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Mit Hemingway in Paris: Immer noch ein Fest fürs Leben

"It is awfully easy to be hard-boiled about everything in the daytime, but at night it is another thing."

„It is awfully easy to be hard-boiled about everything in the daytime, but at night it is another thing.“

In Paris geht es gar nicht um die Franzosen. Zu dieser Einsicht bin ich gekommen, als ich im Alter von ungefähr 18 Jahren zum ersten Mal „The Sun Also Rises“ gelesen habe. Vielleicht habe ich mich bei meiner Interpretation ein wenig zu sehr vom deutschen Titel verleiten lassen, möglicherweise aber waren meine Erkenntnisse auch der Jugend geschuldet. Fest steht jedenfalls, dass mir „Fiesta“ vorkam wie eine nie endende Party, deren schreibende, reisende und trinkende Protagonisten mir als Vorstadtkind seinerzeit enorm glamourös vorkamen.[Weiterlesen]

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Guglhupf mit Blick auf den Weinberg: Kurzurlaub in der Pension Clos Froehn im Elsass

Pension Clos Froehn08

Wir wünschen uns Puscheln für die Rollen unserer Koffer, als wir die stille Rue du Schlossberg hinauf rattern. Unsere Ankunft scheint das verschlafene 380-Seelen-Dörfchen am Rande der Vogesen erbeben zu lassen. Aber als wir oben auf dem Hügel an der Pforte läuten, öffnen Martine und Alphonse Obry freundlich lächelnd – unerschüttert von dem Lärm und unserem ebenfalls ruckelnden Französisch.[Weiterlesen]

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Rundflug über La Réunion im Zweisitzer

Um 5.15 Uhr geht der Wecker. Nach einem Croissant ohne Kaffee nehmen wir Kurs auf ein Industriegebiet im Nordwestvon La Réunion. Hier hat sich Felix Ulm niedergelassen. “Ein Deutscher?”, frage ich schlaftrunken. Nur um mich dann belehren zu lassen, dass ULM für “ultra light/micro light aircraft” steht. “Eine Abkürzung”, knurre ich, “die keinen Sinn macht”.

Es wird gerade hell, als mir ein Pilot zugeteilt wird: Serge, ein kerniger Typ, der mich sofort an Jack aus „Sideways“ erinnert. Eine positive Assoziation. Leider verstehe ich sein Englisch noch schlechter, als sein Französisch. Als Serge den 450 Kilo schweren Pappflieger auf die Startbahn schiebt, ist es 7.00 Uhr. Mir ist durchaus ein wenig mulmig.

Aber egal, jetzt ist es zu spät für Zweifel. Serge quetscht mich in den Flieger, setzt mir einen Kopfhörer auf und legt mir einen Gurt an. Dann klappt er die Plexiglasaußenwand herunter. Und ohne weitere Verzögerung nimmt die mit nur einem kleinen Propeller ausgestattete Maschine Fahrt auf.

Wir gewinnen rapide an Höhe. Serge fliegt eine 270-Gradkurve, die einen Ausblick über Le Port gestattet, ein verschlafen aussehender Hafen. Nach etwas mehr als einer Minute aber befinden wir uns schon am Ausgang einer Schlucht.

Von Wasser ist in der schattigen Felsenspalte nichts zu sehen. Doch ich habe bereits gelernt, dass auf dem Eiland im Indischen Ozean gerne schonmal 200 Milliliter Regen pro Tag fallen. Das ist ein Drittel des Jahresniederschlags von Köln. Und hier regnet es bekanntlich auch nicht selten.

Wir gewinnen weiter an Höhe. Bald befinden wir uns auf etwa 2000 Metern. Zaghaft werfe ich einen Blick auf die Instrumente. 5350 Stunden hat der Flieger schon auf dem Buckel. Angeblich. Das beruhigt.

Serge fliegt so nah am Gipfel eines Berges vorbei, dass ich glaube, von den Bäumen ein paar Blätter abpflücken zu können.

Langsam kommt das Ende des Talkessels in Sicht. Serge steuert auf den Grat zu, über den die Wolken wie eine zähe Melasse hinwegfließen.

Erst 20 Sekunden, bevor wir bei unserem Tempo von nur 100 Stundenkilometern unweigerlich gegen die Kraterwand geknallt wäre, navigiert Serge den Flieger im Stile eines typisch französischen Hasardeurs über die Kante hinweg.

Auf der Wetterseite dieser bizarren Insel ist zunächst nicht viel zu sehen. Dann aber öffnet sich die Wolkendecke. Überall Vulkankrater. Erst sind sie zugewuchert. Bald jedoch sind sie nackt.

Wir erreichen nun jenen Landstrich, den die Bewohner der nur 40 mal 60 Kilometer großen Insel „Le Volcon“ nennen. 2600 Meter ist das graue Ungetüm hoch. Er gehört zu den aktivsten Vulkanen des Planeten.

Hinter einer Kante, die den inneren Zirkel des Vulkans markiert, wächst und gedeiht nichts mehr, außer ein wenig knorrigem Gestrüpp.

Als wir uns dem Gipfel nähern, muss ich daran denken, was der mitreisende Kollege P. tags zuvor bei der Wanderung gesagt hat: Wenn La Réunion der Arsch der Welt ist, dann ist das hier das dazugehörige Loch.

Meine theatralische Skepsis der frühesten Morgenstunde ist nun einem – schon wieder! – hemingwayeskem Entdeckergeist gewichen. Zumal Papa zwei Flugzeugabstürze überlebt hat.

Was für eine Insel, denke ich. Die Küstengewässer sind haiverseucht. Dahinter Städte und Dörfer mit viel Verkehr. Dann Almen mit Kühen. Akazien, die einsam in der Landschaft stehen. Die Mondlandschaft des Vulkans, auf der zuweilen sogar Schnee liegt, was Tausende in die Höhen treibt. Und schließlich noch diese drei Talkessel mit ihrer üppigen Vegetation und kreolischen Siedlungen.

Ich ertappe mich bei einem verträumten Gedanken: Das ist wie beim Bleigießen hier. Man nehme ein wenig Masse, schmeiße sie ins Wasser. Und heraus kommt so etwas.

Vier Stunden bis Paris. Dann nochmal zwölf Stunden mit Air Austral. Und 170 Euro für diesen einstündigen Rundflug. Doch die weite Anreise lohnt in jedem Fall.

Beim Landeanflug rücke ich noch mal kurz von meinen schwelgerischen Gedanken ab. Doch auch wenn es mir tollkühn erscheint, so landet Serge den Hobel doch sicher auf der Piste. Später erfahre ich, dass wir fünf Minuten zu früh waren, um auch noch in den Genuss brünftiger Buckelwale zu kommen, die sich in den Gewässern tummeln. Aber das wäre der Reizüberflutung dann vielleicht doch zu viel gewesen. Zumindest zu dieser frühen Stunde.

Die Reise wurde vom Fremdenverkehrsamt der Insel La Réunion unterstützt.

www.felixulm.com/start

www.airaustral.com

www.reunion.fr/de