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Men in black – Kneipentour mit Limousine

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Es ist Abendbrotzeit. Mein Hausnachbar Daniel sitzt auf dem Balkon und wartet am gedeckten Tisch auf seine Frau. Er lässt den Blick über die Straße schweifen. Eine Limousine fährt vor. Schwarz, hochglänzend.

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Der Fahrer steigt aus. Zündet sich eine Zigarette an, dann noch eine. Er lässt den Arm noch vorn schnellen, der Blick auf die Uhr. Daniel fragt sich: „Wer steigt denn da jetzt ein?“ Ein Chauffeur im Anzug mit Luxuskarosse – das ist doch eher ungewöhnlich in der Gegend.

Einige Minuten später sieht Daniel mich auf die Straße eilen. Ich habe es gerade noch geschafft, zu duschen und ein Sakko überzustreifen. Auf meinem Kopf sitzt eine Mütze, Haare fönen ging nicht mehr.

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Ein kurzer Händedruck mit Detlef Hartmann, der mir die Fondtür öffnet. So heißt mein Chauffeur, das weiß ich seit der SMS, die mich vor ein paar Minuten erreicht hat: „Your chauffeur Detlef Hartmann has arrived.“

Der Mann am Lenkrad ist gesprächig. Ich sitze rechts hinten, von der Welt durch getönte Scheiben abgeschottet. Hartmanns Blick nach draußen ist besser: „Vorn am Platz bin ich zur Schule gegangen, ich kenne alle Ecken, wo man ungestört knutschen konnte, hier Hausnummer sechs, da im Hauseingang stand eine Bank.“

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Ich setze an, eine erste Instruktion zu geben, da erreicht mich eine weitere SMS, diesmal von Daniel: „Derbe Mitfahrgelenheit! J.“ Ich verorte mich. In der Mittelarmlehne stehen in Halterungen Wasser und Limonade bereit. Die Sitze aus Leder, elektrisch verstellbar. Und: kein Taxameter. Wir fahren zum Festpreis.

Dass wir fahren, bekommt man in der nur zehn Tage alten S-Klasse, die allerdings schon 7000 Straßenkilometer hinter sich hat, kaum mit. Der Sechszylinderdiesel ist unerhört unhörbar.

Posen im Fond: Blacklane-Geschäftsführer Jens Wohltorf und Frank Steuer

Posen im Fond: Blacklane-Geschäftsführer Jens Wohltorf und Frank Steuer

Wir halten an. Detlef steigt aus und nimmt Bodo in Empfang, der kurz darauf neben mir sitzt und während der Weiterfahrt erst einmal alle Knöpfe ausprobiert, die erreichbar sind. Die Jalousie an der Heckscheibe surrt, eine Abdeckung gibt den Blick in den Himmel frei. Fenster gleiten auf und ab.

Für heute gibt es einen Plan. Ich habe mir ein Motto ausgedacht: Drive&drink. Klingt bekloppt, verspricht aber Spaß. Ich nenne Detlef die Adresse: „Vagabund Brauerei, Antwerpenerstr. 3, 13353 Berlin“. Wedding. Saftige 14 Kilometer von unserem Neuköllner Zuhause entfernt, über die Stadtautobahn sogar 24. Aber genauso prekär.

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Mit leicht genervtem Unterton hält Herr Hartmann Konversation mit dem Navigationssystem. Die Engelsgeduld, mit der die synthetische Stimme höflich, aber mehrfach nachfragt, um welches Ziel es sich handele, bringt unseren Chauffeur fast aus der Ruhe. Aber nur fast.

Auf dem Weg stelle ich ein paar Fragen. Die wichtigste: „Wie wird es das Taxigewerbe treffen?“ Wie also werden Menschen wie Detlef Hartmann den Männern und Frauen am Steuer der elfenbeinfarbenen Mietdroschken das Wasser abgraben? Proteste gegen die neuen Chauffeur-Apps, über die auch unsere Fahrt arrangiert ist, gab es bereits.

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„Das Taxigewerbe wird danieder gehen. Die Taxen werden älter, kleiner, die Fahrer dümmer.“ Und die neuen Fahrdienste aus dem Internet wie Blacklane oder Uber verzeichnen hohe Zuwachsraten bei den Neuregistrierungen, weltweit. Dass die Entwicklung derzeit so schnell verlaufe, irritiere ihn, auf der anderen Seite habe die angestammte Branche irgendwie selbst schuld. Verkrustste Strukturen, kaum Service. „Da wurde nur noch gelogen und betrogen.“ Zum Beispiel sei das Zurückdrehen von Tachometern an der Tagesordnung, um einen Anteil der Fahrten schwarz zu machen.

Hartmanns Urteil klingt hart, aber er hat einen gewissen Einblick ins Geschäfts. Erst drei Monate zuvor wechselte er die Fronten. 13 Jahre fuhr er Taxi, jetzt hat er die speckige Jeans und die Zeitung auf dem Armaturenbrett gegen Zwirn und Luxusschlitten getauscht. Detlef blickt suchend nach rechts. Antwerpenerstr. 3 ist erreicht, unser Gespräch bricht notgedrungen ab.

Die Vagabund-Brauerei entpuppt sich vordergründig als Kneipe, irgendwo in den Hinterzimmern stehen die Braukessel. Drei US-Amerikaner haben den Laden aufgemacht und per Crowdfunding das Startkapital zusammengekratzt.

Die Tafel hinter dem Tresen zeigt das heutige Bierangebot. Bodo nimmt ein Hoppy Weizenbock, ich ein Tripel IPA², ein starkes Craft-Beer, fruchtige Note. Eine große Leinwand zeigt das Spiel Platz drei der Fußball-WM, und Brasilien kriegt schon wieder eine Klatsche. Wir aber müssen weiter, denn vier Stunden, die wir bei Blacklane als Stundenkontingent gebucht haben, sind schnell vorüber.

Etwas verklärt: Eine klassische Chauffeurs-Szene wie sie sich MyDriver vorstellt

Etwas verklärt: Eine klassische Chauffeurs-Szene wie sie sich MyDriver vorstellt

Ich rufe Herrn Hartmann an, und eine Minute später rollt aus dem Dunkel der Straße die S-Klasse wieder heran. Etwas peinlich berührt spüren wir die Blicke der Kneipengästen vor der Tür und stehlen uns ins Innere. Zurück im Kokon. Ich nestele an meinem Handy rum, um ein paar Notizen zu machen, da liest mir unser Chauffeur einen Wunsch von den Lippen ab.

„Wenn Sie mögen, können Sie Ihre Musik hören.“ Er schaltet die Bluetooth-Verbindung ein. Die S-Klasse und ich sind connected, Darkside bringt die Burmester-Membrane in Wallung. Eine weitere SMS kommt rein, diesmal von meiner Freundin Danny: Ich soll für einen Krautsalat frischen Koriander mitbringen, nur falls dazu die Chance besteht. Es ist viertel vor zehn.

Ich bin etwas ratlos, als wir nach wenigen Minuten beim Offside, einer Berliner Whiskey-Institution mit rustikal-gedrechseltem Ambiente, vorfahren, und artikuliere meinen Auftrag zum Midnight-Shopping. „Da hatten wir schon ganz anderen Sachen“, umgarnt mich Herr Hartmann. „Während Sie den Whiskey genießen, schaue ich mich mal um.“

Wir werfen einen Blick in die Whiskey-Karte, die ein gewisses Fachwissen voraussetzt, aktuell rund 720 Sorten hat der Pub im Sortiment. Ich entscheide mich für einen Grain-Whiskey der Brennerei Cameronbridge. Weil 2 cl acht Euro kosten. Bodo, kein ausgewiesener Whiskey-Freund, nimmt das günstigere Wochenangebot.

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„Mit dem Koriander hat es leider nicht geklappt, ich habe nur getrockneten gefunden, den habe ich liegen lassen“, sagt unser Chauffeur als wir unsere Fahrt Richtung Burgeramt in Friedrichshain fortsetzen. Diesmal haben wir wieder eine etwas längere Etappe vor uns, Herr Hartmann kann erneut ausholen.

Klar, er kennt die Konkurrenten von Blacklane Limousines. Auch das US-Start-up Uber, dessen Potenzial Google und Goldman Sachs gleichermaßen erkannt haben und eingestiegen sind, versteht sich lediglich als eine Buchungsplattform und betreibt keine eigene Fahrzeugflotte. Wer mitfahren will, bucht per Website oder Smartphone-App ein Auto mit Fahrer, mit dem Unterschied, dass Uber auch Privatfahrer mit Privatwagen vermittelt, was dem Unternehmen bereits divers Verbote wegen Verstoßes gegen das Personenbeförderungsgesetz eingebracht hat.

MyDriver, eine Sixt-Tochter, vermittelt ebenfalls Limousinen, baut derzeit aber einen eigenen Fuhrpark auf. Hartmann fährt für alle drei, denn sein Chef vom Limousinen-Service Beck kooperiert mit allen.

„Die Limousinen werden dem Taxigewerbe den Schaum abschöpfen“, meint Hartmann als wir durchs nächtliche Berlin zischen. „Viele Geschäftsleute sind bereit, etwas mehr Geld auszugeben, die sind alle begeistert.“ Und bereit, etwas mehr zu zahlen.

Dafür sitzen sie dann in einer Limousine wie wir jetzt. Und nicht auf den Kunstledersitzen eines Zafira oder einer abgenudelten E-Klasse. Es können aber auch kleinere Autos bis hinunter zum Zweisitzer Smart gebucht werden. „Limousinen- und Chauffeurfahrten werden für alle Gesellschaftsgruppen verfügbar“, ist unser Mann am Steuer überzeugt.

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Auch einen Verfall der Moral macht Hartmann bei seinen Ex-Kollegen aus. Er zeigt durch die Scheibe nach vorn auf die Straße vor uns, wo sich zwei Taxen ein Rennen leisten, eines ist besetzt, beim anderen leuchtet das Bereitschaftsschild auf dem Dach. „Wenn die Fackel an ist, überholt man nicht“, mosert der Chauffeur. Sich bei der Kundschaft vorzudrängeln gehöre sich nicht.

Als Blacklane-Chauffeur hat er dieses Problem nicht mehr, denn das Heranwinken der Limousinen ist laut Personenbeförderungsgesetz nicht erlaubt. Die Aufträge müssen zentral eingehen. Bei den Fahrern ploppen sie in einer speziellen Chauffeur-App auf.

In der Krossener Straße 21-22 warten auf Bodo und mich Chilli-Cheese-Burger der Extraklasse, die Schärfe ist mutig interpretiert. Zum Glück haben wir ein Getränk zur Hand, das man für sich allein wohl ebenso eingeschränkt nur genießen könnte, so herb ist es: das Schabrackentapir der Berliner Bierfabrik mit einem Tapir auf dem Etikett.

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Doch zusammen ergänzen sich feste Nahrung und Getränk zu einem starken Team: „So ein Burger braucht so ein Bier“, sagt Bodo. Die Limousine wartet diesmal mit eingeschaltetem Tagfahrlicht-Kranz in zweiter Reihe. Wir sind schon wieder auf dem Sprung.

Auf dem Weg zu unserer letzten Drive&Drink-Station bemühe ich noch mal die Bluetooth-Connectivity. Auf auf dem Display in der Mittelkonsole glimmen die Namen der letzten Fahrgäste auf, „iPhone von Marc“ zum Beispiel: „Mann, der hatte gute Musik“, sagt Detlef. Der Zufallsmodus bringt uns „Kill for Love“ der Chromatics. Als der Song in Fahrt ist, geht Hartmann mit. Sehr lustig sieht das aus, wie sich sein grauer Schopf wie auf einer Schiene nach vorn und wieder nach hinter schiebt.

Wir biegen in die Manteuffelstraße in Kreuzberg an. Hartmann stoppt vor der Nummer 53. Das Bierkombinat. Eine einziges Grübeln meinerseits an der Bar genügt der Frau dahinter, und schon stehen vier Gläser mit vier verschiedenen Bieren zum Tasting vor uns. Ein Helles, ein Dunkles und ein Flying Turtle als Ale und als Pils, alle vom Berliner Braumeister Thomas Schoppe. Alles andere als Supermarktware, alles Craft-Biere.

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Die Idee zu den ausdrucksstarken Schildkröten-Bieren hatte der aus Detroit nach Berlin gezogene Daniel Stein. Noch ein Ami wagt sich also in die Höhle des Löwen, ins Bierland Deutschland. Aber Berlin lag ja biertechnisch auch brach und konnte neu bespielt werden. Bodo nimmt ein Helles, ich ein Ale. Mehr oder minder stumm schlürfen wie vor uns hin.

Es ist ein Uhr, wir haben unsere vier Stunden fast voll und treten den Heimweg an. Der schwarze Schlitten bahnt sich zwischen AMGs und anderen Tuning-Karren den Weg die Sonnenallee hinab. Auch eine Stretchlimo sichten wir irgendwo hinter der schwarzen Scheibe. Hartmann biegt ab Richtung Richardplatz, wo Bodo und ich aussteigen.

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Und auch unser Chauffeur schwingt sich vom Sitz und drückt uns zum Abschied die Hand. Dann verschmilzt die schwarze Limousine mit der Dunkelheit, keine Fackel geht an. „Kann man mal machen“, sagt Bodo. „Kann man mal machen“, pflichte ich ihm bei. Aber nicht jedes Wochenende, denn die vier Stunden mit Blacklane hätten uns weit über 200 Euro gekostet – hätte das Unternehmen uns nicht zu dieser Testfahrt eingeladen.

Infomation:

Blacklane fürs Handy oder Tablet gibt im Appstore oder über Google Play. Die App für Uber kann ebenfalls über Google Play und im Appstore geladen werden, wie auch MyDriver (Appstore und  Google Play).

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  1. Pingback: Mit Chauffeur auf Bier-Tour durch Köln

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