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Highway aus Sand – der 75-Mile-Beach auf Fraser Island

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Kilometerweit Sand, rollende Brandung und ein kühlender Wind in der subtropischen Hitze: Die Ostküste von Fraser Island hat alles, was Sonnenanbeter lieben. Doch gegen einen Handtuchurlaub spricht einiges auf der größten Sandinsel der Welt. Im Wasser jagen Haie, und der Strand ist ein öffentlicher Highway, wenn nicht gerade ein Flugzeug landet.[Weiterlesen]

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Auf der Sonnenseite des Arlbergs

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Die Schaumkrone auf dem Gipfelbier beginnt einzufrieren. Während sich die Sonne langsam senkt, leert sich die Terrasse auf der Ulmer Hütte rapide. Das sind die Minuten, die Don nach einem langen Tag auf den Skiern besonders genießt. Er weiß, dass er gleich mit uns nach Stuben abfahren wird. Über die Valfagehr, die mit fast fünf Kilometern zu den längsten Pisten am Arlberg gehört.

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Obwohl die Strecke als „blau“ klassifiziert ist, hat sie es in sich. Aufgrund der Länge, aber auch weil der Hang ziemlich zerpflügt ist, nun, da bald die Pistenraupen anrücken und das Alpenglühen die Lechtaler Alpen melodramatisch einfärbt. Dafür kann Don jetzt, da nur noch eine Handvoll Skiläufer unterwegs sind, endlich die ganze Breite ausnutzen – bis er nach einer anstrengenden Viertelstunde am Ziel ist.

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Stuben ist der kleinste Ort am Arlberg. Das Dorf fristet ein Außenseiterdasein, weniger, weil es genau wie Lech und Zürs zu Vorarlberg und nicht zu Tirol gehört, sondern viel mehr, weil in Stuben keine Könige und Zelebritäten ihren Winterurlaub verbringen. Auf die Sonnenseite des Arlbergs kommen nur Skiläufer wie wir, denen die mondänen Nachbarorte zu vornehm sind – und St. Anton auf Dauer zu turbulent.

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Nur ein paar Dutzend Häuser schmiegen sich an den Westhang des Arlbergs. Entsprechend fällt der Einstieg ins Skigebiet rustikal aus: Keine Sechsersesselbahn mit Sitzheizung, sondern ein Zweiersessellift. Doch die alpinen Herausforderungen lassen nicht lange auf sich warten: Nach einem kleinen Umweg über den Stubener Hausberg Albona sitzen wir schon um kurz nach 9 Uhr in der leistungsstarken Valfagehr-Bahn.

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Von der Bergstation geht es erst einmal durch Steissbachtal und Zammermoos hinunter nach Sankt Anton. Die Piste ist so etwas die örtliche Ski-Autobahn: Ideal zum aufwärmen, wenn noch nicht so viel Verkehr ist, und zugleich Einfallschneise zur Galzigbahn. Schon 1937 führte eine Kabinenschwebebahn vom Ort direkt hinauf zu diesem Gipfel des Arlbergs. Einer von mehreren Faktoren, die seinerzeit dazu führten,  dass sich St. Anton einen Ruf als führender Wintersportort erweisen konnte.

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Seit 2006 setzt die Galzigbahn abermals Maßstäbe: Die Talstation wird nun von zwei mächtigen Riesenrädern dominiert, die in einem futuristischen Glasbau prahlerisch in Szene gesetzt werden. Im Inneren laufen die Kabinen von oben kommend über ein Gewinde, wonach ein ebenerdiger Einstieg möglich wird. Über ein zweites Gewinde starten sie durch, um innerhalb von neun Minuten knapp 800 Höhenmeter zu bewältigen.

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Gemeinsam nutzen wir die Bergstation zum Umstieg in die Vallugabahn, die uns auf 2650 Meter befördert. Die Hasardeure unter den Skiläufern und Snowboardern klettern noch ein paar Höhenmeter weiter hinauf, vor allem dann, wenn sie den einzigen Weg hinüber nach Zürs in Angriff nehmen wollen. Dieses waghalsige Unterfangen aber ist nur in Begleitung eines Skilehrers möglich.

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Wir entscheiden uns für den Vallugagrat, der lediglich als rote Piste klassifiziert ist, aber schon manchem Nicht-Tiroler die Tränen in die Augen getrieben hat. Don jedoch wedelt geschmeidig über den buckligen Hang. Am rautenförmigen Schild mit der Nummer 15a hält er kurz inne: Der Schindlerkar Steilhang flößt auch routinierten Fahrern wie ihm Respekt ein. Es ist einer jener Hänge, auf denen St. Antons Reputation als Freeride-Areal für Fortgeschrittene fußt. Mit geübtem Auge aber findet er Traversen, durch die er sicher ins Tal kommt. „Das“, sagt Don, „tue ich mir nur einmal am Tag an“.

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Nach dem erfüllten Skitag entscheiden wir uns diesmal für eine grundlegend andere Abfahrt ins Tal. Diesmal geht nicht ins stille Stuben, sondern zu einer Institution in St. Anton: den Mooserwirt. Die rund 150 Höhenmeter über dem Ort gelegene Hütte besitzt in Sachen Après-Ski Legendenstatus. Zur Auswahl stehen eine Arena unter freiem Himmel und das Ladenlokal. Hier gehen um 16.30 Uhr die Rollos runter. Dann erklimmt DJ Gerhard seine Kanzel, um das Publikum mit Gassenhauern unterschiedlicher Herkunft zu erfreuen. Zumeist handelt es sich um Lieder, die sich im rheinischen Karneval einiger Beliebtheit erfreuen. Nicht selten jedoch entscheidet sich Gerhard auch für deren niederländische Interpretationen.

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Das Party-Publikum belohnt den Einsatz mit exstatischen Tanzbewegungen – auch auf den Tischen. Kellner mit auffällig gut trainierten Oberarmen bahnen sich auf engstem Raum ihren Weg, sie tragen bis zu 20 halbe Liter Bier auf ihren Tabletts. Lange nach Einbruch der Dunkelheit nimmt das Publikum die verbleibenden Höhenmeter in Angriff. Wir aber entscheiden uns fürs Taxi. Den Transfer nach Stuben lassen sich die Fahrer teuer bezahlen. 45 Euro kostet der Spaß.

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Doch bei minus zwölf Grad sind ihnen die Skiläufer ausgeliefert. Und ohne wenigstens einen Abend in der Après-Ski-Hölle (Eigenwerbung: „Die wahrscheinlich schlechteste Skihütte am Arlberg“) wäre der Aufenthalt in Sankt Anton unvollständig. Auch wenn Don darauf hinweist, dass die regelmäßig dort stattfindenden Fernsehaufzeichnungen für Privatsender ein falsches Licht auf die „Wiege des alpinen Skisports“ werfen könnten. Als solche nämlich bezeichnet sich die Region am Arlbergpass, seit am 3. Januar 1901 sechs Freunde den 1. Skiclub Arlberg St. Christoph gegründet haben.

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Der nächste Tag steht im Zeichen einer anderen Herausforderung: Die Abfahrt vom Kapall gehört zu den Klassikern des alpinen Skisports, hier wurde 2001 die Weltmeisterschaft ausgetragen. Mit einer Länge von über drei Kilometern zieht sich die Strecke empfindlich. Doch die schwarzen Pisten sind in den österreichischen Alpen meist ein Genuss: Wenig befahren, ausreichend breit und gut präpariert.

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Einen ähnlich hochqualitativen Anspruch erhebt die gesamte Tourismusregion für sich. Damit leidenschaftliche Skiläufer trotz wachsender Konkurrenz immer wieder kommen, geizen die Verantwortlichen nicht mit Investitionen: Seit 2008 ist der gegenüber liegende Rendl, der bis dahin nur umständlich erreichbar war, mit einer Hochleistungsbahn vom Ortskern St. Antons neu erschlossen.

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Am letzten Tag erinnert Don bei der erneuten Einkehr in die Ulmer Hütte an eine Geschichte, die ihm gerade zu Ohren gekommen ist: „Genau hier war 1904 der Ausgangspunkt zum ersten Skirennen, das je in den Alpen stattgefunden hat.“ Die Athleten fuhren ab nach St. Christoph, ackerten sich mit schwerem Sportgerät durch den tiefen Schnee hinauf zu mehreren Gipfeln, um schließlich in St. Anton zu finishen. Das waren laut Don noch Zeiten für ganze Kerle. Kaum hat er das gesagt, fährt er hinab nach Stuben. Die Valfagher-Abfahrt scheint komfortabler denn je. Mag sie auch no so zerpflügt sein.

Informationen:

Stuben liegt mit 1407 Höhenmetern knapp 100 Meter über St. Anton. Der Arlberg gilt als schneesicheres Spitzenskigebiet mit hohem Après-Ski-Glamourfaktor. Während Lech und Zürs vor allem bei der High Society beliebt sind, mischt sich das Publikum in St. Anton. Die Orte St. Christoph und Stuben sind ruhiger und preiswerter. Die Saison dauert bis Mitte April.

Insgesamt stehen 280 Kilometer Abfahrten und 84 Lift-Anlagen zur Verfügung. Der Ski-Pass (inklusive Lech und Zürs) kostet 47 Euro am Tag und 228 Euro für sechs Tage. Sportgeschäfte verlangen für Leih-Ski nicht selten horrende Preise, besser zuhause ausleihen oder im Internet zu festgelegten und meist reduzierten Preisen vorbestellen.

Die Anreise ist an Samstagen beschwerlich, die Autos stauen sich vor allem am Pfändertunnel. Routinierte Skireisende fahren bereits freitags bis kurz vor das Skigebiet und übernachten dort in einer Pension.

stuben.com

stantonamarlberg.com

www.arlberg.net  

www.mooserwirt.at

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Der Gardasee – Ein Selbstversuch in Technicolor (2)

Als wir zurück in unserem Domizil sind, werden wir umquartiert. Unsere Koffer stehen nun in den Murialdo Suites, einem Neubau auf dem Hotelgelände. Ein veritabler Tapetenwechsel, denn während das Interieur der Zimmer im Haupthaus grünblau gehalten ist, was mich – ohne dass ich es je gesehen hätte – an Urlaub in Jugoslawien erinnert, residieren wir nun in dezidiert modernem Ambiente.

Parkett und elegante Möbel verleihen den Suiten eine zurückgenommen stilvolle Aura, die dem Vernehmen nach jüngst die Profis eines deutschen Fußballvereins zu goutieren wussten, der in der vergangenen Saison drei zweite Preise zu gewinnen wusste. Auch die Küche ist an diesem Abend besser in Form: Das Vorspeisen-Büffet mit gegrillten Artischocken und Vitello Tonnato fällt ebenso angenehm auf wie die Gardasee-Forelle. Der Moscatello von Manincor aus dem Trento ist eine Granate.

Für den nächsten Tag haben wir uns den Monte Baldo vorgenommen. Doch wir überlegen es uns anders. Ganz gewiss haben wir ein wenig Scheu vor den 2200 Höhenmetern (OK, bis zur Gipfelstation der Bergbahn sind es machbare 1600 Meter), auch hängen ein paar Wolken am Berg. Der wahre Grund aber ist, dass wir gekommen sind, um die Urlaubstauglichkeit des Gardasees zu prüfen. Also nehmen wir die nächste Härteprüfung in Angriff: Bootstour nach Malcesine. Vorbei an den trinkenden Teutonen und den musizierenden Indios bahn en wir uns unseren Weg zum Ableger am bergseitigen Ende des Hafens von Riva. Wir kaufen Halbtagestickets für die Nordhälfte des Sees (20,70 Euro) und reihen uns ein in die Schlange nervöser Passagiere, die bereit sind für den Kampf um die 20 nicht überdachten Plätze im Bug des Schiffes.

Weil es ja Nebensaison ist, gelingt es auch uns Pazifisten einen passablen Platz zu ergattern. Schon geht es wieder los: Das grüne Wasser, die Berge, der blaue Himmel.

Die Synapsen arbeiten und arbeiten. Als wir in den Hafen von Limone einfahren, beugt sich in einem gelb angestrichenen Hotel ein alter Mann (er erinnert mich an Pablo Picasso) über die Reling eines Balkons. Ich bekomme Herzrasen. Die Auswertung meines Gehirns lautet: „Es ist zum Sterben schön.“ Obwohl ich mir solche Gedanken sonst gemeinhin verkneife. Schließlich bin ich Journalist.

In Malcesine folgt die Abkühlung. Es ist nicht das winzige Hafenbecken, in dem nur wenige Boote Platz finden, das den Synapsen nun Einhalt gebietet, nein, es sind die saufenden Touristen, die diesen Job übernehmen. Als ich höre, wie ein (abermals völlig dekontextualisiertes) Duo ihnen „No woman, no cry“ vordaddelt, beneide ich plötzlich Goethe. „Das ist eine Premiere“, denke ich kurz. Doch der Dichter hat diesen Ort zeitlebens in einem unberührten Zustand erlebt, was ihn zu einer Schwärmerei veranlasste.

Wir dagegen nehmen die Beine unter die Arme: Nichts wie weg hier. Vorbei an Lederfachgeschäften und Universal-Nippesläden mit Schaufensterlängen von gefühlten 60 Metern schreiten wir gen Süden.

Schon nach etwa fünf Minuten sind wir nahezu allein. Am Ufer des Sees stehen patinabefallene Villen, in deren verwunschenen Gärten Olivenbäume ihre Früchte großziehen. Der Gardasee produziert einige windbedingte Wellen, die mit einem angenehmen Plätschern die Aufmerksamkeit unserer Ohren erheischen. Unser Blick fällt auf knorrige Zedern und Zypressen, die vorwitzig in die Luft ragen. Dann nehmen wir auf einem Miniaturfelsen platz und vergessen die Zeit. An was ich gedacht habe, weiß ich nicht mehr. Beinahe aber hätten wir das letzte Boot zurück nach Riva verpasst.

Das Hotelrestaurant serviert Penne mit Zucchini und Kürbis-Risotto, danach ein gutes Saltimbooca. Inzwischen habe ich den Saal lieb gewonnen. Ich stelle mir vor, welch hippes Publikum hier verkehren würde, wenn das Ding in Köln oder Berlin stünde. Auch Giancarlo, der stets diskrete Kellner, der das Essen meist unter einer braunen Plastikabdeckung hervorzaubert, wird mir fehlen. Der Spagat zwischen Tradition und Gegenwart ist an diesem Ort halt nicht einfach. Doch wer in der Nebensaison reist und auch dann zu einigen Ausweichmanövern bereit ist, kann sich dem Gardasee ausliefern. Und das ist nur die kurze Version.

Informationen:

Die Übernachtungspreise variieren je nach Ssison und Zimmer stark. Ein einfaches Doppelzimmer im Haupthaus ist in der Nebensaison für 110 Euro zu haben, das große Penthouse mit Whirlpool auf dem Balkon kann in der Hauptsaison mit 1000 Euro (für vier Personen) zu Buche schlagen. Der prächtige Park, die drei Pools, der Marmorspeisesaal und die Frühstücksveranda stehen allen Gästen offen. Die Halbpension kostet 45 Euro pro Person und Tag. Die Weinkarte ist umfangreich und beinhaltet zahlreiche Positionen für den Kenner mit gehobenen Ansprüchen.

www.dulacetduparc.com

Der Autor hat auf Einladung des Hotels drei Nächte im Hotel du Lac et du Parc verbracht.

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Ruhe für Rastlose: Die Insel Schiermonnikoog

Thijs de Boer kennt das Phänomen: Zu Tausenden fallen die Besucher auf Schiermonnikoog ein. Zweimal pro Jahr. Wochenlang herrschen dann tumultartige Zustände auf dem kleinen Eiland. Für den Mann mit dem wettergegerbten Gesicht wird es nun höchste Zeit, sich auf die Lauer zu legen. Er will Art und Anzahl der Eindringlinge sondieren. Es ist früher Morgen, als de Boer mit Fahrrad und Fernglas ausrückt. Der Wind bläst hart aus Nordwest.

Während der Sonnenaufgang den Himmel melodramatisch einfärbt, ist der hagere Mann darauf fixiert, größere Populationen jener Zugvögel zu erspähen, die ab Mitte September auf der kleinsten bewohnten Nordseeinsel der Niederlande eine Flugpause einlegen.Seinen ersten Zwischenstopp legt de Boer heute am Westerplas ein. Zwar fürchtet er, dass die lustigen Löffler mit ihren langen Schnäbeln ihr Sommerdomizil an dem Süßwassersee bereits verlassen haben. Dafür aber liege es im Bereich des Möglichen, dass sich der Große Brachvogel blicken lasse – und der verfüge über ein nicht weniger kurioses Utensil zur Nahrungsaufnahme.

Knutt, Zwergmöwe und Basstölpel hofft der pensionierte Lehrer dann bei seinem zweiten Halt in den Dünen anzutreffen. Erst zum Winter erwartet er die großen Schwärme von Ringel- und Weißwangengänsen.

Obwohl die Insel nur 16 mal 4 Kilometer misst, ist im Nordwesten von Schiermonnikoog kein Ende der sandigen Hügellandschaft in Sicht. Nicht ohne Sinn für Übertreibung haben die Niederländer den welligen Pfad hinunter zum Meer „Bergweg“ getauft.

Thijs de Boer

Thijs de Boer

Anders als auf den übrigen Watteninseln ist der Pfad nicht eingezäunt: Auf Schiermonnikoog haben Hobbyornithologen und Wanderer freien Zugang zu den sensiblen Biotopen. Eine Freiheit, die möglich ist, weil auf der Insel nur im Luftraum Betrieb herrscht – die Einwohnerzahl hingegen beläuft sich auf weniger als 1000. Auch Menge und Bewegungsradius der Besucher sind nicht einmal in der Hochsaison groß genug, um für Flora und Fauna eine Gefahr darzustellen.

Während sich die Dünen verschwenderisch weitläufig geben, ist vom Strand kaum etwas zu sehen. An ruhigen Tagen ist er mancherorts bis zu einem Kilometer breit. Dann rühmt er sich, einer der breitesten in Europa zu sein.

Heute aber ist das anders: Kumulus- und Zirruswolken ringen um die Vorherrschaft am Himmel. Bis zum Horizont brechen bedrohlich wirkende Wellen. Und der Wind treibt das Wasser so weit ans Land, dass der zitronengelbe, auf Stelzen stehende Pavillon am Ende des Badwegs nur noch mit dem Boot erreichbar ist.

„Schicksal des Inselbewohners“, kommentiert Thijs de Boer lakonisch. Wenn Windstärke und Wasserstand dies nicht zulassen, sei es schließlich keine Seltenheit, dass auch die Fähren zum Festland nicht verkehren. „Wir wissen also, was es heißt, vom Rest der Welt abgeschnitten zu sein.“

An den Tagen der Isolation bleibt den Bewohnern des einzigen Inseldorfes das „Van der Werff“. Mit seinen weißen Fassaden strahlt das Hotel eine Würde aus, die an mondäne Badeorte längst vergangener Epochen denken lässt. Die Zimmer allerdings sind leicht abgehalftert. Tatsächlich reicht die Geschichte des Hauses bis ins Jahr 1726 zurück. Seinerzeit fungierte es als Kombination aus Rathaus, Post und Gericht. Heute ist der angenehm altmodische Salon so etwas wie der Mittelpunkt des sozialen Lebens von Schiermonnikoog. Wenn es Einheimischen nach Konversation verlangt, kommen sie hierhin.

Schwarzweißfotos, holzgetäfelte Wände und samtbezogene Sessel prägen die nostalgische Aura des Salons, der über die Jahrzehnte hinweg eine fast schon Stolz ausstrahlende Patina angelegt hat. Den Geschichten, die hier erzählt werden, bekommt dieses Umfeld. Auch Seemannsgarn ist den Inselbohemiens nicht fremd.

Davon hat Auke Talsma reichlich auf Lager. Als einer der letzten Insulaner übte er bis in die siebziger Jahre den Traditionsberuf des Walfischers aus. Obwohl der Naturmensch heute vorzugsweise Hecke und Hortensien im Garten seines Häuschens pflegt, sieht er auch im Alter von 74 Jahren noch wie ein Vorzeigeseebär aus.

Talsmas Domizil befindet sich zwischen Middenstreek und Voorstreek, den beiden schönsten Straßen des Ortes. Hier scheinen die Sommermonate im Zeichen eines inoffiziellen Wettbewerbs um die opulenteste Vegetation zu stehen. Die Anordnung ausdrucksstarker Farben liegt ihn: Als Mitglied des Künstlerklubs „De Kwast“ bannt er seine Erinnerungen auf Leinwand. Ein Leben zwischen Insel und Meer.

So hält es auch Thijs de Boer. Auf die Frage, was er sonst so mache auf dieser Insel, wo die Hauptattraktion darin liege, dass es außer der Natur keine Attraktionen gibt, auf diese Frage also antwortet de Boer, dass er und seine Frau Annelies ein kleines Muschelmuseum aufgebaut haben.

Rund 1500 Exponate sind hier zu sehen. Fundstücke, die das Paar aufgelesen hat. Bei Exkursionen, die nie langweilig werden. Vor allem dann nicht, wenn sich die Zugvögel auf der Nordseeinsel von den Strapazen ihrer Reise erholen.Auf der Insel ist ein Besucherzentrum eingerichtet, von wo aus Exkursionen und Ausflüge in den Nationalpark mit und ohne Führer angeboten werden. Neben Wanderungen und Fahrradtouren können auch Busfahrten am Strand (Balgexpres), Kutschfahrten oder Bootstouren unternommen werden.

Das Dorf, der Bancks-Polder, die Umgebung des Dorfes mit Eisbahn, Campingplatz und dem Berkenplas sowie das Dünengebiet im Norden des Dorfes gehören nicht zum Nationalpark. Auf dem Polder sind Milcherzeuger angesiedelt, an einigen Stellen wird Mais angebaut. Hier überwintern große Verbände von Ringel- und Weißwangengänsen.

Die Geschichte wurde zuvor über dapd veröffentlicht, unter anderem auf Spiegel Online: http://www.spiegel.de/reise/europa/insel-schiermonnikoog-ruhe-fuer-rastlose-a-723058.html

Die Reise wurde vom Niederländischen Büro für Tourismus und Convention unterstützt.