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Ein altmodisches Vergnügen: In der Condor Comfort Class nach Whitehorse im Yukon

Außer mir nur Jäger und Fischer. So lautet meine spontane Diagnose, als ich mich am 1. September am Frankfurter Flughafen wiederfinde. Ich sitze in der Abflughalle und freue mich auf den Flug in der Condor Comfort Class nach Whitehorse im Yukon. „Right place, wrong guy“, sollte ein Freund über Instagram später kommentieren. Aber das ist eine andere Geschichte.

In der Condor Comfort Class nach Whitehorse01

Bald nehme ich auf Sitz 3K meinen Platz ein. Ich fliege zum ersten Mal in der Condor Comfort Class. Ein besonderes Erlebnis für mich, der ich als Student bei der Lufthansa-Tochter Sky Chefs Flugzeuge beladen habe. Auch die 767 der Condor, die damals in Köln ein Drehkreuz für Langstrecken unterhalten hat.

In der Condor Comfort Class nach Whitehorse02

Ich freue mich wie bolle auf zwölf Tage Kanada. Auch weil ich nach einem entbehrungsreichen Sommer gerade die letzten Korrekturen für meinen Reiseführer über meine Heimatstadt Köln abgegeben habe. Der Platz am Fenster ist umso schöner, weil der Sitz neben mir leer bleibt.

In der Condor Comfort Class nach Whitehorse03

Kleine Aufmerksamkeiten für den Reisebedarf

Müde lasse ich mich in meinen Sitz fallen. Das heißt: Erst räume ich Kissen und Decken auf Seite. Und ich werfe einen Blick in die Tasche mit „Amenities“, kleine Aufmerksamkeiten für den gehobenen Reisebedarf. Ich finde Schlafmaske, Ohrstöpsel und ein zweites Paar Socken. Alles, was ich für die Eventualität eines ausgedehnten Nickerchens benötige.

In der Condor Comfort Class nach Whitehorse06

Noch während wir auf dem Rollfeld stehen, erhalte ich ein Glas Prosecco. Mit einigem Erstaunen vernehme ich die Durchsage aus dem Cockpit, dass unsere Flugzeit nur wenig mehr als neun Stunden betragen wird. Wir verwenden eine extreme Nordroute, daher ist die Distanz nach Yukon nicht viel weiter als nach Toronto.

In der Condor Comfort Class nach Whitehorse12

Zum ersten Mal seit Wochen habe ich Zeit, mich in Premium-Medien zu vertiefen. Ein Monitor mit Unterhaltungsprogramm ist in der Rückseite meines Vordersitzes ohnehin nicht eingebaut. Das war in den frühen 90ern noch nicht gebräuchlich. Und seitdem hat die Condor turbulente Zeiten hinter sich: Die Airline hat ihre Muttergesellschaft Lufthansa verlassen, wurde vom britischen Reisekonzern Thomas Cook gekauft, dann wurden die Flugzeuge mit dem neuen Schriftzug umlackiert, nur um sie kurz darauf wieder mit dem arrivierten Logo zu versehen. Never change a winning team, so die Moral von der Geschichte.

In der Condor Comfort Class nach Whitehorse08

Für Investitionen in neue Jets ist da offenbar nicht allzu viel Kapital übrig gewesen. Immerhin können sich die Gäste der Comfort Class zum Zeitvertreib ein iPad ausleihen. Doch ich verzichte: Nichts macht beim Fliegen mehr Spaß, als lesen oder den Blick schweifen zu lassen. Einmal in der Luft, nehmen wir Kurs auf die norwegische Westküste. Schon nach wenigen Minuten bemerke ich, dass ich zum ersten Mal seit ganz langer Zeit wieder Spaß am Fliegen habe. Es ist ein bisschen so, wie Don Draper und seine Kollegen in der Serie „Mad Men“ unterwegs sind. Oder wie Walter Faber, der in Max Frischs Roman „Homo Faber“ die Atlantikquerung in der Super Constellation erleben durfte. Passend dazu sind die Speisekarten in Retro-Optik gehalten.

In der Condor Comfort Class nach Whitehorse05

Auch die Crew scheint sich des Vergnügens bewusst, denn sie bietet den Passagieren ein Upgrade ein. Für 700 Euro. Eine Menge Geld – aber deutlich weniger, als die meisten anderen Flüge in der Business Class kosten. Der Umzug in die Premium Economy, die vor allem durch mehr Beinfreiheit und ein besserer Catering auffällt, kostet 150 Euro.   

In der Condor Comfort Class nach Whitehorse09

Inzwischen haben wir Norwegen erreicht. Die Sicht ist so klar, dass ich einzelne Schiffe erkennen kann. Sind es die Hurtigruten? Bald wird das Essen serviert. Marinierter Lachs, Pastetchen, gegrillte Zucchini. Dazu Weine gehobenen Niveaus. Doch ich bin in einer Champagner-Laune, von der ich mir sicher bin, dass so schnell versiegen dürfte.

In der Condor Comfort Class nach Whitehorse10

Unter mir liegt Dawson City

Mit Blick auf das ewige Eis und der beruhigenden Gewissheit, dass kein Mensch jemals diese Weiten wird besiedeln können, höre ich in Dauerschleife das neue Album von Benjamin Biolay. Ich lese mich ein in das, was ich in den kommenden Tagen sehe werde: Whitehorse, das sachliche Oberzentrum der Provinz, wo 34 000 Menschen leben. Rund drei Viertel aller Einwohner. Dann Dawson City, die Goldgräberstadt. Und schließlich den Kluane National Park, wo sich mit dem Mount Logan der höchste Berg Kanadas befindet.

In der Condor Comfort Class nach Whitehorse11

Es wird eine weitere Mahlzeit serviert. Und schneller als mir lieb ist, fliegen wir gen Süden. Über unberührtes Land, das von enormen Wasserläufen durchsetzt ist. Irgendwo da unter muss auch der mythenumrankte Yukon River sein. Beim Landeanflug denke ich: Es ist ein altmodisches Vergnügen, in der Condor Comfort Class nach Yukon zu fliegen.

Informationen:

Condor fliegt von Juni bis September einmal wöchentlich nonstop von Frankfurt nach Whitehorse – bei Bedarf mit Flug- oder Bahnanschluss. Es ist der einzige internationale Flug, der den Airport erreicht. Die Preise variieren: Wer früh bucht, kann den Hin- und Rückflug in der Comfort Class ab etwa 2400 Euro bekommen. In der Economy Class kostet die Reise etwa 800 Euro.

Ralf Johnen, Januar 2014. Der Autor war auf Einladung des kanadischen Tourismusbüros CTC in Yukon. Die Condor hat das Upgrade ermöglicht.

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