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The Green Parrot auf Key West: Wo Elvis Hemingway verprügelt

Street-Art-Gemälde an einer Häuserwand auf Key West mit Vintage-Motiv

Vergesst »Sloppy Joe’s«. Das wahre Key West lebt in einer anderen Bar, die den liberalen Zeitgeist früherer Jahrzehnte in die Gegenwart übertragen hat. Das Etablissement wird sowohl für seine seriöse Live-Musik wie auch für seine weniger ernst gemeinten Events geschätzt. Viel mehr kursiert das Gerücht, dass Hemingway hier von Elvis verprügelt wurde. 

Eine Bluegrass-Band auf der Bühne von Key Wests bester Bar, The Green Parrot

Foto: Ralf Johnen

Der erste Pool in Key West

Bis heute sind Ernest Hemingway und seine regelmäßigen Barbesuche ein beliebtes Gesprächsthema auf Key West. Tatsächlich hat sich der führende Abenteurer des 20. Jahrhunderts um die Karibikinsel verdient gemacht. Er lebte von 1931 bis 1939 in einer prächtigen Villa an der Whitehead Street, die er nicht selbst bezahlt hatte. Viel mehr war das 1851 erbaute Domizil das Geschenk eines Onkels von »Papas« zweiter Ehefrau Pauline Pfeifer.

Heute ist das ehemalige Wohnhaus zu Recht eine der größten Attraktionen der Keys. Wer das Anwesen besucht, wird in ein Zeitalter versetzt, das anfangs noch ohne fließend Wasser und Elektrizität auskommen musste. Das hielt die Hemingways nicht davon ab, sich hier einen Pool haben bauen lassen, der mit Meerwasser gefüllt wurde. Schriftsteller und andere Celebrities kamen zuhauf, um es sich hier gutgehen zu lassen. Vor allem die Pool-Partys mit Blick auf einen Sternenhimmel, der nicht von künstlichen Lichtquellen beeinträchtigt war, erinnerten sich die Besucher mit Begeisterung.

Sloppy Joe's ist angeblich Ernest Hemingway's Liebglingskneipe auf Key West, die heutige Version aber hat nichts mit dem Original zu tun

Foto: Ralf Johnen

Abfüllstation für Billigtouristen

Auch Hemingways in einem Seitentrakt gelegenes Arbeitszimmer ist einen Blick wert. Immerhin hat der spätere Nobelpreisträger hier mit »Schnee auf dem Kilimandscharo«, »Das kurze, aber glückliche Leben des Francis Macomber« und »Haben und Nichthaben« einige der besten Texte seiner mittleren Schaffensphase geschrieben. Das ändert aber wenig daran, dass fast jeder an »Sloppy Joe’s« denkt, sobald von Hemingway und Key West die Rede ist.

Nachdem das Lokal Ende 1933 in der Greene Street 428 eröffnet hatte, löschte der bereits ziemlich bekannte Schriftsteller hier stets seinen nicht unerheblichen Durst. Seit Ende 1937 jedoch befindet sich das Lokal in der Duval Street, wo es als Abfüllstation für Billigtouristen dient, die ihre Drinks aus Plastikbechern konsumieren und dabei mittelmäßigen Bluesrockern zuhören. Obwohl die Bar einen guten Teil ihres Umsatzes mit dem Verkauf von Hemingway-Memorabilien macht, gibt es keinerlei Beweise, dass der Autor sich jemals hier hat blicken lassen.

The Green Parrot auf Key West ist Austragungsstätte eines populären Ukelele-Wettbewerbs

Foto: Ralf Johnen

Bluegrass unter Ventilatoren

Während sich der Neon-Schriftzug und der Kolonialbau durchaus als Fotomotive für Besucher eignen, meiden die Einheimischen »Sloppy Joe’s« konsequent. Sie bevorzugen aus gutem Grund The Green Parrot auf Key West, der etwas versteckt auf halber Strecke vom Hafen zu Hemingways ehemaligem Wohnhaus liegt. Hier kommen die verbliebenen Abenteurer unserer Zeit mit geselligen Bewohnern der Insel zusammen, um frei von Konventionen und unbeobachtet ihre Abende zu verbringen.

Während an der Decke die Ventilatoren ihren aussichtslosen Kampf gegen die unbarmherzig schwüle Luft führen, treten Abend für Abend Bands auf. Mal Funk, dann wieder Bluegrass. Legendär sind die Ukulelen-Nächte, die hier in unregelmäßigen Abständen auf dem Kalender stehen.

Vintage-Plakat der Kneipe The Green Parrot auf Key West

Foto: Ralf Johnen

Haarsträubender Unsinn

An einer der Wände ist eine Plakette befestigt, die auf ein Ereignis vom 9. Juni 1957 verweist. Hierauf ist zu lesen: »Elvis Presley slapped Hemingway here«. Bevor sich nun irgendjemand die Blöße gibt, dies nach zu recherchieren: Die Behauptung ist natürlich haarsträubender Unsinn. Doch sie zeigt, dass man dem Hemingway-Hype auch mit Humor begegnen kann. Der fand seinen Höhepunkt, als die fiktive Szene anlässlich ihres 50. Jahrestages nachgestellt wurde.

Informationen zu The Green Parrot auf Key West

Lage: The Green Parrot auf Key West liegt am Rande des historischen Zentrums, 260 km südw. von  South Beach Miami

601 Whitehead Street, Key West, Tel. 305 294 61 33, www.greenparrot.com, zum Unternehmen gehört auch ein gut sortierter Liquor Store, 609 Southard Street, tgl. 10–4 Uhr

Bei allem, was sich gegen den Trubel bei Sloppy Joe’s sagen lässt, so organisiert das Lokal mit dem Hemingway Lookalike Contest eine der lustigsten Veranstaltungen. Jedes Jahr Ende Juli konkurrieren Möchtegern-Hemingways auf Key West um den Titel des authentischsten Doppelgängers.

Sloppy Joe’s, 201 Duval Street, Key West, Tel. 305 294 57 17, sloppyjoes.com, Mo– Sa 9–4, So 12–4 Uhr

Hemingway Home, 907 Whitehead Street, Key West, Tel. 305 294 11 36, www.hemingwayhome.com, tgl. 9–17 Uhr, 14/6 USD

Unterkünfte: Kimpton Key West (vormals: Key Lime Inn), 725 Truman Avenue, Key West, www.historickeywestinns.com

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