La Reunion

Stille Tage in erstarrter Lava – Vulkanexpedition auf La Reunion

Ich habe schon vergessen, was Sylvette mir die ganze Zeit von Tiefseefischen erzählt hat, als wir die Route National 3 verlassen. Mittlerweile nämlich befinden uns auf einer serpentinenreichen Straße, die zu einem Berg hinaufführt, den sie hier auf La Reunion einfach nur Le Volcano nennen.

Ein paar Radfahrer frönen der Selbstkasteiung, am Samstagmorgen von der Küste aus die gut 2000 Meter hohe Passstraße zu überqueren. Es ist frisch. Zwischen den Akazien am Wegesrand stehen Kühe – Teil des neuzeitlichen Selbstversorgerprogramms der Insel, das die Importmengen von Milchpulver erheblich reduziert hat. Wir blicken auf den Piton de Neiges, den mit 3070 Metern höchsten Berg der kleinen Südseeinsel.

Die Bildersprache auf den Schildern lässt keine Zweifel, dass wir uns dem Krater nähern. Dann ändert sich auch die Umgebung abrupt: Almwiesen weichen einer Mondlandschaft. Doch als wir uns den letzten Metern der befahrbaren Straße nähern, zieht plötzlich Nebel auf.

Die Kollegen verspüren wenig Lust, sich bei diesen widrigen Umständen zu bewegen. Doch Peter kommt aus einer Alpenrepublik und ist wenig beeindruckt. Ich schließe mich ihm an.

Gemeinsam schälen wir uns einen glitschigen Weg hinunter. Wir wissen nicht wirklich, wie weit und wohin wir gehen müssen.

Aber es ist uns auch relativ egal. Uns wurde ein bemerkenswertes Naturerlebnis in Aussicht gestellt. Und wir sind entschlossen, uns dieses nicht entgehen zu lassen. Wer weiß schon, ob wir jemals wieder Gelegenheit dazu haben werden.

Nach rund einer halben Stunde haben wir das tiefer gelegene Plateau erreicht. Weiße Markierungen säumen das karge Gestein.

Ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass ich die knorrigen Bonsai-Büsche, die hier gedeihen, nicht beneide. Dann klart es von einer Minute auf die andere wieder auf. Wir wurden auf einen anderen Planeten gebeamt.

Etwas verunsichert erkunden wir die Umgebung, wagen uns zu einem der vielen Krater hinauf. Es entstehen Bilder für die Ewigkeit. Peter sagt: Wenn La Renuion der Arsch der Welt ist, dann ist das hier das Arschloch. Und er meint das durchaus zärtlich.

Rund eine Stunde stehen wir leicht paralysiert in der Landschaft herum. Fehlt nur ein Gipfelbier. Dann klingelt das Mobiltelfon, das auch in dieser Mondlandschaft nicht den Dienst versagt. Die Kollegen wollen ja nicht drängen, aber es wäre ganz OK, wenn wir langsam wiederkämen. Schließlich wollen wir noch ein wenig über den schmalen Grat wandern, von dem aus die Einheimischen den Vulkan im Falle von Aktivität gerne beobachten.

Während des Anstiegs werfen wir immer wieder ungläubige Blicke zurück auf den Krater, den wir umrundet haben. Er ist nur winzig im Vergleich zum dahinterliegenden Hauptkrater.

Oben denken wir uns: Wow. Allein diese kleine Exkursion ist den Weg bis ans andere Ende der Welt wert.

Auch ich, der ich gegenüber Superlativen skeptisch bin, werde diesen Tag wohl nicht wieder vergessen.

Mehr über La Reunion finden Sie hier.

Die Reise wurde vom Fremdenverkehrsamt der Insel La Reunion unterstützt.

2 Kommentare

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