Text und Bilder: Ralf Johnen, September 2014. Die Reise wurde zum Teil durch Málaga Turismo unterstützt. Vielen Dank an hierfür an Isabell von Fame Creative Lab.

3 Kommentare

  1. Sehr schön beschrieben und bebildert. Als ich vor über 20 Jahren zum ersten Mal in Málaga war, da war die Stadt noch heruntergekommen und teilweise ein gefährliches Pflaster. Heute ist Málaga eine moderne und durchaus sehenswerte Hafenstadt mit viel anadalusischem Charme. A mi me gusta!!!

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  2. Malaga ist wirklich eine sehenswerte Stadt und perfekt zum Urlaub machen. Allgemein Andalusien hat mir sehr gefallen. Das einzige was stört ist die Verbreitung von Stierkampf, der ja immernoch gern praktiziert wird dort 🙁

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