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Auf den Spuren der Hippies von Ibiza

Die Hippies von Ibiza hatten einen sehr guten Riecher, als sie sich ihre Wahlheimat ausgesucht haben – und sie sind ziemlich geschäftstüchtig. Dieser Eindruck hat sich gerade aufgedrängt, als ich zuletzt die Insel erkundet habe. Schließlich hat das zweitgrößte Balearen-Eiland in den vergangenen Jahren einen beispiellosen Aufstieg erlebt: Noch vor 50 Jahren herrschten hier Armut und ein Gefühl von Isolation. Später erhielt eine durchaus zweifelhafte Party-Kultur Einzug. Heute jedoch geben sich die Promis die Klinke in die Hand. [Weiterlesen]

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Valparaiso, mon amour – ein Rundgang durch die chilenische Hafenstadt (Teil 1)

Es gibt diese Orte: Man kommt hin und weiß nicht mehr wohin mit diesem Übermaß an Liebe. Valparaiso ist so ein Ort. Die chilenische Hafenstadt ist gebaut auf 45 Hügeln.

Die Häuser sind bunt, viele Konstruktionen sind ein kühnes Vabanquespiel mit den physikalischen Gesetzen. Jeder scheint hier sein eigenes Stromkabel zu haben. Gelegentlich ragen Araukarien in den Himmel, die chilenischen Nadelbäume mit dem synthetisch anmutetenden Körperbau.  Aus kleinen Boutiquen ist Musik von Velvet Underground zu hören. Und dann ist da noch der Blick auf das Meer.

Es ist Donnerstagmittag und ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass ich gerade zum ersten Mal alleine durch eine südamerikanische Stadt laufe. Gegründet wurde sie nie offiziell, doch die Besiedlung reicht bis 1544 zurück – und die Stadt ist damit eine der ältesten des Kontinents. Bis zum Bau des Panama-Kanals war Valparaiso – oder Valpo, wie die Locals sagen, für Seeleute nach der Umrundung von Kap Horn stets der erste Anlaufpunkt zurück in der Zivilisation. Und die verruchte Aura der Hafenstadt lebt bis heute fort. Im Reiseführer wird behauptet, die Einheimischen sagen, dass es in manchen Gegenden nicht ganz ungefährlich sein soll.

Ich laufe über den Cerro Alegre, der 2003 gemeinsam mit den anderen Hügeln der City zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Wegen der steilen Straßen, an deren Rändern die oftmals mit Wellblech verkleideten Bauten stehen. Und wegen der „Ascensores“, der klapprigen Standaufzüge, die die Überwindung der beträchtlichen Höhenunterschiede nach Zahlung von 300 bis 500 Pesos (45 bis 80 Eurocent) erleichtern.

Von den einstmals 29 Ascensores stehen heute noch 15. Doch zurzeit sind nur vier in Betrieb. Der Unterhalt der Konstruktionen im chilenischen Erdbebengebiet ist nicht einfach. Und Valparaiso hat kaum Geld für die Restaurierung. Die Politik interessiert sich zur Bespaßung einer kleinen Yuppie-Elite mehr für den Bau einer Shopping Mall, wofür die denkmalgeschützten Hafenhallen weichen sollen. Zwar regt sich Widerstand, doch es ist völlig offen, ob die Melancholiker siegen oder die Investoren.

Der Welterbestatus, sagt Michael, ein eingewanderter Thüringer, kann eben nicht alles zum Guten richten. Aber doch einiges. Am Cerro Cencepcion und am Cerro Alegre werden die im Kolonialstil gebauten Villen von Geschäftsleuten gekauft, die aus der amerikanisierten Hauptstadt Santiago stammen, aber auch aus Großbritannien und den USA. Leute, die Geld wittern, aber nicht nur in Aktien investieren wollen. Das, so Michael, könne man beklagen. Andererseits sind fast alle Häuser auf Holzbasis errichtet, ein gefundenes Fressen für die allgegenwärtigen Termiten.

Das frische Kapital bleibt nicht ohne Auswirkungen auf das Stadtbild: Allerorten wird das Kopfsteinpflaster ausgesbessert, meist aber nur halbherzig. Die Aufhübschung wurde mal in Angriff genommen, die Vollendung aber auf unbestimmte Zeit verschoben.

Auf den Hügeln tummelt sich so mancher, der in Köln oder Berlin als Hipster beschimpft würde. NIcht weniger präsent aber sind Dreadlock-Hippies, verträumte Künstlergestalten und die Werke subversiver Graffitikünstler. Neben ein paar melancholischen Bohemiens waren sie es, die sich zuerst für den Erhalt dieses bemerkenswerten Ortes interessiert haben. Dafür haben sie auch die Gegenwart unzähliger streunender Hunde geduldet. (Fortsetzung folgt)