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Hallo Denali, bye bye Mount McKinley

Selten zeigt er sich so unverhüllt: "The big one"

Selten zeigt er sich so unverhüllt: „The big one“

Sean nennt ihn aus dem Cockpit nur „the big rock“. Das geht in Ordnung. Piloten-Coolness halt. Niemandem in Alaska aber wäre es in den Sinn gekommen, den höchsten Berg des Kontinents mit jenem Namen anzureden, den wir in der Schule gelernt haben: Mount McKinley.

Rust never sleeps, textete der gute Neil Young. Seltsam wird diese Assoziation, sobald es um Flugzeuge geht...

Rust never sleeps, textete der gute Neil Young. Seltsam wird diese Assoziation, sobald es um Flugzeuge geht…

Stattdessen spricht zwischen Juneau und den Aleuten jeder nur vom „Denali“. Denali National Park, Denali Tours, Denali Beer und so weiter.

...oder erinnert sich niemand an den Namen des "Kreml-Fliegers"? Anyway: So sieht es im Flieger aus

…oder erinnert sich niemand mehr an den Namen des „Kreml-Fliegers“? Anyway: So sieht es im Flieger aus

Als ich Alaska im Juni 2015 besuche, brauche ich eine Weile, um das mit dem Berg auf die Kette zu bekommen. So gesehen war es höchste Zeit für eine verbale Akklimatisierung. Doch diese ließ noch auf sich warten, bis Präsident Barack Obama Ende August mit seiner Air Force One in Anchorage gelandet ist.

Headset und Sonnenbrille: Check. Der Autor ist gerüstet

Headset und Sonnenbrille: Check. Der Autor ist gerüstet

Sein Programm: Präsenz zeigen zum Ende seiner zweiten Amtszeit und den Republikanern demonstrieren, dass sie Recht haben mit ihrer Unterstellung, er wolle den ganzen Staat zum Nationalpark erklären und damit die Ölindustrie ausbremsen und letztlich auch brandstoffsüchtigen Volk schaden. Was kümmert es die Rednecks aus dem Mittleren Westen schon, dass die Ökosysteme einzigartig sind?

Anchorage rühmt sich, den größten Wasserflugzeugflughafen der Welt zu besitzen

Anchorage rühmt sich, den größten Wasserflugzeugflughafen der Welt zu besitzen

Wie Ernst ihm das Anliegen ist, Alaska zu schützen, verdeutlicht Obama mit Hilfe eines Selfie-Sticks: Er lichtet sich selbst vor einem Schild mit der Aufschrift 1967 ab. Bis hierhin reichte damals der Exit Glacier. Weit im Hintergrund sieht der Betrachter, wo das Eis heute in Geröll übergeht. Und so weiter.

Der Versuch, mit Milchfarmen Autarkie zu erreichen, ist trotz aufwändiger Anlagen gescheitert

Der Versuch, mit Milchfarmen Autarkie zu erreichen, ist trotz aufwändiger Anlagen gescheitert

So lange die Flüsse schiffbar sind, gibt es auch außerhalb von Anchorage Spuren der Zivilisation

So lange die Flüsse schiffbar sind, gibt es auch außerhalb von Anchorage Spuren der Zivilisation

In einer guerillamäßigen Nacht- und Nebelaktion hat Obama außerdem dem höchsten Berg des Kontinents seinen ursprünglichen Namen wiedergegeben: Hello Denali, bye bye Mount McKinley.

Als sich die Passagiere an den Anblick der Landschaft gewöhnt haben, geben die Wolken den Blick auf den Star des Tages frei

Die Passagiere gewöhnen sich an den Anblick der Landschaft. Dann geben die Wolken den Blick auf den Star des Tages frei

Pilot Sean fliegt eine bestimmte Route, um möglichst nahe an den Gipfel heranzukommen

Pilot Sean fliegt eine bestimmte Route, um möglichst nahe an den Gipfel heranzukommen

In Alaska wurde dies weithin begrüßt. In Ohio hingegen gab es wütende Proteste, denn der Namensgeber war ihr ureigener Präsident William McKinley, der 1901 in Buffalo erschossen wurde. McKinley allerdings war Zeit seines Lebens kein einziges Mal in Alaska.

Die Route führt uns immer näher an die Felsen subalterner Bergspitzen heran

Die Route führt uns immer näher an die Felsen subalterner Bergspitzen heran

Manchmal so nah, dass es angesichts gehöriger Windböen unheimlich wird

Manchmal so nah, dass es angesichts gehöriger Windböen unheimlich wird

In den Atlanten der Zukunft wird der Berg nun unter jenem Namen stehen, den ihm die heimischen Athabasca-Indianer einst verliehen haben. Wörtlich übersetzt übrigens heißt Denali „der Große“. So wie Kapitän Sean ihn auch nennt.

Weite Schneefelder führen hinaus zum 6168 Meter hohen Gipfel des Denali

Weite Schneefelder führen hinaus zum 6168 Meter hohen Gipfel des Denali

Das wissen auch die Bergsteiger, die sich hier ihr letztes Basecamp eingerichtet haben

Das wissen auch die Bergsteiger, die sich hier ihr letztes Basecamp eingerichtet haben

Im Geänsemarsch geht es Richtung Gipfel - die Besteigung gilt als relativ einfach

Im Geänsemarsch geht es Richtung Gipfel des Denali – die Besteigung gilt als relativ einfach

Ein Rundflug über Nordamerikas höchsten Berg

Unabhängig von diesen ganzen Scharmützeln gehört ein Rundflug über den Denali zu den abgefahrensten Erlebnissen, die man auf diesem Planeten buchen kann.

Dieser Eindruck aber kann täuschen - man beachte die Schneeverwehungen in Gipfelnähe

Dieser Eindruck aber kann täuschen – man beachte die Schneeverwehungen in Gipfelnähe

Unsere Tour beginnt am Anleger von Rust’s Flying Service, der sich am weltweit größten Flughafen für Wasserflugzeuge in Anchorage befindet. Mehr als 1000 von den Fluggeräten sind hier stationiert, ihnen stehen zwei Start- und Landebahnen zur Verfügung.

Westlich von Denali und North Peak bahnen sich Gletscher ihren Weg ins Tal

Westlich von Denali und North Peak bahnen sich Gletscher ihren Weg ins Tal

Es geht zu wie in einem Taubenschlag: Wer auf den Aleuten wohnt oder an einem See im Inland, hat schließlich keine andere Möglichkeit an einer avancierten Form des Soziallebens teilzunehmen.

...als wären sie von Menschenhand angelegt

…als wären sie von Menschenhand angelegt

Die Tour dauert ungefähr drei Stunden – und trotz des geschmeidigen Wetters an diesem Tag sind Turbulenzen jederzeit möglich: Zu drastisch sind die Unterschiede des Mikroklimas auf dem nur 160 Kilometer langen Weg von der Küste zum 6168 Meter hohen Denali.

Das geschmolzene Gletscherwasser bricht sich im Sonnenlicht

Das geschmolzene Gletscherwasser bricht sich im Sonnenlicht

"The confluence of two glaciers", sagt Pilot Sean. Das klingt gut...

„The confluence of two glaciers“, sagt Pilot Sean. Das klingt gut…

.doch Präsident Obama macht nicht umsonst auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam

.doch Präsident Obama macht nicht umsonst auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam

Bei genauerem Hinsehen ist dieser schon jetzt so weit fortgeschritten, dass die Gletscher mancherorts abgetaut sind

Bei genauerem Hinsehen ist dieser schon jetzt so weit fortgeschritten, dass die Gletscher mancherorts abgetaut sind

So beeindruckend die nordische Berglandschaft mit dem gigantischen Massiv, den Schneefeldern und den Gletschern auch sein mag – das Highlight des Rundflugs ist der Zwischenstopp: Nachdem wir 100 Minuten ordentlich durchgeschüttelt wurden, wir den Gipfel gesehen haben und sogar die Bergsteiger, die ihn erklimmen wollen (der Denali gilt als vergleichsweise einfacher Gipfel), nach diesen 100 Minuten also sind wir dankbar, als Sean zum Landeanflug auf dem Chelatna Lake ansetzt.

Höhere Temperaturen begünstigen den Baumwuchs

Höhere Temperaturen begünstigen den Baumwuchs

Eine spiegelglatte Wasseroberfläche, absolute Stille und ein Panorama wie aus dem Gemälde eines amerikanischen Landschaftsmalers, auf dessen Namen ich grad nicht komme. Dazu am Ufer eine Handvoll Hütten. Und das in einer mobilfunkfreien Zone – so könnte ein Ort aussehen, an dem mir gerne mal zwei Wochen am Stück langweilig sein darf. Allenfalls unterbrochen durch die Bücher von Michel Houellebecq und Dave Eggers.

Die Zwischenlandung auf dem Chelatna Lake wird zum absoluten Highlight des Trips

Die Zwischenlandung auf dem Chelatna Lake wird zum absoluten Highlight des Trips

Unberührte Einsamkeit bei 19 Grad - hier will ich bleiben

Unberührte Einsamkeit bei 19 Grad – hier will ich bleiben

Eine Dreiviertelstunde verweilen wir an diesem Ort, den all jene meiden sollten, die ohnehin unter gelegentlichen Aussteigerphantasien leiden. Als es danach wieder „boarding completed“ heißt, fliegt uns Sean zurück nach Anchorage – nicht ohne ein paar Pirouetten über Vierbeinern zu drehen, bei denen es sich angeblich um Elche handelt.

Die Verhandlungen des Autors mit Pilot Bob laufen

Die Verhandlungen des Autors mit Pilot Bob laufen

Letztlich aber hilft auch die Blockade des Propellers nicht

Letztlich aber hilft auch die Blockade des Propellers nicht

Wir verlassen den vielleicht schönsten Ort, an dem ich je war

Wir verlassen den vielleicht schönsten Ort, an dem ich je war

Wechseln ein letztes Mal die Perspektive

Wechseln ein letztes Mal die Perspektive

Sagen "bye bye, Sugar Mountain"

Sagen „bye bye, Sugar Mountain“

Und machen uns auf den Weg zurück in die Zivilisation

Und machen uns auf den Weg zurück in die Zivilisation

Der Flug definiert zugleich, was Anchorage und Alaska eigentlich ausmacht: Mit ihren 300 000 Einwohnern und ihrer enormen flächenmäßigen Ausdehnung scheint die Stadt auf den ersten Blick wie jede andere amerikanische zu sein. Ein kurzer Flug mit dem Wasserflugzeug aber bringt die Bewohner in nichts anderes als Wildnis – dorthin, wo niemand anders ist. Egal, in welche Richtung man fliegt.

Sean meint noch einen Elch zu entdecken

Sean meint noch einen Elch zu entdecken

Doch auch die Zoom-Funktion gibt keinen endgültigen Aufschluss

Doch auch die Zoom-Funktion gibt keinen endgültigen Aufschluss (mir scheint es eher ein PFERD zu sein)

Über Gletscherflüsse (trüb) und Bergflüsse (klar) nehmen wir Kurs auf Anchorage

Über Gletscherflüsse (trüb) und Bergflüsse (klar) nehmen wir Kurs auf Anchorage

Wo wir um eine unvergessliche Erfahrung reicher arrivieren

Wo wir um eine unvergessliche Erfahrung reicher arrivieren

Text und Bilder: Ralf Johnen, September 2015.

Die Reise wurde von Visit Anchorage organisiert und finanziert. Der Flug zum Denali war einer der Programmpunkte.

Informationen:

Der Flug mit Rust’s Flying Service zum Denali („Denali in a day“) kostet 425 US-Dollar plus 3% Service Charge. Die Flüge in einem Achtsitzer werden nur bei gutem Wetter durchgeführt. Jeder Passagier hat einen Fensterplatz. Der Ort des Zwischenstopps ist ebenfalls wetterabhängig.

Meine Meinung: Der Preis von 440 $ ist – vor allem beim aktuellen Dollarkurs – recht happig, doch der Gegenwert ist erheblich: Der Flug rund um den Denali ist unvergesslich.

Weitere Alaska-Geschichten: 26 Gletscher und eine Otterplage: Auf Mini-Kreuzfahrt

 

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