Wer Flevoland aus der Luft sieht, ist eigenartigen Kräften ausgesetzt. Ein Fotoessay über die Poesie der Ordnung.

Wie gemalt: Wasserstrahl auf bunten Felder in der Provinz Flevoland. Foto: Ralf Johnen
Die Bäume sind hier überall gleich hoch. Und Altes sucht man ebenso vergeblich wie unabsichtlich Krummes oder Rostiges.

Blick ins Cockpit einer Cessna beim Rundflug über Flevoland
Willkommen in Flevoland. Die neueste Provinz der Niederlande und zugleich ein hochgradig artifizieller Lebensraum, den Ingenieure dem Ijsselmeer in den 1960er Jahren abgerungen haben.

Dem Wasser abgerungen: Flevoland. Foto: Ralf Johnen
Es ist ein Ort sonderbarer Künstlichkeit. Irgendwo zwischen Pleasantville, Architektur-Biennale und Vorstadt-Hölle.

Flevoland ist eine Spielwiese für Ingenieure und Architekten. Foto: Ralf Johnen
Flevoland aus der Luft: doie Poesie der Ordnung
Aus der Luft offenbaren sich Art und Ausmaß des Paralleluniversums vor den Toren von Amsterdam besonders drastisch.

Ordnung muss sein
Hier strahlt die strikte Ordnung gar eine tiefgründige Poesie aus. Als hätte die Schöpfung eingesehen, dass eine ungeordnete, chaotische Welt nicht mehr zeitgemäß ist.

Verwirrende Streckenführung: Kartbahn auf Flevoland. Foto: Ralf Johnen
Ein Fanal des Fortschrittglaubens
Wer Flevoland aus der Luft betrachtet, sieht allerorten einen fast schon aggressiven Fortschrittsglauben. Windräder zur Stromversorgung, eine leistungsfähige Landwirtschaft, kerzengerade Wasserstraßen und hundertprozentige Erschließung bestimmen das Bild.

Die Poesie der Maschine. Foto: Ralf Johnen
Diesen Eindruck verstärken die künstlichen Inseln noch weiter, die die Niederländer zurzeit im Ijsselmeer anlegen. Sie dienen in erster Linien Vögeln, die in dem überzivilisierten Land keinen Platz mehr haben. Doch an gewissen Orten sind auch Segler willkommen.

Inselartig: Bauernhöfe auf Flevoland umringt von Feldern. Foto: Ralf Johnen

Strenge Geometrie: Das Wasser der Niederlande wird systematisch gebändigt. Foto: Ralf Johnen

Vergnügungszone: der Themenpark Walibi aus der Luft

Der Übergang von Flevoland zum Festland hat eine schmale Wasserstraße geschaffen

Die Deichstraße N 307 verbindet Flevoland mit der Stadt Enkhuizen. Foto: Ralf Johnen

Segelboot und Frachtschiff treffen sich im Ijsselmeer
Ich komme regelrecht ins Schwelgen während meiner rund 40 Minuten in der Luft. Die Gedanken driften weit ab bei all den Konstrukten, mit denen sich der Mensch das Leben so einrichtet, wie es ihm in den Kram passt. Eine fast surreale Erfahrung, die ich jedem ans Herz lege.

Nichts ist unmöglich in den Niederlanden. Hier die künstliche Inselgruppe de Kreupel im Ijsselmeer
Weitere Informationen zu Flevoland aus der Luft
Der Rundflug über Flevoland startet am Flugplatz von Lelystad.
Von hier nehmen die Flieger Kurs auf das Ijsselmeer und Almere.

Die niederländische Stadt Lelystad aus der Luft
Die Firma Special Air Service (vlieglessen.nl) bietet Rundflüge ab 99 Euro pro Person ab. Wer mag, kann eine CO2-Kompensation bezahlen.
Die Webseite von Visit Flevoland gibt auch das ein oder andere her.
Text und Bilder zur Geschichte über Flevoland aus der Luft: Ralf Johnen, zuletzt aktualisiert im Dezember 2024.

Alles hat sein Plätzchen auf Flevoland. Foto: Ralf Johnen
Comment
Viele Neubaugebiete in den Niederlanden sehen so aus. Komplett geplante Strukturen. Aber Flevoland ist wirklich das Paradebeispiel. Und auf deinen Fotos hervorragend zu sehen.
Aber schon mit Google Earth sieht man enorm viel. Schau dir mal das Mega Neubaugebiet Leidsche Rijn neben Utrecht an, da stand vor 10 Jahren noch kein Haus und jetzt sind es schon über 20.000 Wohnungen und sie sind noch nicht einmal fertig.