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Luxus am Kap: The Silo in Kapstadt

Aufgehübschtes Betonskelett zu Füßen des Tafelbergs: The Silo in Kapstadt

Vor nicht allzu langer Zeit hatten wir Gelegenheit, zwei Nächte in einem schillernden Hotel in Kapstadt zu verbringen, das seit seiner Eröffnung einige Furore macht. Es heißt »The Silo« und sein Glamour ist ziemlich apart, denn es befindet sich in einem ausgemusterten Betonspeicher aus dem Jahr 1924. Gleichzeitig ist das Haus ein Sinnbild für die unterschiedlichen Welten, die am Kap aufeinandertreffen.

Die Gäste des Hotels blicken auf die V&A Waterfront – und auf die umliegenden Berge

The Silo befindet sich im selben Gebäude, wie das Zeitz Museum of Modern Contemporary Art Africa (MOCAA) an der V & A Waterfront. Hier checkt wirklich jeder Südafrika-Tourist ein, weil es ein fotogenes Konsumwunderland ist und, naja, einer wenigen Orte, wo man sich auch nach Einbruch der Dunkelheit unbefangen bewegen kann.

Die Einrichtung der Zimmer changiert zwischen verspielten afrikanischen Motiven und Neobarock

Luxus am Kap

Der Bau entspricht genau dem avantgardistischen Zeitgeist der 10er: eine Fassade aus ruppigem Sichtbeton, die sich nach oben zu einem Trägerskelett verjüngt, wo sie abwechselnd mit Panoramafenstern aus geschliffenem Glas und Balkonen ausgefüllt wird. Ein optisch exquisit gelungener Effekt, der nur auf den ersten Blick nach Graffiti und Street Food schreit, in Wahrheit nichts anderem als der Institutionalisierung avantgardistischer Gestaltung, ihrer Materialien und ihrer Ausdrucksform gleichkommt.

In der Bar warten Gläser aus der Sommelier-Serie von Riedel

Die Besitzerin der Hotelkette zeichnet persönlich für die Gestaltung des Interieurs verantwortlich

Gespannt betreten wir den Raum, den wir irrtümlich für die Lobby halten: avantgardistische Kunst an den Wänden, hohe Decken und ein Fahrstuhl, der uns gut 25 Meter weiter nach oben katapultiert, wo wir schließlich mit großer Ruhe empfangen werden. Wir sind früh, vernehmen, dass unser Zimmer gleich fertig sein wird und gehen nicht ungerne der Bitte nach, doch so lange etwas trinken zu gehen.

Der Minimalismus der Architektur entspricht genau dem Zeitgeist

Neobarocke Attitüde

Rundsofas aus türkisfarbenem Samt, mit nackten Glühbirnen ausstaffierte Kandelaber, übergroße Stehlampen und ein diskret gefliester Boden erweisen sich schon in der Willaston Bar als Vorboten der neobarocken Gesamtattitüde eines Interieurs, für deren Komposition Liz Biden als Besitzerin der noblen Hotelkette The Royal Portfolio persönlich verantwortlich zeichnet.

Unumstrittene Hauptattraktion von The Silo in Kapstadt ist die Dachterrasse

Nach gut einer halben Stunde werden wir benachrichtigt: das Domizil ist bezugsreif. Das Entree fällt noch vergleichsweise unaufgeregt aus, denn zunächst geht es eine Marmortreppe hinauf, die in unsere Suite führt. Dort fällt der Blick zunächst auf die überdimensionale Rückwand des Bettes, die zum Rahmen für ein entschieden afrikanisches Kunstwerk aufgewertet wurde, das zwei sich elegant windende Leoparden zeigt.

Oben wartet der Traum aller Influencer: ein Infinity-Pool

Auch die Raubkatzen allerdings können es nicht mit der Aussicht aufnehmen: durch die getönten Fensterscheiben sehen wir die V&A Waterfront, das WM-Stadion und die alten, aber immer noch genutzten Hafenbecken, die für sich genommen schon genügen, um Kapstadt mit den Allüren einer Weltstadt auszustatten.

Der Autor pfeift an dieser Stelle: „I got hired, but I got tired…“

Wenn wir den Hals recken und nach links schauen, entdecken wir als kleines Aperçu die Ausläufer des Tafelbergs. Das alles ist fast zu viel für ein paar Augen.

…of draining the pool for you“.

Auf das Dach von The Silo

Auch die Suite geizt nicht mit Entdeckungen: vor dem Fenster des Badezimmers ruht eine freistehende Badewanne mit Panoramaausblick. Im Barschrank warten wahrhaftig Riedel-Gläser aus der Sommelier-Serie darauf gefüllt, mit Wein vom Kap zu Leben erweckt zu werden.

Danach entdeckt der Autor die Vorzüge der Dachterrasse

Ein Zeichen außergewöhnlich guten Geschmacks und ziemlich dekadenten Luxus. Für den Teegenuss stehen frische Zitrone und Ingwer bereit. Und die kleine Sitzgarnitur im Wohnzimmer ist so hinreißend gemütlich, dass sie in direkte Konkurrenz zum eigentlichen Highlight des Hotels tritt: der Dachterrasse – mit Infinity-Pool.

An der V&A Waterfront legen auch die Ausflugsboote nach Robben Island ab

Eine Expedition ins oberste Stockwerk steht denn auch sehr bald an. Neben dem Ausgang des Aufzugs kommt dort zuerst besagter Infinity-Pool ins Spiel, der sich in Form einer einzelnen Schwimmbahn über die doch recht beengte Dachfläche des Silos hinzieht. Nur an der Eingangstreppe hat der von dicken Glaswänden eingefasst Pool eine großzügige Ausbuchtung. Schön, aber nicht so sensationell, dass ich der Verlockung nicht widerstehen könnte. Immerhin reiten keine Millennials auf ihren aufblasbaren Flamingos oder Einhörnern im Wasser umher.

The Silo steht stellvertretend für die schrillen Kontraste Kapstadt

Der Ausblick von der Dachterrasse des Silo hingegen ist nichts anderes als ein Spektakel: Der Südatlantik mit Robben Island in der Ferne, unten die kapriziöse Stadt und landeinwärts der sich elegant erhebende Tafelberg. Dazu ein tiefblauer Himmel. Mehr kann man nicht erwarten auf diesem Planeten – zumal ein mit Sonnenliegen garnierter Aufbau Premiumplätze der ersten Kategorie bietet.

Open Space in Premiumlage

Ebenso wie die Restaurants ist die Dachterrasse nicht ausschließlich den Hotelgästen vorbehalten. Jeder Kapstädter ist willkommen, so er denn das nötige Geld mitbringt. Gemessen an den Zimmerpreisen allerdings sind die Drinks und Snacks eher günstig: Eine Poké Bowl mit Thunfisch kommt umgerechnet auf zehn Euro. So vermischen sich auf dem Dach von The Silo ortsansässige Yuppies mit enorm reichen Gästen, die für eine Übernachtung einen Durchschnittspreis von 1250 Euro hinblättern.

…of draining the pool for you“.

Ein bizarrer Preis für ein Hotelzimmer, der sich ausschließlich an die Superreichen des Planeten richtet. Russische Oligarchen etwa können sich den Luxus am Kap leisten. Sie sind von den moderaten Preisen des Cranary Café sichtlich gelangweilt und suchen Zuflucht bei den »most expansive bottles of wine«, weshalb sie sich gleich ein  paar Bordeauxs für 200 Euro entkorken lassen.

Sinnbild für Widersprüche am Kap

Another sunny day

Dies alles führt dazu, dass The Silo ungewollt zum Sinnbild für die Widersprüche wird, die in Kapstadt aufeinander treffen: Das Hotel hat das Zeug zur Stilikone, sein Umfeld ist von kaum zu übertreffender Schönheit, das Publikum ist im öffentlichen Raum durchaus gemischt, wobei der Zugang zur wahren Elite nicht mehr als ein flüchtiger Traum ist, der dort, wo es drauf ankommt, mit strenger Hand über den Preis reguliert wird.

In weiter Ferne: auf der Fahrt nach Robben Island

Einen anderen Blick auf das Kap verspricht die nächste Geschichte über Südafrika

Für die Bewohner der Townships ist The Silo nur ein weiteres strahlendes Symbol für eine Welt, die sie nie werden erreichen können. Diese Ökonomie geht natürlich nicht auf das Hotel, sondern auf die Kolonialgeschichte und den Turbokapitalismus zurück. Doch können wir trotz der atemberaubenden Aussichten und der stilprägenden Gestaltung entsprechenden Gedanken nicht völlig ausweichen. Aber für uns ist der Besuch der Welt ja nur ein Gastspiel.

Gegenstand wird Robben Island sein, wo Nelson Mandela lange Jahre in Gefangenschaft saß

Informationen zu The Silo in Kapstadt

The Silo ist Teil der Hotelgruppe The Royal Portfolio. Am günstigsten sind die Zimmer in der Nebensaison von Mai bis Juli mit Preisen um die 840 Euro pro Nacht.

Adresse: Silo Square, V&A Waterfront, 8001 Cape Town. Reservierung The Silo Hotel General: +27 021 670 05 00, Für Reservierungen bei den Restaurants: The Silo Rooftop and Granary Cafe Reservations: +27 021 670 05 00

Text und Bilder: Ralf Johnen, Januar 2019, der Autor war vom Hotel The Silo für zwei Nächte eingeladen, um vor Ort für Reisen Exclusiv eine Geschichten recherchieren zu können.

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