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Lila Angsträume und Himalaya-Geklimper: Warum ich kein Wellness-Typ bin

Mit Hut im Infinity-Pool: So viel Wellness geht grad noch

Mit Hut im Infinity-Pool: So viel Wellness geht grad noch

Okay, heute ist der Tag gekommen: Ich habe mich dazu durchgerungen eine Beichte abzulegen, Einblick in eine düstere Seite meiner Seele zu verleihen. Ich werde erklären, warum ich Atemnot bekomme, sobald ich ein bestimmtes Wort höre. Ein Wort, das in der Tourismusindustrie erschreckend häufig und stets mit feierlichem Tonfall verwendet wird: Wellness. [Weiterlesen]

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Schweigen ist Gold: Eine Nacht auf der Pistenraupe in Norwegen

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Ich kann es den kleinen Rackern förmlich von den Lippen ablesen. Obwohl sie ihre Worte auf Norwegisch sprechen. „Wer ist dieser Freak da drüben?“, fragen sie ihre Eltern. Der Typ, der alleine am Tisch sitzt, sich hinter einem Buch versteckt, ein Carlsberg für 10 Euro trinkt und sich sichtlich unentspannt das Essen vom Büffet reinschaufelt, während doch sonst im Speisesaal nur festlich gekleidete Familien sitzen. Mutter im kleinen Schwarzen, Vater im Smoking, und sie, die Kinder, in einer Art Kommunionstracht. [Weiterlesen]

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Wie im Antonioni-Film: Ein Abend in Navigli, dem Ausgehviertel von Mailand

Abendlicht, das sich in Gewässern spiegelt. Vespas mit helmlosen Fahrern. Zur Kleinwüchsigkeit neigende Machos. Und hochhackig durch die Nacht staksende Amazonen mit olivfarbener Haut und kurzen Röcken. Wir wähnen uns wie im Fellini-Film. Tatsächlich aber sind wir in Mailand, einer Stadt, die von Deutschen kaum je besucht wird. Sie fahren lieber nach Florenz, Rom, Venedig, Verona oder Bologna.

Tatsächlich sind nicht alle Vorbehalte unbegründet. In Mailand etwa werden Schalke-Aufkleber gewaltsam von Autos entfernt. Außerdem geht es abends und nachts ziemlich gemächlich zu. Die Altstadt ist auch am Wochenende weitgehend verwaist. In den wenigen Bars läuft seltsame Musik, wer Glück hat, hört Bohemian Rhapsody von Queen.

Die große Ausnahme ist Navigli, ein Viertel im Südwesten der Stadt. Unweit der Stazione Genova ziehen sich zwei aufeinander zulaufende, kerzengrade Kanäle durch die Stadt, die Mailand im Mittelalter mit den Nachbarstädten verbunden haben. Als Reisejournalist wäre man geneigt, den Ort als Venedig Norditaliens zu bezeichnen, aber das klingt komisch. Egal.

An den Ufern der Kanäle jedenfalls sonnen sich tagsüber die Studentinnen. Gegen 18 Uhr dann beginnt die Stunde des rituellen Aperitivo. Dieser mutet zunächst etwas seltsam an, weil die Mailänder für ein Bier oder ein Glas Wein freiwillig 8 Euro abdrücken. Der Preis aber beinhaltet den Gang zum Büffet, das aus allerlei Antipasti besteht – und den Restaurants immer mehr die Kunden abgräbt. Die effektivste Kombination: Ein Pint Pilsener Urquell und zwei volle Plastikteller.

Der Habitus übrigens wird vom Personal der Bars nach Kräften unterstützt. Selten sind wir irgendwo so freundlich und in so entzückendem Englisch auf die vorteilhaften Regeln aufmerksam gemacht worden. Stühle wurden uns nachgetragen. Aufgrund akuter Dehydrierung ist die Wahl einmal gar auf ein Lokal namens Blues Canal gefallen. Ich betone das, weil ich sonst immer über die Einträge in Reiseführern lache, die Jazz-Clubs oder Blues-Bars empfehlen. Überall auf der Welt.

Nach dem Aperitivo ist erstmal ein gepflegtes Nickerchen fällig. Zum Glück ist unser Hotel, das hippe – in unmittelbarer Nähe zur örtlichen Filiale der Model-Agentur Elite gelegene – NHOW, nicht weit weg. Gegen 22 Uhr gehen wir essen. Auf den Tisch kommt Ossobucco mit Risotto Milanese, das für die Stadt beste und typischste Gericht.

Gegen Mitternacht ist es richtig voll in Navigli. Wir versorgen uns in einer kleinen Privatbrauerei, die reichhaltige Biere amerikanischer Machart aus dem Fass anbietet, mit Getränken und lassen uns am Kanal nieder. Es nieselt ein wenig. Alles sieht aus wie im Schwarzweiß-Film. Ich frage mich kurz, ob ich mir vielleicht nicht doch eher wie in einem Antonioni-Film vorkomme.

In den Clubs und Bars wird die Lage derweil langsam ein wenig unübersichtlich. Auch die Röcke scheinen kürzer als noch vor Stunden.

Ich lenke mich ab mit einem Blick auf die Brücken, die über die Kanäle führen. Kahler Beton, der von Grafitti-Künstlern signiert wurde. Vielleicht, denke ich, ist dieser signifikante architektonische Mangel auch der Grund dafür, warum ich Mailand besser nicht als Venedig Norditaliens bezeichnen sollte. Es wäre verantwortungslos.

Wie auch immer. Um uns nicht dem Konsum eines vierten (?) Bieres auszuliefern, laufen wir weiter. Nach einem kleinen Stopover in einer Weinbar landen wir vor einer Eisdiele, die aussieht wie eine Apotheke aus den 1920ern.

Ich bilde mir trotz entgegenläufiger Zeugenaussagen bis heute ein, zwei Kugeln Pinienkerneiscreme gegessen zu haben. Aber ich bin mir nicht ganz sicher. Wohl aber weiß ich, dass wir auf dem Heimweg noch einen Absacker genommen haben. Das, was wie ein bürgerliches Café ausgesehen hat, entpuppte sich bald als Openair-Kunstrasen-Riesenkugel-Boccia-Anlage mit Flutlicht. Hier ist der Beweis:

Aber auch ohne dieses durchaus surreale Finale werde ich wiederkommen. Tolle Stadt.