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26 Gletscher und eine Otterplage: Auf Minikreuzfahrt in Alaska

America, the beautiful: Kaum irgendwo trifft diese Beahuptung mehr zu, als in Alaska

America, the beautiful: Kaum irgendwo trifft diese Behauptung mehr zu, als in Alaska

The last frontier: So bezeichnen die Bewohner Alaska gerne. Wer in den hohen Norden kommt, sollte sich eine Minikreuzfahrt nicht entgehen lassen.

Durchzählen: Wer hat schon mal so viele Gletscher auf einen Blick gesehen?

Durchzählen: Wer hat schon mal so viele Gletscher auf einen Blick gesehen?

Die Anreise nach Whittier ist skurril: Ein Tunnel mit nur einer Fahrspur, den sich Eisenbahn und Autos teilen. Doch das ist noch nichts gegen den Ort selber. Whittier liegt an einem Fjord in Alaska – inmitten von Regenwald und Wasserfällen. Doch die Bewohner, rund 220 an der Zahl, leben alle gemeinsam in einem einzigen Haus. Einem schmucklosen Wohnblock.

Jachthafen am Ende des Tunnels: In Whittier legt die MS Klondike ab

Jachthafen am Ende des Tunnels: In Whittier legt die MS Klondike ab

Für die Passagiere von Kreuzfahrtschiffen muss es ein merkwürdiges Gefühl sein, hier anzulegen, um in die Alaska Railway umzusteigen. Doch das soll heute nicht meine Sorge sein, schließlich sind wir hier, um die weitläufigen Gewässer zu erkunden und dabei nicht weniger als 26 Gletscher in Augenschein zu nehmen.

Inseln, Berge, Wasser, Schnee: So sieht in Alaska der verhaltene Beginn einer Kreuzfahrt aus

Inseln, Berge, Wasser: So sieht in Alaska der verhaltene Beginn einer Kreuzfahrt aus

Unser Schiff heißt Klondike Express. Kernige Abenteurer mögen mit dem Namen Frontier-Romantik verbinden. Doch der Katamaran besitzt nicht den Hauch einer archaischen Aura. Viel mehr handelt es sich um ein modernes Schiff, das mit erstaunlichen 40 Meilen pro Stunde durch die Gewässer bürstet.

Musterbeispiel für die avancierte Infrastruktur Alaskas: Die MS Klondike

Musterbeispiel für die avancierte Infrastruktur Alaskas: Der Klondike Express

Nach dem unvermeidlichen Sicherheitsvideo (hallo Amerika!) wird erst mal Lunch serviert: Leckerer Heilbutt mit dem Dunkelbier Alaska Amber.

Standard in Amerika: Erst mal etwas zwischen die Kiemen schieben

Standard in Amerika: Erst mal etwas zwischen die Kiemen schieben

Dieser solide Auftakt zu der Fünfstundentour ist möglich, weil die Landschaft ihre Reize zunächst eher verhalten offenbart. Bald aber öffnet sich der Passage Canal zu einem weiten Gewässer, das der britische Entdecker George Vancouver auf den Namen Port Wells getauft hat.

Ist das Essen vertilgt, geht es Schlag auf Schlag bei der Minikreuzfahrt in Alaska

Ist das Essen vertilgt, geht es Schlag auf Schlag bei der Minikreuzfahrt in Alaska

Die vielen unbewohnten Inseln erinnern eher an die Südsee, denn an den hohen Norden. Zumindest heute, an diesem milden Sonnentag, an dem viele Locals ihre Boote ausführen. Als sich die Klondike mit Höchstgeschwindigkeit ihren Weg zur Esther Passage bahnt, halten es trotz Ganzkörpferfunktionskleidungsuniform nur Hartgesottene an Deck aus. Das ändert sich, als mit der engen Schneise der erste dramaturgische Höhepunkt erreicht ist.

Fischerbootromatik vor Bergkulisse - auch das ist Alaska im Sommer

Fischerbootromatik vor Bergkulisse – auch das ist Alaska im Sommer

Erster dramaturgischer Höhepunkt der Minikreuzfahrt in Alaska: Esther Passage

Erster dramaturgischer Höhepunkt der Minikreuzfahrt in Alaska: Esther Passage

Von nun geht es Schlag auf Schlag: Als das Gewässer sich wieder weitet, dauert es nicht lange, ehe an den Ufern des College Fjord ein Gletscher neben dem anderen auftaucht. Ewiges Eis auf Höhe des Meeresspiegels. Erste kleine Eisschollen treiben an uns vorbei. Manche sind von Seevögeln bevölkert, auf einer thront gar eine kleine Robbe.

Laut Kapitän "langweilig": Der mächtige Harvard-Gletscher

Laut Kapitän „langweilig“: Der mächtige Harvard-Gletscher

 Den majestätischen Harvard-Gletscher am Ostende des Fjords meiden wir – angeblich, weil es „langweilig“ dort ist.

Hello, seal: Eine Robbe macht es sich auf einer Eisscholle gemütlich

Hello, seal: Eine Robbe macht es sich auf einer Eisscholle gemütlich

Stattdessen begutachten wir eine Kolonie neugieriger Otter, die mit viel Sinn für gelungene Posen im eisigen Wasser abhängen. In der freien Wildbahn habe ich vorher noch nie einen gesehen. Hier in Alaska hingegen scheint es fast so etwas wie eine Otterplage zu geben.

Eine Otterplage? Die Minikreuzfahrt in Alaska wirft so manche Frage auf

Eine Otterplage? Die Minikreuzfahrt in Alaska wirft so manche Frage auf

Gemächlich nähern wir uns dem Highlight der Tour: Der Barry-Gletscher reicht bis ins Meerwasser. Immer wieder brechen Stücke ab, so viele, dass die Oberfläche fast komplett mit Eis bedeckt ist.

Endstation Harriman Fjord: Der Barry-Gletscher

Endstation Harriman Fjord: Der Barry-Gletscher

Die Crew der Klondike nutzt dies, um Nachschub für ein recht exklusiven Getränk an Bord zu holen: Gletschereis-Margarita, die seltene Kombination von 10 000 Jahre altem Wasser und einer Cocktailmischung, bei der noch einiges an Raum nach oben offen ist.

Nur eine Vierteldrehung ist es bis zum üppigen Regenwald

Nur eine Vierteldrehung ist es bis zum üppigen Regenwald

Die trutzige Eiswand aber ist nicht der einzige Blickfang in der Bucht. Wer sich um 90 Grad nach links dreht, sieht eine tropisch anmutende Regenwaldapplikation mit Wasserfällen. Eine weitere Vierteldrehung gestattet den Blick auf Otter, die im Eis treiben.

Gepflegtes Chillen: Zwei Otter genießen das Leben

Gepflegtes Chillen: Zwei Otter genießen das Leben

Es ist schwer zu fassen, dass sich dies alles mit großer Selbstverständlichkeit auf engem Raum abspielt. Zumal ich bei ähnlichen Ausflügen in anderen Teilen des Planeten nur selten das Gefühl gehabt habe, nicht irgendeinem Touristennepp aufgesessen gewesen zu sein.

Alleinstellungsmerkmal der Bordbar: Das Eis ist 10 000 Jahre alt

Alleinstellungsmerkmal der Bordbar: Das Eis ist 10 000 Jahre alt

Nach unzähligen „Ahhs“ und „Ohhs“ nimmt der Katamaran Kurs auf den nahen Harriman Fjord. Nach dem opulenten Regenwald von eben gibt dieser sich rau und spröde. An den Hängen, erklärt die Bordbiologin, hat sich das Gletschereis erst kürzlich zurückgezogen. Eine Vegetation konnte sich noch nicht ausprägen.

"And I scream icecream"

„And I scream icecream“

Wenn ich nicht hier bin, bin ich auf dem ...

Wenn ich nicht hier bin, bin ich auf dem …

Der Weg zurück nach Whittier hält noch einige Pointen parat: Tümmler begleiten den Katamaran für ein Weilchen, auf den Flanken der Berge paradieren mächtige Bergziegen.

Karg und unwirtlich gibt sich der Harriman Fjord im Westen

Karg und unwirtlich gibt sich der Harriman Fjord im Westen

Schließlich, kurz bevor wir den Hafen erreichen, werden wir Zeugen eines kleinen Dramas: Tausende Möwen schwirren hektisch durch die Lüfte, um einen hungrigen Weißkopfseeadler zu verwirren.

Auch hier ist für Fotomotive gesorgt

Auch hier ist für Fotomotive gesorgt

 Erfolglos, denn schon bald richtet der Raubvogel ein Massaker an. Federn fliegen durch die Luft.

Darwinistisches Drama zum Schluss: Möwen geraten in die Fänge...

Darwinistisches Drama zum Schluss: Möwen geraten in die Fänge…

... eines Weißkopfseeadlers. In Alaska gibt es eine regelrechte Weißkopfseeadlerplage

… eines Weißkopfseeadlers. In Alaska gibt es eine regelrechte Weißkopfseeadlerplage (erste Erwähnung dieser Vokabel)

Eine kleine Erinnerung daran, dass Alaska kein Themenpark ist. Auch wenn diese gelungene Minikreuzfahrt in den Sommermonaten den Eindruck erwecken kann, dass der Mensch auch die „last frontier“ inzwischen ziemlich gut im Griff hat.

Unter dem Strich bleiben: unvergessliche Ausblicke

Unter dem Strich bleiben: unvergessliche Ausblicke

Informationen zur Minikreuzfahrt in Alaska:

Die 26-Gletscher-Kreuzfahrt wird vom Phillips Cruises angeboten. Die Klondike legt vom 8. Mai bis zum 30. September täglich um 12.30 Uhr ab, so es die Witterung erlaubt. Die fünfstündige Fahrt kostet 169 US-Dollar, außerdem sind Kombinationen mit der Alaska Railway ab Anchorage buchbar (262 $).

Ich persönlich bin der Meinung, dass es sich vor allem bei gutem Wetter um ein unvergessliches Nord-Erlebnis handelt. Das Preis-Leistungsverhältnis ist angemessen.

Text & Bilder: Ralf Johnen, Juni 2015. Der Autor war auf Einladung von Visit Anchorage in Alaska.

7 Kommentare

  1. Wunderschöne Fotos!! Alaska steht auch noch auf meiner Bucket List. Grüße von der herrlich warmen Insel Ischia!

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  2. Wow! Das muß ein tolles Erlebnis gewesen sein. Manche andere Destination würde sich so eine Otter- oder Weißkopfseeadlerplage wünschen…..

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  3. haach, was für ein schöner Bericht und was für tolle Fotos. Alaska steht bei meinen Traumreisen ganz oben auf der Liste.
    Viele Grüße
    Martina

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  4. Pingback: Hallo Denali, bye bye Mount McKinley - BOARDING COMPLETED

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