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Mit Hemingway in Paris: Immer noch ein Fest fürs Leben

"It is awfully easy to be hard-boiled about everything in the daytime, but at night it is another thing."

„It is awfully easy to be hard-boiled about everything in the daytime, but at night it is another thing.“

In Paris geht es gar nicht um die Franzosen. Zu dieser Einsicht bin ich gekommen, als ich im Alter von ungefähr 18 Jahren zum ersten Mal „The Sun Also Rises“ gelesen habe. Vielleicht habe ich mich bei meiner Interpretation ein wenig zu sehr vom deutschen Titel verleiten lassen, möglicherweise aber waren meine Erkenntnisse auch der Jugend geschuldet. Fest steht jedenfalls, dass mir „Fiesta“ vorkam wie eine nie endende Party, deren schreibende, reisende und trinkende Protagonisten mir als Vorstadtkind seinerzeit enorm glamourös vorkamen.[Weiterlesen]

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Posieren und Polieren – Für mehr Durchblick auf Automessen

Auf einer Automesse laufen sich die Besucher die Füße wund, doch die Hostessen stehen sie sich platt. Als blickebündelndes, oft eng bis dürftig bekleidetes oder manchmal verkleidetes Beiwerk fürs heilige Blech stehen sie den ganzen Tag, schmiegen sich wie Katzen an die blanken, kalten Flächen und müssten eigentlich eine Versicherung gegen Schäden durch Fotoblitze abschließen. Manche sind so schön, dass selbst notorische Motorjünger erst einmal ihre Linse auf die Damen zentrieren.

Dass ihr Lächeln im Messemarathon früher oder später etwas android anmutet, sei ihnen verziehen. Wahrscheinlich passiert es aus Selbstschutz. Denn so viel Verbindlichkeit, wie ein einziges Lächeln erzeugen kann, tausendfach abgerufen, würde an den psychischen Grundfesten rütteln und früher oder später zwangsläufig zur Selbstauflösung führen. Dann also lieber auf Roboter vom Planeten Grinsebacke machen.

Zu den Finessen gehört auch, dass manche ihr Grinsen am Zenit einrasten lassen können. Das beugt der Übersäuerung der Gesichtsmuskulatur durch zu viel Bewegung vor. Der ein oder andere Reflex ist ihnen also gestattet, den Hostessen. Gerade auch in Anbetracht manchen männlichen Messebummlers, der so viel Appeal bis zu den Präsentiertellern weithin hörbar zum Leid der Ladys nur mit einem unkontrollierten Lippenzucken oder Wildkatzenbrummen verarbeiten kann. Ist das nicht furchtbar? Wir finden: jein.

So viel also zur durchaus und leider menschlichen Implikation der Libido im artifiziellen Kontext der Parallelwelt einer Automesse. Und dann gibt es noch eine andere Spezies, die andere Abwehrroutinen entwickeln muss. Es sind die unablässig wie ein Störfeuer um die schillernden und stets von Meteoriteneinschlägen im Nano-Maßstab bedrohten Autos schwirrenden Reinigungskräfte, die bei den Fotofreaks schockartig Allergie auslösen. Schon wieder so ein hässlicher Idiot mit Staubwedel ins Bild gelatscht!

Die oft mit Billighonoraren abgespeisten Polierer haben Sprühflaschen am Gürtel baumeln und unter den Achseln bunte Puschel klemmen, die auf ihren Einsatz gegen Staubpartikel warten, wenn gerade der Lappen Fettabsonderungen von Fingern eliminiert. Die Polierer selbst müssen nicht schön sein, nur das, was sie bearbeiten. Und da sie nicht schön sein müssen, passen sie nicht ins Bild, werden angepflaumt, pflaumen zurück, oder ziehen einfach ihren Stiefel durch, egal wie viele Finger an den Auslösern lauern. Was eine tragische Verkettung und Verkennung! Sie sorgen doch für den eigentlichen Glanz im ganzen Zirkus der Vehikel! Sehen Sie eine Fotoreihe vom Mondial de l’Automobile 2012 gegen den Cyrano-de-Bergerac-Effekt auf Automessen: