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Mein Hurtigruten-Tagebuch. Tag 3: Von Hammerfest zum Nordkap

 

„Hier oben“, sagt Kai Albrigtsen, „wächst gar nichts mehr“. Leicht versonnen blicken wir aus den Fenstern auf kahle, weiße Berge. Der Kapitän der MS Finnmarken erklärt, dass wir uns jenseits des 70. Breitengrades befinden. [Weiterlesen]

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Mein Hurtigruten-Tagebuch. Teil 2: Vom Trollfjord nach Tromsø

Auf meinem Teller befindet sich eine Komposition aus Roter Beete, eingelegtem Hering, geräucherter Makrele und ein wenig Smörrebröd. Ein Frühstück für Champions, das ich mit Grünem Tee bedächtig zu mir nehme. Es ist halb zehn und es schneit heftig. [Weiterlesen]

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Mein Hurtigruten-Tagebuch. Tag 1: Bodø – Trollfjord

HurtigrutenTag121Wir zerren unsere Rollkoffer über einen Eispanzer, der gerade von strömendem Regen geflutet wird. Rückenwind beschleunigt unseren Gang geringfügig. Nach einer Viertelstunde erreichen wir den Fähranleger von Bodø. Es ist Ende November und wir befinden uns im Norden Norwegens. [Weiterlesen]

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Am Beispiel Preziosa – Kostbare Momente einer Schiffstaufe (Teil 1)

Der Abend beginnt mit seinem Ende. Das für 18.30 Uhr angesetzte Dinner ist seit einer halben Stunde Geschichte, als ich um 21.00 Uhr durch die Sicherheitsschleuse der „MSC Preziosa“ schreite. Ich bin wie so häufig ein wenig hastig auf Reisen gegangen, schnell am Vorabend ein paar Sachen in den Koffer geworfen und online eingecheckt, Sitzplatz geändert. Der Rest muss schon klappen.

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Folge: eine leicht ansteigende Nervositätskurve am Ziel der Reise. Anzüge habe ich gemäß Dresscode zwar im Gepäck, nicht aber den Reisepass, der auf einer Kreuzfahrt in der Regel verlangt wird, sobald das Schiff ablegt. Das kommt mir wieder in den Sinn, als vor mir in der Schlange ausschließlich Menschen mit dem weinroten Reisedokument in der Hand auf Zutritt in den Schiffsbauch warten, der sich an der Pier am Porto Antico vor uns erhebt. Letztlich sieht mich der Sicherheitsmensch mit dem gedrehten Kabel am Ohr nur etwas komisch an, als ich ihm Personalausweis und Handy mit der Buchungsnummer auf dem Display hinhalte. Zutritt kein Problem – die MSC Preziosa wird vertäut liegen bleiben für diese beiden Tage der Taufzeremonie in Genua.

Porto Antico - Dort parkte die "MSC Preziosa" ein

Porto Antico – Dort parkte die „MSC Preziosa“ ein

Aber auch die Organisation der Reise bis in die ligurische Regionalhauptstadt war nicht gerade ein Meisterstück. Hinter mir liegen der Flug nach Nizza, drei Stunden Transfer in einem überhitzten, mit zehn Leuten völlig unterbesetzten Reisebus und ein Tagesprogramm mit Schiffsführungen ohne meine Anwesenheit. Immerhin: An der Rezeption sucht man aus hunderten von Schlüsselkarten (Fachsprech: Cruise Card) blitzschnell die passende zu Kabine 11195 heraus, eine mit Balkon von insgesamt 1751 Kabinen des neuen, 333 Meter langen Stolzes der Reederei MSC Crociere, der voll besetzt 4345 Menschen befördern kann.

Kabine mit Aussicht

Kabine mit Aussicht

Ein Page schnappt sich meinen Koffer, wir gehen über dicke, weiche Teppiche. Um uns herum glitzert es überall, Kronleuchter, Spiegel, Augen. Nur Menschen in Abendgarderobe, satt, angeschwipst, bester Laune.

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Ohne zu duschen, in dem Glauben, noch meinen Platz am Dinnertisch einnehmen zu können, werfe ich mich schnell in Schale und lasse Tür Nummer 11195 zufallen. Vorm L’Arabesque versperrt mir ein Schild „Restaurant closed“ sowie eine sediert-freundlich dreinblickende Servicekraft den Weg. Also ab in einen der 17 verspiegelten Gästeaufzüge.

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Einer von 26 Aufzügen, 17 davon sind für die Gäste

Einer von 26 Aufzügen, 17 davon sind für die Gäste

Auf Deck 14 wartet ein Buffet-Restaurant, das auf einem um Kurven und Ecken mäandernden Tisch von vielleicht 200 Meter Länge 20 Stunden am Tag Speisen vorhält. Als ich mir gerade ein paar Penne auf den Plastikteller löffeln will, ergießt sich ein Meer in die übergroße Pfanne. Ein Mann mit Eimer in der Hand lächelt mich an und beginnt zu rühren. Im Laufe des Tages hat sich die Tomatensauce ungewollt zu einer Art zäher Paste reduziert, da muss man nachbessern.

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Dinner for one

Dinner for one

Nach dem Essen in Einsamkeit bleibt noch Zeit für eine self-guided Tour über die Decks. Kurz im verrauchten Casino vorbeigeschaut, zieht es mich an die Frischluft. An einer Eisdiele bestelle ich ein Pistazieneis. Ich komme vorbei an einigen comicartigen, bunten Figuren, die wohl Wasser spritzen können, dem nachts stillgelegten Planschbereich für Kinder. Unterhalb der Schornsteine mache ich ein Foto des MSC-Logos, wer weiß, wofür es gut ist. Dann flackert der Himmel grün auf. Ich drehe mich um…

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Alles ist erleuchtet

Alles ist erleuchtet

…und erblicke den altehrwürdigen Leuchtturm Genuas (Torre della Lanterna di Genova), den mit 77 Metern höchsten in Europa, an dem ebenfalls das Reederei-Logo aufleuchtet. Von seiner Spitze aus schießen grüne Laser in den Nachthimmel Genuas und erbeben eine matrix-artige Schraffur.

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Dann verfangen sie sich gebündelt in Höhe der verglasten Borddisko in luftiger Schiffshöhe, die selbst glitzert und blitzt. Ihr Wummern lässt chartskompatible Technoderivate erahnen. Ich hadere, ob ich mir die Interpretation des Nachtlebens à la MSC geben soll oder nicht, und schlendere leicht unentschlossen umher.

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Über zwei Treppen erreiche ich das „Adults-only Top 18 Exclusive Solarium“ – ein Rückzugsgebiet mit potenziell hoher Sonneneinstrahlung für die Schiffsreisenden, die keinen Bock auf Kinderlärm haben. Zwei der Premierengäste haben den Namen dieses offenen Decks wohl etwas überinterpretiert. Zumindest tummelt sich in einer der Liegemuscheln ein aktives Pärchen. Aus Gründen der Diskretion erhöhe ich meine Schrittfrequenz, muss im Vorbeihuschen aber doch sehen, dass er gerade auf ihrem Bauch sitzt und sich die Hose schließt. Mission accomplished.

Vertigo - Die längste Wasserrutsche auf hoher See (Bild: MCS Crociere)

Vertigo – Die längste Wasserrutsche auf hoher See (Bild: MCS Crociere)

(Bild: MCS Crociere)

(Bild: MCS Crociere)

0.30 Uhr zurück in der Kabine verweist die Reederei noch einmal auf die offiziell zu erlebenden Highlights einer Preziosa-Reise: Auf dem Bett liegt jetzt ein offener Brief von Kapitän Giuliano Bossi, der dieses zwölfte Schiff der Reederei und vierte der Fantasia-Klasse preist, als besondere Neuheit habe die Preziosa mit 120 Metern die längste „Single-Wasserrutsche auf hoher See“ an Bord. Zum Einschlafen entscheide ich mich aus dem für die Premierengäste freigeschalteten Angebot an Pay-TV-Filmen für „Men in Black 3“. Ich träume von parasitären Monsterkäfern und glibbrigen Fischmutanten.

(Fortsetzung folgt)

Autor: Stefan Weißenborn, April 2013

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