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48 Stunden in Málaga

Meer, Berge und zottelige Sonnenschirme: Málaga ist eine Stadt mit vielen Gesichtern.

Málaga liegt am Strand. Málaga hat eine verwinkelte Altstadt, eine mächtige Festung, coole Tapas-Bars, hochklassige Museen und ein meist angenehmes Klima. Trotzdem zieht kaum jemand in Erwägung, einen Stadturlaub hier zu verbringen. Nach 48 Stunden in Málaga ist die Stadt für mich vor allem eines: eine der am meisten unterschätzten Städte Spaniens.

Erste Station: Die maurische Alcazaba mit Blick auf den Hafen

Das mag auch an der mächtigen Konkurrenz liegen: Córdoba, Ronda, Granada und – allen voran – Sevilla sind nicht weit entfernt und mit historischen Innenstädten gesegnet. Die nach Sevilla zweitgrößte Stadt Andalusiens allerdings hat als traditionelles Einfallstor für einen Urlaub an der Costa del Sol die besten Flugverbindungen. Für einen Roadtrip durch die Provinz bietet es sich an, einen Mietwagen ab Málaga zu buchen

Erster Tag 10 Uhr: Die Alcazaba

Doch zurück in die »Ciudad Genial«, wie Málaga sich neuerdings nennt. Eine Aussage, die von einem Selbstbewusstsein zeugt, das zurecht kontinuierlich wächst. Die Anfänge der Stadt gehen bis ins 8. Jahrhundert v. Chr. zurück. Das sichtbare Relikt der Vergangenheit aber stammt aus dem Zeitalter der maurischen Besatzung: Die zwischen 1057 und 1063 errichtete Alcazaba, eine verwinkelte Zitadelle. Um 10 Uhr steige ich die Stufen hinauf, um in den Genuss eines formidablen Rundumblicks zu kommen. Eine Drehung um die eigene Achse bringt sowohl die Sierra Nevada als auch das Mittelmeer ins Blickfeld. Am meisten aber staune ich über die Rückzugsräume der Zitadelle, die von einer erhabenen Architektur zeugen: Maurischer »Zen« in Reinform.

12 Uhr: Die Kathedrale

Beim Straßenhändler vor der Santa Iglesia Catedral Basílica de la Encarnación kaufe ich einen Beutel gebrannte Mandeln, schließlich möchte ich keine Gelegenheit verpassen, Andalusien zu schmecken. Die Kirche mit dem langen Namen wurde 1528 über einer Moschee gebaut. Weil nur einer von einst zwei geplanten Türmen finanzierbar war, trägt sie im Volksmund den Namen »La Manquita«, was so viel wie »kleine, einarmige Dame« bedeutet. Diese Anekdote spricht mich an. Ich bleibe fast anderthalb Stunden in dem gewaltigen Bauwerk.

14 Uhr: Traditioneller Lunch im Strachan

Höchste Zeit, dass ich mich in den Gassen der Altstadt verliere. Aber nicht zu lange, denn ich kann es kaum erwarten, ein paar Pimentos de Padron und Pata Negra zu verkosten. Hierzu zieht es mich in aller Welt immer nur in altmodische Lokale, wo es garantiert kein Hipster-Streetfood gibt. Meine Wahl fällt auf das Strachan, wo ich mir von einem fein livrierten Kellner ein Gläschen Sherry aufschwatzen lasse, um danach zum Muscat von Botani überzugehen, der sich die kommenden Tage als treuer Begleiter erweisen wird.

Das Autobilmuseum gehört auf jeden Fall in das Programm von Málaga in 48 Stunden

16 Uhr: Fahrt zum Automobilmuseum

Der Beweis: Der SUV der Gegenwart ist nicht der erste überdiemensional große Autotyp

Málaga selbst ist vieles, doch die Zeiten als uneingeschränkte Autostadt sind vorbei. In der historischen City dürfen nur noch Elektroautos fahren. Vorbildlich, da ohnehin alles eng beieinander liegt und die Gassen und Plazas so viel schöner sind ohne den Verkehr. Das aber bedeutet nicht, dass Motor-Freaks hier nicht auf ihre Kosten kommen. Genau genommen beherbergt die Stadt sogar Automobile, die selbst Radfahrer und Bahnfreaks ins Schwärmen bringen. In einer ehemaligen Tabakfabrik hat ein portugiesischer Privatier eine Heimat für seine Sammlung historischer und exotischer Wagen gefunden. Eine Augenweide!

18.30 Uhr: Zeit für ein kleines Nickerchen.

Ruheeinheiten sind in Spanien wichtiger als andernorts, denn das Essen wird spät serviert und die Nächte sind lang.

22.00 Uhr: Abendessen im El Pimpi

Zum Auftakt des andalusischen Abends geht es in eine Institution: die Bodegas el Pimpi. Das volkstümliche Lokal ist im besten Sinne urandalusisch. Gemütlich, verwinkelt und rumorig, dabei entsetzlich charmant. An den Wänden hängen Poster von Stierkämpfern und Fotografien prominenter Gäste, allen voran Antonio Banderas, dem berühmtesten Sohn der Stadt. Ich bestelle »Gepresste Lende vom Kastanienmastschein« (steht so auf der deutschsprachigen Karte, ist mir aber besser als »Lomo« bekannt) und frittierte Sardellen. Dazu ist abermals der Muskat-Wein fällig, für den die Region bekannt ist. Später, in den Gassen der Altstadt, kommen ein paar kleine Tintos hinzu.

Zweiter Tag, 10 Uhr: Fahrt zum Botanischen Garten

Fliesenmalereien im Botanischen Garten. Für andere Motive war leider das Licht zu schlecht

Mit dem Mietwagen in Málaga unterwegs zu sein, hat seine Vorteile: Eine Handvoll Kilometer nördlich der Stadt befindet sich der Botanische Garten Conception, der großartige Landschaftsarchitektur, Baudenkmäler und aufwändige Fliesenmalereien vereint. Ein würdiger Rahmen für heimische und exotische Pflanzen, und zugleich ein Umfeld, in dem ich mir einen schwelgerischen Spaziergang gönne.

12 Uhr: Picassos Geburtshaus

Wie textete Jonathan Richman noch: Some people pick up girls and get called assholes, this never happened to Pablo Picasso

Nachdem ich die Picasso-Museen in Barcelona und Paris bereits in einem Zeitalter besuchen konnte, bevor Hundertschaften Schlange stehender Touristen die traurige Normalität wurden, wird es heute Zeit für das Geburtshaus. In diesem gediegenen Ambiente also ist das verschrobene Genie zur Welt gekommen. Hier hat er die ersten Eindrücke von jener Welt absorbiert, die er später auf immer neue Weise abbilden sollte, und in der er sich kaum einen Genuss hat entgehen lassen. Ich kann nicht anders, als fasziniert zu sein und an Picassos Generationsgenossen zu denken.

14 Uhr: Picasso-Museum

Auch das Geburtshaus Picassos weiß einige Originale des produktiven Multitalents in seinem Besitz. Eine wahre Schatzkammer ist das nach ihm benannte Museum, das über 233 Werke des Künstlers verfügt. Nicht alle sind allererster Güte, doch in Kombination mit der Architektur des Palacio de Buenavista sind ein paar Stunden ein inspirierendes Erlebnis.

16.30 Uhr: Strandspaziergang

Málaga ist immer eine Malocherstadt gewesen. Der große Hafen erzählt diese Geschichte bis heute. Doch die Stadt hat so viel mehr Gesichter. Ein beliebig ausdehnbarer Spaziergang in Richtung Westen führt bald zu einem neuen Boulevard, der stolz nach Antonio Banderas benannt ist. Hier snacke ich in einer Strandbar (»Chiringuito«) eine Dorade, die frisch vom Grill kommt. Später folgt gesichtsloses Brachland, das andernorts längt von Investoren in Beschlag genommen worden wäre, ehe unverhofft in einem Flussdelta ein Vogelschutzgebiet beginnt. Nach der Rückkehr in die Nähe der Stadt gönne ich mir zwei Cañas, frisch gezapfte Biere.

20.30 Uhr: Die Promenade am Yachthafen

Wie bei Santiago Calatrava: Die geschwungenen Dächer am Yachthafen

Ein städtebauliches Vorzeigeprojekt. Boutiquen, Restaurants und ein schicker Parador flankieren den Boulevard auf der Landseite, während im Wasser bedächtig die Yachten schaukeln. Schön zum Schlendern und zur Beobachtung des allabendlichen Schaulaufens. Zurück in der Stadt esse ich bei Oleó eine vorzügliche Auswahl an Tapas, die traditionelle spanische Einflüsse mit baskischen und asiatischen kombiniert. Schon jetzt weiß ich: eines Tages werde ich wiederkommen nach Málaga. Vorzugsweise in der Nebensaison. Ein Blick ins Portemonnaie bestätigt dieses Vorhaben, denn ein Stadturlaub in Málaga ist preiswert, ohne dabei in irgendeiner Weise billig zu sein. Ein Geheimtipp.

Informationen zu 48 Stunden in Málaga

Attraktionen

Alcazaba: tgl. 9–20 Uhr (im Winter bis 18 Uhr), Eintritt: 2,20 Euro

La Concepción (Historischer Botanischer Garten): Camino del Jardín Botánico 3, tgl. 9.30–19.30 Uhr (im Winter bis 16.30 Uhr), Eintritt 5,20 Euro, http://laconcepcion.malaga.eu/

Museo Automovilístico: Avenida de Sor Teresa Prat 15, 7,50 Euro, Di–So 10–19 Uhr, www.museoautomovilmalaga.com

Fundacion Picasso (Picasso Geburtshaus): Plaza de la Merced 15, tgl. 9.30–20 Uhr, 3 Euro (So 16–20 Uhr kostenlos), http://visita.fundacionpicasso.malaga.eu

Picasso-Museum: Palacio de Buenavista, Calle San Agustín 8, tgl. 10–20 Uhr (im Winter bis 18 Uhr), http://www.museopicassomalaga.org/en/hours-admission

Santa Iglesia Catedral Basílica de la Encarnación: Calle Molina Lario 9, Mo Fr 10–18 Uhr, Sa bis 17 Uhr, 5/2 Euro

Die Stadt schläft nie – außer vielleicht kurz vor Tagesanbruch

Geniale Restaurants für 48 Stunden in Málaga

El Pimpi: Calle Granada 62, tgl. ab 10 Uhr, www.elpimpi.com

Oleó: Calle Alemania (ohne Hausnummer), Di–So 13.30–16 Uhr und Mi–Sa 20.30–0 Uhr, www.oleorestaurante.es

Strachan: Calle Strachan 5

Hotels

Don Curro: Angenehm traditionell, sauber und mittendrin gelegen. Mein Zimmer hatte sogar einen kleinen Sonnenbalkon. Calle Sancha de Lara 9, ab 75 Euro für das Doppelzimmer, www.hoteldoncurro.com

Castillo de Gibralfaro: Deutlich schicker ist der hoch über der Stadt gelegene Parador. In der staatlichen Nobelkette kostet die Nacht um die 160 Euro, www.parador.es

Weitere Informationen über 48 Stunden in Málaga auf der deutschsprachigen Internetseite des Tourismusbüros: malagaturismo.com/de

Text und Bilder: Ralf Johnen, März 2017. Die Reise »48 Stunden in Málaga« wurde zum Teil durch Málaga Turismo unterstützt. Vielen Dank an hierfür an Isabell von Fame Creative Lab. Der Beitrag wurde von der Autovermietung Avis gesponsert.

Und zum Schluss der 48 Stunden in Málaga: ein bisschen Jugendstil

 

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  1. Meine letzte Malaga-Tour ist schon über zehn Jahre her, aber der Beitrag macht Lust auf eine Reise in die Region! An die Burg konnte ich mich noch gut erinnern – die Aussicht ist super!

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