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Roberts Bistro, Düsseldorf

Prätentiöser als die französische Landhausküche: Gehrys anzende Türme im Düsseldorfer Medienhafent

Keine Kreditkarten. Keine Reservierungen. Keine Stoffservietten. Das sind drei Garanten für einen ungezwungenen Abend – zumal wenn es sich um ein französisches Bistro handelt, das sich auch noch in Düsseldorf befindet. Wir nehmen dankbar am Ende eines großen Tisches Platz. An den Wänden hängen Bilder ohne Ende, dazwischen das ein oder andere Din-A4-Blatt mit Nachrichten: Anstelle von diesem und jenem Van Volxem ab sofort Saar Riesling. Wieder Bonuspunkte.

Der Kellner bringt die Speisekarte (wieder ein Din-A4-Blatt), die von einer Vorliebe für französische Provinzküche kundet: Lotte und Knurrhahn mit Auberginenmousse, Ochsenmaulsalat mit Roter Beete. Und so weiter. Am „Besten von Roberts Bistro“ aber führt kein Weg vorbei: Gefüllte Kalbszunge (geschichtet wie eine Donauwelle), Gänsestopfleber (der beste Aufstrich für das frische Baguette) und feine Tranchen von gebratener Entenbrust auf Salat für 16,50 Euro. Ein rustikaler und schmackhafter Auftakt. Dazu entscheiden wir uns für eine Flasche „Wolkentanz“ vom Weingut Kirsten, ein Riesling mit angenehmen Spiel von Säure und Frucht (die Laboranalyse mit Hinweisen auf Fruchtnoten erspare ich mir hier).

Neben uns am winzigen Ecktisch, die anfangs nur für zwei Leute geeignet schien, haben inzwischen fünf Gäste Platz genommen. Dann wuchtet der Kellner entschlossen den Nebentisch weg, damit der ungenutzte Platz an der Wand eingenommen werden kann und wir nicht aufstehen müssen. Es ist voll, warm und laut. So wie es in einem solchen Restaurant sein muss. Der Hauptgang lässt dennoch nicht ewig auf sich warten. Ein Gericht war als „Gratinierter Spargel mit Parmesanschaum und San Daniele“ annonciert. Auf dem Teller aber befinden sich nicht wie in herkömmlichen Restaurants fünf oder sechs eher dünne Stangen, sondern acht mörendicke Exemplare, die von einer luftigen Masse bedeckt werden, deren Hauptingredienz unschwer zu erkennen ist. Der Schinken kommt auf einem Extra-Teller und ist derart großzügig portioniert, dass sich fast die Frage nach der Rentibalität des Gerichts (16,50 Euro) stellt. Bei dem anderen Gericht handelt es sich um Babysteinbuttfilets in Sesam-Honig-Kruste, eine gleichfalls makellose Komposition in sättigender Ausführung.

Inklusive Wasser und Espresso kommt die Rechnung auf 85 Euro. Noch ein Argument für einen Besuch des Düsseldorfer Medienhafens. Architektur-Fans sollten sich einen Platz unter freiem Himmel sichern, denn den Ausblick auf ein Stück Event-Baukunst gibt es gratis dazu – auch wenn Roberts Küche nicht annähernd so prätentiös ist, wie  Frank O. Gehrys tanzende Türme.

www.robertsbistro.de

4 Kommentare

  1. Das Bistro meide ich seit Jahren. Aus 2 Gründen – es gibt keine Reservierungen (soweit zum Thema Service in Deutschland). Außerdem möchte ich bei einem entspannten Dinner nicht wie ein Huhn auf der Stange gequetscht sitzen. Das mag dem Restaurateur ja dienen, da so mehr Gäste in den Laden hineinpassen.
    Kurzum – es gibt nettere Locations in Düsseldorf, in denen das Preis-Leistungsverhältnis ebenfalls ok ist.

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    • Das ist auch ein Standpunkt, lieber Herr Meier. Mich würden noch die Namen der anderen Bistros interessieren – falls ich mal wieder nach Düsseldorf komme. Beste Grüße RJO

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  2. Das Bistro meide ich seit Jahren. Aus 2 Gründen – es gibt keine Reservierungen (soweit zum Thema Service in Deutschland). Außerdem möchte ich bei einem entspannten Dinner nicht wie ein Huhn auf der Stange gequetscht sitzen. Das mag dem Restaurateur ja dienen, da so mehr Gäste in den Laden hineinpassen.
    Kurzum – es gibt nettere Locations in Düsseldorf, in denen das Preis-Leistungsverhältnis ebenfalls ok ist.

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  3. Pingback: Eine winzig kleine Liebeserklärung an ... Düsseldorf - Boarding Completed

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