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Alpen ohne Anstiege: Über den Inntalradweg durch Tirol

Ehrfurchtsvoll blicken wir nach links und rechts. Dort erheben sich in überschaubarer Entfernung die Nördlichen Kalkalpen und auf der anderen Seite der Alpenhauptkamm. Trotz ihrer mächtigen Erscheinung flößen die beiden Gebirgszüge der Gruppe Radfahrer jedoch keine Angst ein: Zwar haben wir alle uns vorgenommen, Tirol mit dem Fahrrad zu durchqueren.

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Doch dafür haben wir uns keine steilen Passstrassen ausgesucht, sondern den Inntalradweg. Und der verläuft – abgesehen von kleinen Hindernissen – nahezu flach. In West-Ost-Richtung kommen Zweiradtouristen gar in den Genuss eines seichten Gefälles.

Inntalradweg

Aus einer Höhe von 2484 Meter fällt das Wasser von der Quelle bei Sankt Moritz in der Schweiz bis zum Städtchen Imst auf nur knapp 150 Kilometern bis auf rund 828 Meter. Ab hier lässt das Grundrauschen des mitunter reißenden Flusses spürbar nach – ein idealer Startort für die Entdeckung der Langsamkeit.

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Urtümliches Imst

Eine Erkundung des 10.000-Einwohnerortes am Nordufer des Inns lohnt auf mannigfaltige Weise. Urtümliche Behausungen typisch Tiroler Machart bestimmen das Oberdorf. Einige weisen die Besonderheit auf, dass sie nur zur Hälfte gebaut scheinen. Dann verschwinden sie einer Moräne, die eine Furche durch den urtümlichen schlägt. Bizarr ist auch das Brauchtum in Imst. Wie Manfred Thurner erklärt, ist das Oberzentrum des Gurgltals Austragungsort des so genannten Schemenlaufens.

Inntalradweg

Der Umzug gilt als Höhepunkt der örtlichen Fasnacht. Ausschließlich Männer, führt Komiteemitglied Thurnau aus, schlüpfen alle vier Jahre in Kostüme, um wahlweise tanzend oder auf Wagen den Winter zu vertreiben. Das örtliche Fasnachtsmuseum dokumentiert die bis ins Mittelalter zurückreichende Tradition auf amüsante Weise.

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Epizentrum des Geschehens ist der ehrwürdige Gasthof „Zum Hirschen“. Das verwinkelte Haus kundet zugleich von einem neuen gastronomischen Selbstbewusstsein: Ebenso wie zurzeit 128 weitere Betriebe wird es mit dem Etikett „Tiroler Wirtshaus“ geziert.  Auf den Teller kommen Spezialitäten, die aus regionalen Produkten hergestellt werden. Schlutzkrapfen etwa, oder ein Hirschragout. Eine Küche, die den Anforderungen des Radsports gewachsen ist.

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Action in der Area 47

Der Inntalradweg allerdings steht keineswegs nur im Zeichen von Folklore und Beschaulichkeit. Nur ein paar Kilometer gen Osten wartet an der Öffnung des Ötztals die Area 47.

Inntalradweg

Hier am 47. Breitengrad suchen Hasardeure den ultimativen Kick. Auf 27 Meter hohen Sprungtürmen. Auf Raftingflößen. Oder in einem Stollensystem, das bis zu 350 Meter tief in die Erde führt. Weniger spektakulär, aber unter Umständen erholsamer ist der Besuch eines Römerbadls, das beim Dorf Roppen in unmittelbarer Nähe zum Inn-Ufer zur Erfrischung einlädt.

Inntalradweg

Inntalradweg

Inntalradweg

Innsbruck, die Hauptstadt der Alpen

Auch urbane Erlebnisse bleiben dem Radler nicht verschlossen. Mit Innsbruck wird die selbst erklärte „Hauptstadt der Alpen“ durchquert. Die Mini-Metropole mit ihren 130.000 Einwohnern strahlt an warmen Abenden eine Lebensfreude aus, die jedem südländischen Land genüge tun würde.

Inntalradweg

Inntalradweg

Ob in den Gassen der Altstadt rund um das Wahrzeichen der Stadt, dem Goldenen Dachl, ob im Hofgarten, oder in der neumodischen Beach Bar: Überall zelebrieren vor allem die mehr als 20.000 Studenten das Leben.

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Inntalradweg

InntalradwegSwarowskis bizarre Welten

Ähnlich turbulent geht es in Wattens zu, wo die meist besuchte Indoor-Sehenswürdigkeit Österreichs steht: Die Swarowski Kristallwelten. Keine plumpe Ausstellung der prunkvollsten Exponate, sondern ein Erlebnisparcours durch 14 Räume, für deren Gestaltung André Heller namhafte Künstler gewinnen konnte: Der Architekt David Adjaye, Soundtüftler Brian Eno und Modedesigner Alexander McQueen haben allesamt Arbeiten beigetragen. Ein Verkaufsraum von enormen Ausmaßen fehlt allerdings nicht.

Inntalradweg

Inntalradweg

Nach diesem Aufruhr genießen wir die wieder dünner werdende Besiedlung. In Stams besuchen wir den ehrwürdigen Stift, ein weithin sichtbares Zisterzienserkloster, das mit seinen beiden Zwiebeltürmen von der Grandezza vergangener Zeiten zeugt. Wieder im Sattel, passieren wir die kleinste Stadt Österreichs: Rattenberg. Hinter den Barockfassaden der Häuser, die sich am Inn aufreihen, verbirgt sich nur eine Straße, in der zahlreiche Betriebe residieren, die sich der Glasherstellung verschrieben haben. Kaum mehr als ein Potemkinsches Dorf. Aber ein reizvoller Zwischenstopp.

Inntalradweg

Monumentaler Felsen über dem Inn

Am Horizont tauchen nun die spitzen Gipfel des Kaisergebirges auf. Nach Kufstein ist es nun nicht mehr weit. Weithin sichtbar thront die örtliche Festung auf einem Felsen 90 Meter hoch über dem Inn. Ein Zeugnis der Vergangenheit, das durch wechselnde territoriale Zugehörigkeit das schwierige Verhältnis zwischen Tirol und dem nur einen Steinwurf entfernten Freistaat Bayern abbildet. Und zugleich eine Freiluftarena für Theater und Oper, die einen Tag auf dem Fahrrad kulturelles Gewicht verleihen kann.

Inntalradweg

Inntalradweg

Tags darauf stärken wir uns am Mittag im Gasthaus „Zur Schanz“. Nach einigen Tiroler Tapas serviert Patronin Maria Egger-Rieder „Kalbl mit Eierschwammerl“. Wir resümieren, dass wir auf den verbleibenden Tagen bis Passau weiterhin nach links und rechts schauen werden. Nicht zuletzt, um die verjüngte Küche besser kennen zu lernen. Ein Genuss, der sich bei Einhaltung des täglichen Bewegungsprogramms ungestraft in das Erlebnis Inntalradweg einreiht.

Inntalradweg

Informationen:

Der Inntalradweg erstreckt sich über rund 530 Kilometer von Maloja (Schweiz) bis nach Passau. Von Mitte Mai bis Ende September sind die Chancen auf angenehme Bedingungen am besten.

Die Tirol Werbung vermittelt organisierte Touren durch die Flusslandschaft. Ein Woche mit Teilstrecken von 30 bis 55 Kilometern pro Tag kostet inklusive Gepäcktransport, Unterkünften und zwei Gastronomie-Gutscheinen ab 459 Euro pro Person. Inbegriffen sind umfangreiche Reiseunterlagen.

www.tirol.at

Zurzeit 129 Gasthäuser haben sich unter dem Siegel „Tiroler Wirtshaus“ zusammengeschlossen, um Touristen Einblicke in eine zeitgenössische Variante der Tiroler Gastlichkeit zu gewähren. Die Tirol Werbung hat eine Broschüre publiziert, in der die Küchengeheimnisse der Gasthäuser am Innradweg in Form von Rezepten festgehalten sind.

www.tiroler-wirtshaus.at

Ralf Johnen, Mai 2013. Der Autor war auf Einladung des Tourismusbüros von Tirol (Tirolwerbung) auf dem Inntalradweg unterwegs.

2 Kommentare

  1. Pingback: Monatsrückblick Mai 2013

  2. Das sieht nach ein richtg schöner Urlaub aus. Ich bin sowieso sehr begeistert von Österreich.

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