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Lila Angsträume und Himalaya-Geklimper: Warum ich kein Wellness-Typ bin

Mit Hut im Infinity-Pool: So viel Wellness geht grad noch

Mit Hut im Infinity-Pool: So viel Wellness geht grad noch

Okay, heute ist der Tag gekommen: Ich habe mich dazu durchgerungen eine Beichte abzulegen, Einblick in eine düstere Seite meiner Seele zu verleihen. Ich werde erklären, warum ich Atemnot bekomme, sobald ich ein bestimmtes Wort höre. Ein Wort, das in der Tourismusindustrie erschreckend häufig und stets mit feierlichem Tonfall verwendet wird: Wellness. [Weiterlesen]

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Vergessen und verwunschen: Die Atlantikinsel Cumberland Island in Georgia

Leicht euphorisiert passieren wir die Grenze. Uns war nicht wirklich bewusst, dass wir nach Florida kommen würden. Und nach einem deutschen Winter haben wir schon unangenehmere Botschaften gelesen als: „Welcome to the sunshine state“. Wir steuern den Hafen von Fernandina Beach auf Amelia Island an, denn von hier aus fahren die Boote nach Cumberland Island, der südlichsten Insel Georgias. [Weiterlesen]

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Unterwegs im Lastwagen – Als Beifahrer mit dem Truck durch die USA

Mit 21 000 Litern Mineralwasser im Gepäck geht es die lange Steigung rauf. „Jetzt kommen wir ins Schwitzen“, sagt Günther und beobachtet die Instrumente. Die Motortemperatur steigt. Im Fußraum wird es warm. Der gut 60-jährige Blondschopf drosselt die Geschwindigkeit und lässt die 550 PS unter der Haube des Kenworth-Trucks gemächlich die Arbeit verrichten. In Los Angeles hatte der Trucker den Hänger mit dem Lebenselixier angekoppelt. Sollte der Motor in der Mojave Desert schlapp machen – verdursten würden wir nicht; wir müssten nur das Siegel am Trailer brechen. [Weiterlesen]

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Scheitern ist keine Option: Houston, der Kraftprotz von Texas

Flachbauten mit Western-Flair und eine Skyline wie in »Dallas«

Wieviel PS hat das Dingen hier noch mal?

Scheitern kommt nicht in Frage. Dieses Zitat des Astronauten Gene Kranz ist in Houston zum geflügelten Wort avanciert. Die texanische Stadt versteht sich als Kraftprotz, der sich unbeirrt seinen Weg bahnt. Angefangen hat der Aufschwung durch den Handel mit Baumwolle und Öl. [Weiterlesen]

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Oklahoma City: Renaissance einer Stadt voller Mythen

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Bill Hudspeth trägt einen Strohhut mit hochgestellten Krempen. Sein rundliches Gesicht zeugt von großer Zufriedenheit. Der Cowboy aus Marietta, Oklahoma, hat an diesem Montagvormittag ein Vermögen gemacht: 1200 Rinder der Spezies Texas Long Horn hat er verkauft – zum Stückpreis von 855 Dollar.

Ein Lächeln wie JR - Bill Hudspeth

Ein Lächeln wie JR – Bill Hudspeth

Knapp 1.000.000 Dollar reicher lässt Hudspeth den Arbeitstag ausklingen. Entspannt sieht er sich an, was die Konkurrenz so aufzubieten hat.

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Im Minutentakt erhalten die Viehherden Einzug in eine kleine Arena, wo sie wie Sportwagen vorgeführt werden. Für das ungeübte Ohr anfangs kaum verständlich, reiht ein Auktionator mit enormer Geschwindigkeit Silben aneinander. Nach wenigen Sekunden reagieren die Anwesenden mit einschlägigen Handzeichen auf das Kauderwelsch. Ist der Zuschlag erteilt, werden die Rinder von Cowboys durch ein Labyrinth von Gängen zum Truck des neuen Besitzers getrieben.

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Über Hunderte von Metern reihen sich in den National Stockyards von Oklahoma City Parzellen aneinander, die Viehherden ein temporäres Zuhause bieten. Dabei geht es kaum anders zu, als zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Durch ihre Lage inmitten des Kontinents stieg die Stadt seinerzeit erst zu einem Eisenbahndrehkreuz und dann zu einem Handelsknotenpunkt auf.

Ein Lächeln fast wie Bill Hudspeth: Darrin Williams

Ein Lächeln fast wie Bill Hudspeth: Darrin Williams

2400 Menschen waren in den Stockyards einst beschäftigt. Und obwohl es heute nur noch ein Bruchteil ist, hat die Wildwest-Romantik imer noch Bestand – genau 100 Jahre nach der Eröffnung. Darrin Williams, ein kerniger Cowboy mit Karo-Hemd und Sporenstiefeln, verdient sein Geld bei einem der acht hier tätigen Kommissionäre. „Das Ganze“, meint er, „ist eine Art Broadway-Show“. Live-Auktionen seien wohl nicht mehr nötig, aber die Leute hätten halt ihren Spaß daran.

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Ein Backstein-Portal, auf dem ein riesiger Rinderschädel thront, signalisiert unmissverständlich, wo das frei zugängliche Gelände der Stockyards beginnt. Auch außerhalb des Areals jedoch ist die mythenreiche Epoche der amerikanischen Geschichte greifbar: Über eine Handvoll Blocks präsentiert sich Stockyard City im Südwesten der Stadt wie im Western von gestern: Bei „Langston’s Western Wear“ kaufen Cowboys ihre ornamentierten Hemden, bei „Little Joe Boots“ ihre wild gemusterten Stiefel. Und „Shorty’s Caboy Hattery“ ist der Laden ihres Vertrauens, wenn es die Wahl der charakteristischen Hüte geht.

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Eine weitere Institution ist „Cattleman’s Café“, das älteste Restaurant der Stadt. Waren es in den Anfangsjahren noch Rodeoreiter und Poker-Helden, die in dem schummrigen Lokal zwischen den Viehhändlern speisten, so haben später von John Wayne über Ronald Reagan bis hin zu Lyle Lovett Zelebritäten unterschiedlichster Ausprägung hier ihre Steaks gegessen. Glaubt man einem populären Reisebuch, ist das ruhmreiche Restaurant gar einer jener 1000 Orte, die man als Amerikaner gesehen haben muss.

Pops galore

Pops galore

Ein Monument aus einer anderen Epoche hat hingegen kaum Spuren in der Stadt hinterlassen: die Route 66. Inzwischen weitgehend verblichen, hat sich die „Mutter aller Straßen“ einst auf fast 700 Kilometern ihren Weg durch den Bundesstaat Oklahoma gebahnt.

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Nur wenige Meilen außerhalb der Metropole jedoch lebt die „66“: Auf Original-Asphalt führt sie bei Arcadia vorbei an der überdimensionierten Nachbildung einer Limo-Flasche.

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Die Neonbeleuchtung lenkt die Aufmerksamkeit der Reisenden auf eine Tankstelle mit Diner hin. Mit mehr als 500 Sorten verfügt „Pops“ über die angeblich größte Softdrink-Vielfalt weltweit.

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In Stroud geleitet die Straße zum „Rock Café“, einem klassischen Biker-Imbiss.

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In Chandler können Nostalgiker eine Original-Tankstelle aus den 30er Jahren bewundern. Und in Clinton steht an ihrer Seite das „Oklahoma Route 66 Museum“, das dem Mythos mit allerlei Memorablia huldigt.

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Im Schatten der Wolkenkratzer von „Downtown“ trotzt auch jenes liebenswert kleine Art-deco-Gebäude dem allgemeinen Modernisierungseifer, das als Bahnhof fungiert. Noch – denn obwohl mit dem „Heartland Flyer“ neuerdings wieder Züge nach Fort Worth in Texas fahren, will die Auto-Lobby das Terminal zugunsten einer neue Schnellstraße abreißen.

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Alternativ diskutieren die Stadtväter den Bau einer Schnellbahn, die laut Elisa Milbourn viel besser in das Wiederbelebungsprogramm passt, das der republikanische Bürgermeister Mick Cornett seiner Stadt verordnet hat: Seit 1993 erhebt Oklahoma City eine zusätzliche Mehrwertsteuer, die ausschließlich für Investitionen in der Innenstadt verwendet wird. Wie die Studentin erzählt, hat der erhoffte Effekte schon bald eingesetzt: „Die Verödung der City hatte ein Ende und es gab eine regelrechte Renaissance.“
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Der einst kläglich vernachlässigte Oklahoma River etwa besitzt nun eine Promenade. Die Stadt konnte ein zugkräftiges NBA-Team für sich gewinnen. Und die in 2009 bewilligte dritte Stufe des Masterplans umfasst neben dem Schnellbahnbau auch ein Budget von 130 Millionen Dollar für die Anlegung eines Stadtparks. Am sichtbarsten manifestiert sich die Wiederauferstehung von Oklahoma City in „Bricktown“: Nachdem die Stadtväter den Industriedistrikt mit einem kleinen Kanalsystem durchzogen haben, siedelten sich in den Waren- und Packhäusern am Ufer Restaurants, Clubs und Bars an. In den Lofts darüber residieren die Kreativen.

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Glaubt man Elisa Milbourn, ist Oklahoma City inzwischen eine der angesagtesten Städte des Mittleren Westens. Die Bewohner schätzen nicht nur die vitale Innenstadt, sondern auch das Klima: „Im Sommer ist es sehr heiß, die Winter sind kühl und nur manchmal eisig.“ Auch daher werde ihre Heimatstadt mittlerweile von vielen Amerikanern als preiswerte Alternative zu Florida oder Kalifornien geschätzt.

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Eine erstaunliche Entwicklung, sagt die 30-Jährige, denn die Stadt lag 1995 so tief wie nie am Boden. Am 19. April des Jahres hatte Timothy McVeigh das Attentat auf das Murray Federal Building des FBI verübt. 168 Menschen starben bei dem Anschlag. Immer noch klafft an der betreffenden Stelle eine Lücke.

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Ein gelungenes Monument mit angeschlossenem Museum erinnert an die schmerzhafte Wunde. Der Moment, den sie selbst in der Schule erlebt habe, werde immer Teil der Stadtgeschichte bleiben, sagt Milbourn. Auch wenn diese sich noch so positiv entwickeln werde.

Bewegend: Ein Zaun in Oklahoma City wurde zu einer Gedächtniswand

Bewegend: Ein Zaun in Oklahoma City wurde zu einer Gedächtniswand

Informationen:

Oklahoma City hat rund 560.000 Einwohner, der Bundesstaat ist etwa halb so groß wie Deutschland und zählt 3,7 Millionen Einwohner. Die Stadt wird nicht direkt von Deutschland aus angeflogen, günstige Verbindungen führen über Houston oder Atlanta. Die beste Reisezeit sind die Monate Mai, Juni, September und Oktober. Im Hochsommer kann es mit über 40 Grad Celsius extrem heiß werden, die Winter sind kühl.

Oklahoma City eignet sich als Ausgangspunkt für den Besuch der Attraktionen, die sich sowohl westlich als auch östlich der Stadt entlang der Route 66 aneinanderreihen.

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Die frei zugänglichen Auktionen in den Oklahoma National Stockyards finden an Montag- und Dienstagvormittagen statt. Am 3. Oktober vor genau 100 Jahren wurden sie eröffnet.

stockyardscity.org

oklahomaroute66.com

route66.org

visitokc.com

travelok.com

onsy.com

Die Reise wurde von teilweise von Travel Oklahoma unterstützt.

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Alle Tage wieder in Tennessee: Hotel feiert Weihnachten – immer

„Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei…“. Der Weihnachts-Countdown hat ausgedient in Pigeon Forge. Denn am Rande der Smoky Mountains in Tennessee, im Herzen des amerikanischen Bibelgürtels, muss nicht auf Santa Claus warten, wer nicht will. Wer vor lauter Vorfreude auf das Fest nicht mehr kann, der checkt einfach im „Inn at Christmas Place“ ein. Denn dort ist heut‘ schon Weihnachten, und das 365 Tage im Jahr.

Alles ist erleuchtet: Inn at the Christmas Place in Pigeon Forge/Tennessee

Alles ist erleuchtet: Inn at the Christmas Place in Pigeon Forge/Tennessee

Da ist er also zu Hause, der Weihnachtsmann. Nicht am Nordpol wie es ihm in den USA nachgesagt wir. Nicht in Lappland, wie es die meisten Europäer ihren Kindern erzählen. Und auch nicht in Grönland, so die dänische Version über das mutmaßliche Domizil des großen Geschenkebringers. Nein Santa Claus, die amerikanische Version des Mannes mit dem roten Mantel und dem weißen Rauschebart, muss irgendwo in Tennessee wohnen (oder zumindest eine Residenz haben), alles andere grenzte an Gaukelei. Denn wie sonst könnte er den Hotelgästen täglich zum Frühstück die Hand schütteln? Oder zur regelmäßigen Bespaßung auftauchen: „Wir haben unseren eigenen Santa“, bestätigt Jan Trentham, im Hotel für die Pressearbeit zuständig. „Zwei Mal in der Woche gibt er Konzerte, spielt Gitarre und singt dazu.“

Singen mit Santa: Der Mann mit Rauschebart greift routinemäßig zur Klampfe

Singen mit Santa: Der Mann mit Rauschebart greift routinemäßig zur Klampfe

Überhaupt ist Santa und alles, was er im Schlepptau hat, präsent in der Herberge mit ihren 145 Zimmern für rund 350 Gäste, um die sich neben dem Bärtigen auch noch eine 90-köpfige Crew kümmert. Allerorten auf allen Stockwerken wacht Santa, auch wenn es nur kleine oder menschengroße Figuren sind, deren Blicke einen selbst durch die schließende Aufzugstür verfolgen. Girlanden und Tannenkränze schmücken Decken und Wände, Gestecke die Badezimmer. Omnipräsent sind zu Kitsch erstarrte Rentiere, Schäfchen, heilige Könige. Die Presidential Suite für 399 Dollar die Nacht ist mit zwei eigenen Weihnachtsbäumen ausgestattet, die günstigeren Zimmer ab 79 Dollar immerhin mit reichlich Tannenzeug.

Es weihnachtet sehr

Es weihnachtet sehr

„Unser überragendes Designteam sorgt dafür, dass stets frische Dekoration alle Räume verziert“, sagt Mary, die in der Hotelverwaltung arbeitet. Und wem’s gefalle, klar, der könne die gleichen Kränze, Gestecke und Girlanden käuflich erwerben: „Gleich gegenüber auf der anderen Seite der Straße in unserem ‚Incredible Christmas Place’.“

In diesem unglaublichen Laden, so zu sagen dem Outlet für Besinnlichkeitsklimbim und anderem Kram, kann alles erstanden werden, was irgendwie nach Zimt, Glühwein und gebrannten Mandeln riecht: Zapfen, rote Socken, Lichterketten und Figuren von Sängern, Predigern, Jesusbabys, Kamelen, Schafen nebst Krippen. Und Weihnachtsbäume aus Kunststoff – auch in der Version „upside down“, mit der Spitze nach unten. Santa himself ist als Figur in allen Varianten, Posen und Größen zu haben: Er tanzt als Mr. Claus mit der ebenfalls rotummantelten Mrs. Claus, er gibt als „Santa Barbecuing“ mit Flip-Flops und Schürze den Grillmeister, fährt selbstredend Schlitten und kniet vor dem Jesuskinde. Was er im Hotel zum besten gibt, kann auf CDs erworben werden. „Hier finden Sie alles, um ihr Zuhause in ein Weihnachtwunderland zu verwandeln“, so ein Werbetext.

Santa ist Herr über leere Hotelgänge

Santa ist Herr über leere Hotelgänge

Seit 200 Jahren ist der Weihnachtsmann oder eben die US-Version Symbol des weihnachtlichen Schenkens. Und damit begann der Kommerz, der in Herberge und Shop eine Art Vollendung gefunden hat. Der Beginn der Kommerzialisierung des heiligen Nikolaus von Myra, auf dessen Legende auch Santa Claus historisch zurückverfolgt wird, begann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, schreibt der britische Journalist Jeremy Seal in seinem Buch „Nicholas: The Epic Journey from Saint to Santa Claus“, in dem er dem Phänomen Weihnachtsmann und der Erosion des Heiligen auf den Grund geht.

Weihnachtsland ist abgebrannt - Kritiker sprechen von Erosion des Heiligen und Sinnentleerung

Weihnachtsland ist abgebrannt – Kritiker sprechen von Erosion des Heiligen und Sinnentleerung

Zu der Zeit formierten sich Schlitten, Rentiere und Glocken um den Heiligen. „Man kann Verständnis dafür aufbringen, aber es ist eine Korrumpierung dessen, was eigentlich mit ihm verbunden war. Im Mittelalter war er ein reines Symbol der Barmherzigkeit. Heute ist er eine absonderliche Mischung aus dieser Barmherzigkeit und zügellosem Kommerz“, sagte Seal in einem Interview nach der Veröffentlichung seines Buches vor einigen Jahren. Adelheid Utters-Adam vom Erzbischöflichen Ordinariat München formuliert es so: Bei Santa Claus, dem Werbeträger der Coca-Cola-Industrie, gehe es schon lange nicht mehr um religiöse Inhalte. Ebenso klar ist ihre Meinung zum Hotelkonzept: „Wenn ich immer Weihnachten feiere, ist es völlig sinnentleert und ohne Bezug zu den wirklichen Hintergründen.“ Diese könnten im Alten Testament im Buch Kohelet 3, 1 – 8 nachgelesen werden: „Dort steht: Alles hat seine Stunde.“

Alles hat seine Stunde - auch das Glockenspiel

Alles hat seine Stunde – auch das Glockenspiel

Indes erklingt in der Hotellobby „We wish you a merry Christmas“, sommers wie winters. Was da klimpert und noch andere Weihnachtsweisen auf dem Kasten hat, ist „der größte Stolz“ des Hauses: das zweistimmige Glockenspiel. „14 Glocken und eine automatische Orgel läuten jede Stunde mit einem Weihnachtslied ein“, sagt Mary: „Das Glockenspiel begeistert Kinder jeden Alters!“

Im „Inn at Christmas Place“ ist Around-the-clock-Weihnachtsstimmung auch lukrativ. „Seit unserer Eröffnung im Juni 2007 läuft das Geschäft sehr gut“, meint PR-Frau Trentham und verortet den Erfolg emotional in der Erkenntnis: „Weihnachten ist Magie!“ und betriebswirtschaftlich in der „Belastbarkeit des Weihnachtsthemas“. Menschen, die die Besinnlichkeit liebten, hätten nichts dagegen, sich auch im Juni in Stimmung zu bringen.

Lebensgroß und leblos

Lebensgroß und leblos

 

Bis zum 23. Dezember sieht das Programm Gesang und die Verlesung von Psalmen im Akkord vor, während Santa zu Cornflakes und Pancakes weiter kräftig die Hände schüttelt. Aber dann ist erst einmal Schluss: „Wir haben kein Programm am Christmas Eve und Santa ist außer Haus, um all den lieben Mädchen und Jungs Geschenke zu bringen“, räumt Trentham ein und erklärt: „Wir wollen so vielen unserer Mitarbeitern wie möglich frei geben, damit sie zu Hause bei ihrem Familien sein können.“ Ab dem 26. ist dann wieder volles Lebkuchenhaus angesagt. Erst in Januar und Februar geht den Weihnachtshungrigen ein wenig die Luft aus. Trentham: „Das sind unsere schwächsten Monate.“ Will heißen: Ab März weihnachtet es dann schon wieder mehr.

Der Hotel-Santa reiht sich gern ein, wenn es um das Erinnerungsfoto geht

Der Hotel-Santa reiht sich gern ein, wenn es um das Erinnerungsfoto geht

Immer geöffnet hat übrigens auch das Weihnachtspostamt des Vier-Sterne-Inns. Seit der Hoteleröffnung haben tausende Kinder Santa ihre Briefe geschrieben und in den Kasten in der Lobby gesteckt. „Dear Santa,“, schreibt ein Mädchen, “es wird weihnachtlich, ich wünsche den armen und waisen Kindern eine Familie und ein tolles Weihnachten, und dass sie viel Spielzeug geschenkt bekommen. Merry Christmas Santa!“

Behälter für den Wunschzettel an die Anonymität

Behälter für den Wunschzettel an die Anonymität

Nur ein Wunsch dürfte fast nie in Erfüllung gehen – der nach Weißer Weihnacht. Auch wenn sich Betreiber-Familie Biggs für die Totalität der Besinnlichkeit ins Zeug legt, konnte sie bislang keinen Vertrag mit dem Wettergott aushandeln. Und so fällt der Schnee nur selten dort im Osten Tennessees. Und wenn, dann schmilzt er dahin, bevor er weiße Pracht genannt werden könnte.

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