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Genug von ARD und ZDF? Zwei Methoden, WM-Spiele auf ausländischen Fernsehsendern zu sehen

WM-Spiele auf ausländischen Fernsehsendern

Ihr seid im Ausland unterwegs, wollt aber die Spiele der deutschen Nationalmannschaft bei ARD oder ZDF sehen? Oder ihr seid daheim, habt aber generell eine Abneigung gegen die Fußballübertragungen von ARD und ZDF? Vielleicht, weil dort als Experten ausschließlich ehemalige Bayern-Spieler wie Oliver Kahn und Mehmet Scholl zu sehen sind? Möglicherweise habt ihr auch genug von den Stammtischplattitüden eines Steffen Simon. Von wegen: „Die Iraner, das sind Südländer, da ist nicht alles perfekt organisiert.“

Nun, da gibt es Alternativen. Die eine Methode, WM-Spiele auf ausländischen Fernsehsendern zu sehen, ist mit einem ziemlichen Aufwand verbunden: Die Sender aller europäischer Nationen übertragen die WM via Satellit. Frei empfangbar aber sind nur die wenigsten, zum Beispiel die Kanäle der BBC. Aufgrund der (in diesem Falle billigeren) internationalen Fernsehrechte müssen fast alle anderen Sender ihr Signal verschlüsselt übertragen – und Smartcards erhalten nur Einwohner mit einem festen Wohnsitz im jeweiligen Land. So bleibt nur der Umweg über Freunde oder Familie.

Die Erfüllung des WM-Glücks aber ist auch mit einfacheren Mitteln zu bewerkstelligen. So wird das Signal von BBC oder Nederland 1, 2 und 3 mittlerweile auch über das Internet gestreamt. Doch auch das ist kein Grund zu voreiliger Freude. Natürlich gilt die Rechtebeschränkung auch im Netz: Wer die ausländischen Sender mit einer deutschen IP-Adresse aufruft, wird mit einem entsprechenden Hinweis abgekanzelt.

Daten jedoch, die einmal online sind, können bekanntlich mit allerlei Kunstgriffen sichtbar gemacht werden. Das gilt auch für die Verfolgung der WM-Spiele auf ausländischen Fernsehsendern. Im diesem Falle funktioniert das über sogenannte VPN-Netzwerke. Diese leiten die abgerufenen Daten über ein System um, das mit eigenen Servern in zahlreichen Ländern vertreten ist. Durch das Vortäuschen der Anwesenheit im Land des Rechteinhabers erhalten die User vom Sender die ersehnte Freigabe – und die Spiele können im Original geschaut werden.

Das freilich funktioniert in beide Richtungen. Wer zum Beispiel gerade in der Karibik oder im Yukon verweilt, kann auf diese Weise die Deutschlandspiele mit Originalkommentar sehen. Und wer die Begegnungen von Oranje, England oder auf Sporza in Belgien mit jeweiligem Landeskolorit verfolgen möchte, kann dies auch aus Köln oder Berlin. Rechtlich mag dies einer Grauzone zuzuordnen sein. Technisch möglich aber die Umgehung der Ländersperre.

Das VPN-Netzwerk Overplay mit Sitz in Florida macht zurzeit ganz offensiv Werbung mit diesem WM-Service. Die Nutzung des Dienstes kostet zwischen 5 und 10 US-Dollar pro Monat. Ich habe von Leuten gehört, die sowohl mit den Zahlungsmodalitäten via Pay Pal als auch mit der Technik nur gute Erfahrungen gemacht haben.

Eine Tücke allerdings besitzt diese Art, ausländisches Fernsehen in einem anderen Land zu schauen: Weil die Daten per Streaming länger bis ins Wohnzimmer benötigen, als via Satellit oder übers Kabel, ist es unweigerlich so, dass die Leute auf den Straßen oder in den Nachbarhäusern schon jubeln, ehe im Internet der Konter begonnen oder der Freistoß ausgeführt wurde. Daher lautet mein Tipp in dicht besiedelten Gefilden: Rollläden runter und Schallschutzisolierung – notfalls auch in Form eines Kopfhörers – aktivieren. Spiel und passender Kommentar sind es bestimmt wert.

Ralf Johnen, 17. Juni 2014. Der Autor ist Blogger, Journalist, Buchautor – und Oranje-Fan.

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