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Countdown zu den Big Five: Auf Safari im Selous Park (Teil 1)

Tansania Selous Park National Park Safari Löwen Big Five Reiseblog Boarding Completed64

Im Selous Park im Süden Tansanias leben Elefanten, Löwen, Büffel, Hippos und Leoparden. Alexandra Klaus hat das Naturreservat mit Kamera und Mama besucht – sie wurde nicht enttäuscht.

Der Beifahrersitz mit der Basis für das Omelette in der Wildnis

Der Beifahrersitz mit der Basis für das Omelette in der Wildnis

Unsere Safari beginnt mit einem Eiertanz. Als ich mich noch etwas schlaftrunken auf den Beifahrersitz des Geländewagens wuchten will, entfährt unserem Fahrer Yusuph ein spitzer Schrei – drei Paletten frische Eier wären fast hinüber gewesen. Kleinlaut trolle ich mich nach hinten, und werde im Laufe Fahrt von Dar es Salam in den Selous Parc noch mehrfach feststellen, dass der Beifahrersitz hierzulande Lebensmitteln vorbehalten ist.

Abenteuer Straßenverkehr: Ein radelnder Händler in Daressalam

Abenteuer Straßenverkehr: Ein radelnder Händler in Daressalam

Es sind nicht viel mehr als 200 Kilometer von unserem Domizil in Daressalam bis zum UNESCO-Weltnaturerbe Selous Game Reserve, doch wir werden für die Strecke rund sechseinhalb Stunden benötigen. Denn als Yusuph, meine Mutter und ich uns gegen 7 Uhr auf den Weg machen, hat die Rushhour in der Metropole Tansanias bereits begonnen, ein für Besucher nur schwer erträgliches Chaos, das die Einheimischen aber mit stoischer Gelassenheit ertragen – auch wenn der Weg zur Arbeit statt 20 Minuten auch schon mal eineinhalb Stunde dauern kann.

Keine Fata Morgana I.

Keine Fata Morgana (evil version)

Keine Fata Morgana (friendly version)

Keine Fata Morgana (friendly version)

Vom Rücksitz aus beobachten wir interessiert die apokalyptische Verkehrslage: zwischen den Autos bahnen sich Radfahrer den Weg, durch den Stau laufen Händler, die mit eigentümlichen Schnalz-Lauten auf die Ware auf ihrem Kopf aufmerksam machen.

Kühlen Kopf bewahren: Getränke-Händler in Dar

Kühlen Kopf bewahren: Getränke-Händler in Dar

Das Angebot reicht von Cashewnüssen und Getränken bis hin zu Globen, Bierkrügen und Federbetten.

Die Autorin nach der "African free massage"

Die Autorin nach der “African free massage”

Nach gut zwei Stunden haben wir den Moloch hinter uns gelassen, der Verkehr fließt nun, dafür wird die Straße zusehends schlechter. Yusuph fährt ruhig und konzentriert, Wasser oder die von uns mitgebrachten Frühstückskekse lehnt er mit Hinweis auf den Fastenmonat Ramadan ab.

Von Eiern allein kann der Mensch nicht leben

Von Eiern allein kann der Mensch nicht leben

Immer wieder macht er halt und verhandelt mit Händlern am Wegesrand über Obst und Gemüse: nach und nach wandern Ananas, Bananen, Melonen und diverse Gemüsesorten ins Auto.

Zimmer mit Aussicht: Ankunft im Camp

Zimmer mit Aussicht: Ankunft in der Jimbaza Lodge

Die letzten 100 Kilometer sind nur noch ein rumpelige Piste und wir kommen ordentlich durchgeschüttelt in unserem Safari-Camp, der Jimbiza Lodge, an. „African Free Massage“ nennen die Einheimischen augenzwinkernd die Fahrt durch die Schlaglöcher des Landes.

My definition of "glamping": Das Zelt hat alles, was der Safari-Tourist wünscht

My definition of “glamping”: Das Zelt hat alles, was der Safari-Tourist wünscht

Die Jimbiza Lodge befindet sich etwa vier Kilometer außerhalb des Parkeinganges Mtemere, mit prächtiger Aussicht auf den Fluss Rufiji. Die Lodge ist nicht nur sehr schön gelegen, sondern entspricht auch genau unseren Vorstellungen von einem Quartier für „Abenteuer Light“: in dem Familienunternehmen erwartet den Gast kein Luxus, wohl aber kann er alle Annehmlichkeiten eines Hotels genießen.

Abenteuer Light: Der leiterlose Pool

Abenteuer Light: Der leiterlose Pool

Das mit Palmwedeln bedeckte, offene Restaurant etwa ist zurückhaltend dekoriert, unter anderem mit Schnitzereien der Makonde. Selbst einen Pool hat die Anlage zu bieten, nur auf eine Trittleiter wurde leider verzichtet, weshalb sich die verhinderten Badenixen später ziemlich ungelenk aus dem Becken robben. Wie ich bereits schrieb: bitte kein übertriebener Luxus.

Futterneid ist hier fehl am Platz: Ein Restaurant ganz für uns allein

Futterneid ist hier fehl am Platz: Ein Restaurant ganz für uns allein

Schmale Pfade in der begrünten Anlage führen zu den 15 Hütten, Zelten oder Baumhäusern, die sich mit ihrer Bauweise aus Naturmaterialien sehr gut in die Landschaft integrieren.

Unsere Veranda - Platz für den "sundowner"

Unsere Veranda – Platz für den “sundowner”

Obwohl sonst eher Hotel-Ladies, haben wir ein Zelt gebucht – wissend, dass es sich hier eher um Glamping als um Camping handelt: solide Betten, gekachelte Dusche, eigene Toilette und sogar einen großen Spiegel. Man will ja auch im Dschungel nicht ganz verlottert aussehen. Etwa, wenn man sich abends zum Sundowner in den Korbstühlen der Lounge niederlässt und versonnen auf den Fluss blickt, während man den Tiergeräuschen lauscht.

Auf zur Fluss-Safari

Auf zur Fluss-Safari – noch sind die vielen Subjekte Unbekannte

Doch bevor wir uns ein kühles „Kilimandscharo“ genehmigen, geht es auf Flusssafari. Unser Guide mit Namen Tuesday holt uns im Boot direkt am Ufer bei der Lodge ab und tuckert gleich zu einer der Hauptattraktionen des Rufiji: Hippos, die sich in der Abendsonne ein Bad genehmigen und dabei wohlig grunzen.

Hippos? Check! Die Nummer eins auf der Liste der Big Five

Hippos? Check! Die Nummer eins auf der Liste der Big Five

Sie scheinen ebenso zufrieden zu sein wie wir, die wir nun bei perfekten 25 Grad zweieinhalb Stunden Bootstour vor uns haben: als einzige Passagiere von Tuesday, der mit Adleraugen Kingfischer, Krokodile, Warane und Äffchen für uns erspäht und uns nicht nur über Flora und Fauna entlang des Flusses aufklärt, sondern auch über die Menschen der umliegenden Dörfer, für die der Fluss natürlich ebenso lebenswichtig ist.

Das Krokodil gehört nicht zu den Big Five, ist aber dennoch imposant

Das Krokodil gehört nicht zu den Big Five, ist aber dennoch imposant

Entspanntes Verhältnis zur Fauna: Die Nähe zu den Krokodilen hält die Kids nicht vom Bad ab

Entspanntes Verhältnis zur Fauna: Die Nähe zu den Krokodilen hält die Kids nicht vom Bad ab

Trotz seines prahlerischen Namens auch kein Kandidat für die großen Fünf: Der Kingfisher

Trotz seines prahlerischen Namens auch kein Kandidat für die großen Fünf: Der Kingfisher

Fehl am Platze? Keineswegs, denn auch der Malachit-Eisvogel residiert gerne im Selous

Fehl am Platze? Keineswegs, denn auch der Malachit-Eisvogel residiert gerne im Selous

Ein linkisches Wesen: Ein Waran untersucht das Unterholz

Ein linkisches Wesen: Ein Waran untersucht das Unterholz

A logn day's journey into night

A long day’s journey into night

Thank god it's Tueday: Unser guide erweist sich als zuverlässig

Thank god it’s Tuesday: Unser guide erweist sich als zuverlässig

Zurück in der Lodge, bekommen wir ein ordentliches Menü aus Kartoffelsuppe, Chicken Curry und Ananas serviert und gesellen uns noch kurz zu einem deutschen Pärchen ans Lagerfeuer. Die beiden haben für den nächsten Morgen eine Fußsafari gebucht, bei der sie mit einem Guide durch den Selous Park wandern.

Endlich: Der "sundowner"

Endlich Sonnenuntergang: Der sundowner lässt nun nicht mehr lange auf sich warten

Als wir grade überlegen, ob wir noch nachträglich eine solche Tour buchen sollen, versichern uns die beiden, dass man es in der Lodge auch gut ohne Programm aushält: einfach mal runterschalten, mit einem Buch im Sessel sitzen, hinunter auf den Fluss schauen.

I would kill for a "Kili" - der sundwoner hat auch einen Namen

I would kill for a “Kili” – der sundwoner hat auch einen Namen

Das Handy ist sowieso aus – es gibt keinen Empfang – und der Stromgenerator rattert nur wenige Stunden am Morgen und am Abend. Um 22 Uhr löschen wir die Petroleumlampe vor dem Zelt und schlafen tief, bis wir morgens von Affengeschrei geweckt werden.

Nach dem Frühstück brechen wir mit unserem Guide Magire und dem Fahrer Zuberi im Geländewagen zum Eingang des Selous Parcs auf. Wenig deutet in dem kleinen Besucherzentrum darauf hin,dass es sich bei dem nach dem britischen Großwildjäger Frederick Courteney Selous benannten Wildreservat um das größte Wildschutzgebiet Afrikas handelt, ein Areal, das fast zweimal so groß wie die Schweiz ist und das aufgrund seiner Artenvielfalt 1982 zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt wurde.

Wir sind überrascht, wie ruhig es an diesem Sommermorgen ist, es scheinen kaum Touristen unterwegs zu sein – und auch später werden wir nur wenigen anderen Safarigästen begegnen, was uns das Gefühl gibt, die beeindruckende Natur und ihre Tierwelt exklusiv für uns zu haben.

Tatsächlich macht Tourismus hier im Süden Tansanias der Big Five nur einen kleinen Teil der Wirtschaftskraft aus. Die Haupteinnahmen des Selous Parcs stammen aus Jagdkonzessionen. Allerdings will man die Jagd eindämmen und die Schutzzone des Areals erhöhen, wie Magire berichtet.

Anfangs müssen sich die Augen an die neue Motivlage gewöhnen: als Magire schon die erste Giraffe erspäht hat, suchen wir noch die Büsche ab. Doch plötzlich guckt ein gefleckter Kopf mit langen Wimpern keck über den Baumwipfel – vollkommen beglückt, lachen wir laut auf, und die Giraffe sucht das Weite.

Es wird nicht das einzige Mal in den nächsten Stunden sein, dass wir entweder vor Freude lachen oder ergriffen schweigen. Wir gackern, als vor uns eine Impala posiert, die leider einen ziemlich dämlichen Grasschmuck ums Horn drapiert hat.

Oder als uns Magire den Swahili-Namen für ein Gnu verrät: „Wildy Beasty“. Staunen, als wir Antilopen miteinander kämpfen sehen. Und wir schweigen, als wir Aasgeier beobachten, die sich über eine Giraffe hermachen.

Endgültig aber verschlägt es uns die Sprache, als wir in einem Busch nahe des Tagalala-Sees zwei ausgewachsene Löwen sehen – träge liegen sie im Schatten und scheinen uns keines Blickes zu würdigen. Auch Magire und Zuberi scheinen beeindruckt, nicht alle Tage gelingt es offenbar, so dicht an das königliche Tier heranzukommen.

Angesichts dieses Erlebnisses schaue ich mehrfach über die Schulter, als wir zum Lunch aussteigen und unsere Begleiter beginnen, nur unweit des Löwen-Lagers einen Tisch für unseren Lunch einzudecken.

Magire grinst, als ich zaghaft die Sicherheitslage erörtern möchte: „Die Löwen haben doch schon gegessen, jetzt sind wir dran!“ Und tatsächlich steht kurz darauf warme Pasta auf dem Tisch, als Dessert gibt’s Minibananen und die beiden Damen fühlen sich ein wenig wie Meryl Streep in „Jenseits von Afrika“, wie sie da so mitten in der afrikanischen Landschaft sitzen und tafeln.

Als wir am Nachmittag zurück in die Jimbiza Lodge kehren, werden wir noch jede Menge Zebras, Kudus, Flusspferde und Paviane gesehen haben. Nur die Elefanten, von denen es im Selous immerhin rund 13.000 geben soll, haben sich wohl vor uns versteckt.

Ein Grund mehr, bald wiederzukehren. Das beschließen wir, als wir am nächsten Morgen mit einer Cessna von der Sandpiste nahe unseres Camps abheben und über den Rufiji Fluss in Richtung Daressalam fliegen. Nachdem uns Zuberi verabschiedet und „Safari njema“ gewünscht hat: eine gute Reise.

Informationen:

Das Festland von Tansania ist von Deutschland aus zurzeit nur mit einem Zwischenstopp erreichbar, zum Beispiel mit Ethiopean oder Swiss (beides Lufthansa-Codeshare). Die Safari im Selous Park kann vorab im Internet gebucht werden – die Variante, die wir gewählt haben, kostet ungefähr 500 Euro.

whc.unesco.org/en/list/199

jimbizaselous.com

 Text und Bilder: Alexandra Klaus. Die Autorin war privat in Tansania.

 

 

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