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Farbrausch in den Whitsunday Islands

Ich wollte schon nach Queensland, als ich 19 war. Schließlich kommt meine ewige Lieblingsband daher – und über die Go-Betweens habe ich viel über den Nordosten Australiens mitbekommen. Ich wusste, dass die Leute hier Zuckerrohr anbauen und Vieh züchten. In ihrer Freizeit lesen sie Surfing-Magazine oder sie besuchen Landmarken wie Double Island Point – oder auch die Whitsunday Islands. 

Die Farben von Queensland: Im Hill Inlet ändern sie sich dank der Sandformationen im Stundentakt. Rundflug über die Whitsundays und das Great Berrier Reef
Die Farben von Hill Inlet ändern sie sich dank der Sandformationen im Stundentakt

Surfing Magazines, The Go-Betweens

Schon lange zuvor hatte ich Postkarten vom Great Barrier Reef gesehen. Mein Onkel Jaap war als junger Mann nach Australien ausgewandert, um fortan mit Analogpost gelegentlich auf die Vorzüge seiner neuen Heimat aufmerksam zu machen.

Die Farben von Queenland sind pure Poesie. Rundflug über die Whitsundays und das Great Berrier Reef
Die Farben von Queenland sind pure Poesie – vor allem aus dem Flugzeug

Nachdem ich 2017 die Küstenlinie von New South Wales, Sydney, Adelaide und den Uluru gesehen habe, konnte es in diesem Jahr nur eine Fortsetzung geben: Queensland. Seine Strände, seine Farben, sein Riff, seine Tierwelt und seine Nationalparks. Nur für Brisbane hat die Zeit nicht gereicht.

Rundflug über die Whitsundays und das Great Berrier Reef
Rundflug über die Whitsundays und das Great Barrier Reef

Die erste Geschichte aus Queensland beschränkt sich auf die Whitsundays. Der Archipel befindet sich gut 1100 Kilometer nordwestlich von Brisbane. Er besteht aus 74 Inseln, von denen aktuell nur Hamilton Island bewohnt ist, und er erfreut seine Besucher mit einem gemäßigt tropischem Klima, das Raum für kleine jahreszeitliche Verschiebungen lässt. So sind die Whitsundays oder Pfingstsonntags-Inseln ein perfekter Ort zur Einstimmung auf einen Australien-Aufenthalt. Der touristische Betrieb ist eine gut geölte Maschine – und die Reize sind vor allem optischer Art.

Rundflug über das Great Barrier Reef

Als Einstieg drängt sich ein Rundflug über die Whitsundays und das Great Barrier Reef geradezu auf. In einer kleinen Sportmaschine geht es mit GSL Aviation eine Stunde lang über die Inselgruppe und anschließend über einen verschwindend kleinen Teil des Korallenriffs, das in seiner Nord-Süd-Ausdehnung stolze 2300 Kilometer misst.

Rundflug über die Whitsundays und das Great Berrier Reef
Korallenformationen in der Nähe von Airlie Beach

Rundflug über die Whitsundays und das Great Berrier Reef
Hauptattraktion im Instagram-Zeitalter: Heart Reef

Als Kapitän Joel den Scheitelpunkt der Strecke erreicht, steigt die Aufregung der Passagiere: Wir nähern uns Heart Reef, dem fotogenen Aushängeschild der Region, das die Jugend der Gegenwart dank seiner herzförmigen Form zu unerwarteten Begeisterungsstürmen animiert.

Die Farben des Riffs stellen für die Augen eine ziemliche Reizüberflutung dar. Doch der Anblick der Korallenformationen aus wenigen Hundert Metern Höhe ist allein die weite Reise ans Ende der Welt wert.

Gateway zum Riff: Airlie Beach

Zum Zelten an den Whitehaven Beach

Im Anschluss an einen kurzen Stopover geht die Expedition auf dem Wasser weiter. Die Whitsunday Island Camping Connection bringt uns zu einem der bekanntesten Strände Australiens: Whitehaven Beach, wo wir eine Nacht im Zelt verbringen.

Beschaulichkeit am Wasser: Abfahrt in Funnel Bay

Unterwegs passieren wir Buckelwale…

…die nur einen kleinen Teil ihres Körpers zeigen 

Whitehaven Beach ist tagsüber ein ziemlicher Rummelplatz. Mit Fähren, Wasserflugzeugen, Segelbooten und sogar mit Helikoptern kommen Besucher für wenige Stunden. Jeden Tag im Jahr.

Eine individuell organisierte Übernachtung auf dem winzigen Zeltplatz ist daher umso herrlicher: Nur gut 20 Camper verbleiben in dieser Nacht auf dem Eiland. Catering, Zelte und gierig um die Zelte herum scharwenzelnde Warane inklusive.

Whitehaven Beach, Whitsunday Islands National Park
Sonnenuntergangsstimmung am Whitehaven Beach

Nach einem feuchfröhlichen Abend stehe ich um 5.30 Uhr am Strand in der salzigen Luft, um dem Sonnenaufgang zu inhalieren.

Whitehaven Beach, Whitsunday Islands National Park

Whitehaven Beach, Whitsunday Islands National Park

Whitehaven Beach, Whitsunday Islands National Park

Weit bevor dem rustikalen Frühstück geht es zum Bad in das glasklare Wasser. Dabei trage ich aus Respekt vor Stachelrochen immer meine Rafting-Schuhe. Ist halt eine Eigenheit von mir. Genauso, wie ich mir Videotext auf dem Smartphone ansehe.

Hill Inlet, Whitsunday Islands National Park

Kurz nachdem die nächste Tranche Tagesbesucher anrückt, nehmen wir unser Action-Programm auf: Ein Speedboat rückt an, um uns die Küstenlinie des Whitsunday Islands National Park zu präsentieren – inklusive Landgang am farbenfreudigen Hill Inlet.

Tropischer Traum und farbliche Wundertüte: Hill Inlet

Auch bei Hill Inlet hat die Generation Instagram das Zirkusprogramm übernommen

Für nüchterne Disziplin hingegen steht der Autor (Bild: Steven Hille)

Die Farben, die salzige Luft und die angenehmen Temperaturen bringen die von zu vielen Bürotagen gequälte Seele langsam wieder auf Vordermann. Nun wird es Zeit für das nächste Queensland-Highlight: das Riff.

Schorcheln am Riff mit Übernachtung in der Isolation

Ein stattlicher Katamaran von Cruise Whitsundays bringt uns hinaus zum Hardy Reef, etwa 60 Kilometer vor der Küste. Die zweite exklusive Übernachtungsmöglichkeit unsere Reise.

Der flotte Katamaran verfügt über eine Truhe, die großzügig mit Connaisseur-Eis gefüllt ist

Direkt am Riff hat ein Pontonboot festgemacht, das tagsüber von Tauchern und Schnorchlern als Ausgangsplattform genutzt wird. Am späten Nachmittag sind auch hier die Tagesgäste fort – und das Oberdeck wird zum Zeltplatz umfunktioniert. Der sogenannte Reef Sleep ist eine einzigartige Option, in unmittelbarer Nähe zu den Korallen unter freiem Himmel nächtigen zu können.

Hart am Riff: Das Ponton-Boot

Nachdem ich mich mit dem Equipment vertraut gemacht habe, wage ich den Sprung ins Wasser, schlucke jede Menge salzige Flüssigkeit und stehe kurz vor der Kapitulation. Nach den üblichen fünf Minuten der Akklimatisierung aber fange ich mich. Langsam öffnet sich das Farbspektrum des Riffs, das die Go Pro im übrigen nur auf ziemlich bescheidene Weise abzubilden vermag. Ein mehrstündiger Rauschzustand nimmt seinen Lauf.

Great Barrier Reef
Ein winziger Teil des Great Barrier Reef

Nach einigen Schnorchelgängen wird es einsam auf dem Boot. Das Personal baut die sogenannten Swags auf – für unsere Gruppe beginnt ein Abend, wie wir ihn alle noch nicht erlebt haben.

The sun also rises

Unter der Milchstraße

Mit frischem Seafood, leckeren australischen Sauvignon Blancs, semivertraulichen Gesprächen und einigen Stunden mit ungestörtem Blick auf die Milchstraße. Als ich in der Dunkelheit an der Reling stehe und wie vor langen Jahren „Under the Milky Way“ höre, sehe ich binnen fünf Minuten vier Sternschnuppen.

„Under the Milky Way“, The Church

An unserem letzten Tag in den Whitsundays sehen wir im Wasser Schildkröten und Riesenmuscheln. Ein Erlebnis, das ich nicht vergessen werde. 

Der Autor nach dem Konsum von Salzwasser

Informationen

Anreise

Die Whitsundays sind von Brisbane aus per Flug erreichbar, zum Beispiel mit Virgin Australia (https://fly.virginaustralia.com)  bis Proserpine (einfacher Flug ab 90 AUD). Ausgangspunkt für alle Aktivitäten ist der mittelgroße Strandort Airlie Beach.

Eine gute Verbindung nach Brisbane hat Thai Airlines (www.thaiairways.com) im Angebot. Die Fluglinie verkehrt drei Mal täglich zwischen Frankfurt, München und Bangkok, von wo aus es nonstop nach Brisbane weitergeht. Die Flugzeit beträgt netto knapp 23 Stunden, Flüge nach Australien kosten ab 1000 Euro, wobei Freigepäck von 30 Kilo inbegriffen ist. Kein Economy-Light-Mist also.

Allgemeine Informationen

Webseite der Whitsundays

Die deutschsprachige Webseite von Tourism Queensland

Stell Dir vor, Du hast einen Katamaran gemietet und dann ist nur noch dieser übrig

Touristische Angebote

Der Rundflug mit GSL Aviation dauert 60 Minuten und kostet 229 AUD, nach aktuellem Wechselkurs gut 140 Euro. Die Investition in den Rundflug über das Great Barrier Reef lohnt sich unbedingt, die Social-Media-Accounts haben Stoff für Wochen.

Die Whitsunday Island Camper Experience setzt sich aus mehreren Modulen zusammen. Der Ausflug zum Whithaven Beach wird von Scamper durchgeführt und kostet 155 AUD (etwa 100 Euro) pro Person. Der Campingplatz hat eine Maximalkapazität von 36 Personen. Zelte (50 AUD für die erste Nacht, 25 AUD für jede weitere) und anderes Equipment kann bei der Firma dazu gebucht werden. Der Zeltplatz selbst ist spottbillig, er  kostet 6,55 AUD pro Person oder 26,20 AUD pro Familie und Nacht. Alle weiteren Informationen auf der Webseite des Nationalparks.

Catering und Wasser kann individuell mitgebracht werden. Scamper aber organisiert auf Anfrage auch campingkompatible Speisen und Getränke. Insektenschutz ist wegen der Sand Flies (heimtückische Sandmücken) unbedingt empfehlenswert. Wer baden möchte, sollte im australischen Sommer unbedingt einen Schutzanzug tragen, weil sich im Wasser Marine Stingers befinden können. Der Kontakt mit den Quallen kann schlimmstenfalls tödlich enden. Das Erlebnis ist grandios.

Die Swags, die zum Reef Sleep aufgebaut werden
Komfortabel und vorzugsweise: Swags auf dem Pontonboot

Der Reef Sleep mit Cruise Whitsundays dauert knapp anderhalb Tage. Abfahrt ist um 8 Uhr ab Airlie Beach,  die Rückkehr erfolgt gegen 18 Uhr am folgenden Tag. Das Komplettpaket kostet 525 AUD (etwa 320 Euro) und umfasst die Anfahrt per Katameran, alle Mahlzeiten, Schnorchel- und Tauchequipment, Zusatzangebote wie Glasbodentouren und die Übernachtung im Zelt für zwei Personen. Alkoholische Getränke und Extravaganzen wie Hubschrauberflüge werden gesondert berechnet. Wer beachtet, dass das Pontonboot kein Luxushotel mit blankgewienertem Parkett ist, sollte auch mit diesem Angebot sehr zufrieden sein. Der Blick auf den Sternenhimmel mit dem Southern Cross ist grandios.

Blick auf Brisbane

Bodenständige Intervalle auf dem Festland

Für die Übernachtungen zwischen den Expeditionen bietet sich das unaufgeregte Airlie Beach Hotel an. Die komfortablen Zimmer kosten um die 100 Euro, viele haben Balkon mit Meerblick. Wer die drei Etappen dieser Reise absolvieren möchte, sollte ungefähr eine Woche Zeit mitbringen.

Text und Bild: Ralf Johnen, September 2018. Der Autor war auf Einladung von Tourism Queensland und Tourism Whitsundays in Queensland. Wir sind in einer kleinen Gruppe von Bloggern und Journalisten gereist, daher der gelegentliche Plural.

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Das ultrahippe QT Hotel in Sydney

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