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Schilder in Amerika: Absurde Verbote im Land der Freiheit

Die tiefe Religiosität des Landes setzt sich bis in den Straßenverkehr von New York City fort

»Ich liebe Infinity Pools.« Das ist einer der meistgehörten Sätze 2018. Von mir werdet ihr diese Worte nicht hören. Dafür mag ich Amerika. Es ist ein großartiges Land zum Reisen. Aber die USA sind eben auch der ultimative Indikator dafür, wo es hingeht mit der Menschheit. Ist es noch das Land der Freiheit? Oder doch eher ein neuerotischer Ort mit einer Vorliebe für absurde Verbote?

Man kann nicht vorsichtig genug sein: Daher verlassen sich die USA auf Hilfestellung durch Schilder

Da ließe sich nun viel drüber sagen. Ich möchte mich aber heute auf ein Klischee beschränken, das vor allem für Motorradfahrer von großer Bedeutung ist und das sogar im Text der Nationalhymne verankert ist. Dort heißt es, die Vereinigten Staaten von Amerika seien »The land of the free.«

No refund, no nothing: Mancherorts fragt man sich, ob man wohl atmen darf

Ich persönliche habe da aus verschiedenen Gründen meine Zweifel. Aber sollte die Behauptung dennoch wahr sein, so handelt es sich um eine Form von Freiheit, die nicht ohne ein ganz bestimmtes Hilfsmittel funktioniert: Schilder – von simplen Lebenshilfen bis hin zu abstrusen Beschränkungen der individuellen Freiheit.

Absurde Verbote oder berechtigter Hinweis? Ich habe auf jeden gedacht: „Entschuldigen Sie, dass ich lebe«

Absurde Verbote

Absurde Verbote: auch die Benutzung von Spülbecken in Ouray in den Rocky Mountains

Grundsätzlich lässt sich der Schilderwald in diverse Kategorien einteilen. Am besten gefällt mir das Genre »absurde Verbote«.

Wo mag das Problem sein in Apalachicola? (Bild: Alexandra Johnen)

Ich habe eine leise Ahnung, was im Pennecamp State Park in Florida passiert sein könnte? (Bild: Alexandra Johnen)

Einen meiner ewigen Favoriten in dieser Rubrik habe ich auf Sanibel Island in Florida entdeckt.

Um Missverständnissen vorzubeugen, gibt es reichlich Verbote in den USA

Drakonische Strafen in den USA

Eine ganze andere Sachen sind die drakonischen Strafen, die auch vermeintlich nichtigen Vergehen drohen.

Verbote in den USA: In einem Wohnhaus in Whittier, Alaska, werden auch scheinbare Lapalien bestraft

Immerhin sind Schusswaffen auf der Toilette verboten – zumindest im direkten Umfeld nationaler Naturdenkmäler.

Der Hinweis auf diesem Toilettenhäuschen am Devil’s Tower in Wisconsin mag klein sein, unwichtig ist er nicht

Auch in diesem Restaurant in Texas gehören Schusswaffen nicht zum Menü

Andere Warnungen sind wohl unumgänglich, weil im Land der Freiheit tatsächlich verschärfte Bedingungen herrschen. In den Rocky Mountains etwa führen Autobahnen über Pässe von 3400 Metern Höhe. Für einen Truck mit 175 Tonnen können die bis zu 20 Kilometer langen Abfahrten eine Herausforderung sein.

Keine Riesenslalom, sondern eine Ausrollzone. Gesehen bei bei Vail, Colorado

Auch die Fauna und andere Naturphänomene erfordern im Land der Freiheit dauerhafte Aufmerksamkeit.

In Europa ausgeschlossen, in den Everglades bei Naples denkbar – und ein Anlass zu dauerhafter Vorsicht

Nicht jede gefährdete Zielgruppe jedoch ist für die Botschaften gleichermaßen empfänglich.

Ob dieser Silberreiher so unbefangen durch den Big Cypress National Preserve staksen würde, wenn er lesen könnte?

Manche Ansagen scheinen geradezu hysterisch. Wobei: das hier auf dem Schild ist kein Alligator, sondern ein Salzwasserkrokodil. Und die sind schneller, größer und deutlich aggressiver.

Schilderwald am Ende der Welt: dieses Ensemble steht auf Key Largo

Gefahren aber gehen keineswegs nur von der Tierwelt aus – wie die Existenz dieser Hotline belegt.

Am Cook Inlet im Süden Alaskas verursachen die Gezeiten eine heftige Welle, die weit ins Inland rollt

Der Tierschutz ist heilig

Den Schutz ihrer Tiere nehmen die Amerikaner sehr ernst. Meeresschildkchildkröten sind wahrhaftig »everybody’s darling«. Für ihren Schutz verzichten sie sogar darauf, was sonst undenkbar ist: die Vollbeleuchtung ganzer Küstenstreifen.

Turtle crossing: An allen Küsten sind Meeresschildkröten zu einer Art Heiligtum aufgestiegen

Eine andere Spezies hingegen scheint ein bevorzugtes Jagdobjekt zu sein – zumindest hier auf Cabbage Key in Florida.

Verbote in den USA: bei sitzenden Urlaubern finden Enten offenbar wenig Zuspruch

In Fredericksburg, Texas, scheint nicht jeder schöngeistige Weinliebhaber zu mögen. Also besser ein Schild aufhängen

Dafür zeigt man in demselben Städtchen keinerlei Respekt vor eingetragenen deutschen Markenzeichen

Schilder in Amerika: Klare Ansagen gehören zum guten Ton

Ohne Fleiß kein Preis (auch wenn ich dieses Schild eingeschmuggelt habe)

Kostenlose Austern und bewaffnete Senioren

Manche Schilder in Amerika würden mich wohl immer noch ein wenig ratlos machen, wenn ich nicht schon über 30 mal in dem Land gewesen wäre und die kleinen Geheimnisse kenne.

Gesehen in Daytona Beach – wo das Autofahren auf dem Strand erlaubt ist

Rezeptpflichtige Ausgelassenheit – auch das gehört zum Land der Freiheit

Manche Anweisung aber bleibt trotz Studium der Landeskunse rätselhaft

Kostenlose Austern gehören zum Land der Freiheit – wie hier im Florida Panhandle

Einen meiner Favoriten habe ich im hintersten Outback gesichtet. Letztlich aber war der Trip durch das Outback von Idaho alles andere als dramafrei.

Mountainbiken bis zur Erschöpfung – und dann das

Tatsächlich wurden wir im tiefsten Outback vor bewaffneten Senioren gewarnt.

Zurücklassen dürfen wir höchstens Fußabdrücke

Manchmal bleibt einem nichts als Achselzuckeln, wenn man die Schilder in Amerika sieht

Sprengung erforderlich? Das kann zu Stau führen

Ein Grund für den Schilderwald könnte der immer noch unfertige Zustand des Landes sein. Wenn ein Berg im Weg ist, wird er halt weggesprengt.

Ach ja, und wenn es mal nichts zu fotografieren geben sollte, bleibt immer noch diese Alternative

Und damit kommen wir zum vorläufigen Ende. Solltet ihr selber Schilder in Amerika fotografiert haben, könnt ihr die gerne an ralf (at) boardingcompleted.me schicken. Bei ausreichendem Material schreibe ich eine zweite Folge (ja, natürlich mit Link und Credit).

Text und Bilder: Ralf & Alexandra Johnen, Januar 2018.

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