Braunschweig ist grün, vielseitig und historisch interessant. Wir haben ein perfektes Wochenende in der niedersächsischen Stadt verbracht. Dabei haben wir Bekanntschaft mit dem örtlichen Löwen und der Grinsekatz gemacht.

Fachwerk ist Trumpf im Magniviertel
Zugegeben: bis zu unserem perfekten Wochenende wusste ich nicht viel mehr über Braunschweig, als dass es sich um eine größere Stadt im Norden Deutschlands handelt. Sie trägt einen Löwen im Wappen und besitzt einen traditionsreichen Fußballverein, der sich munter in allen möglichen Ligen tummelt.

Ein schöner Ort zum Ausruhen: Braunschweiger Burg mit Denkmal für Heinrich den Löwen
Auftakt für ein perfektes Wochenende in Braunschweig
Nun aber weiß ich: Die vom Fluss Oker umringte Studentenstadt hat nicht nur einen hohen Freizeitwert, sondern bietet auch eher ungewöhnliche Sehenswürdigkeiten wie ein lachendes Haus oder ein wiederauferstandenes Schloss.

Heinrich der Löwe hat den Braunschweiger Dom geplant – daran erinnert auch sein Grabmal
Dem Löwen begegnet man in Braunschweig allerorts: von Schlüsselanhängern bis zur Rathausflagge, von Pralinen bis hin zu Geschäftsnamen feiert die Stadt ihr Wappentier. Logisch, dass wir unsere Tour durch die Löwenstadt auch an der überlebensgroßen bronzenen Skulptur des majestätischen Tieres beginnen. Wir treffen dort Thomas Baumgarten, der uns auf eine äußerst interessante und unterhaltsame Tour durch seine Stadt mitnehmen wird.

Ganz schön verdreht: die Säulen des Braunschweiger Doms
Heinrich der Löwe brachte Braunschweig zur Blüte
Die Liebe der Braunschweiger zum König der Tiere geht auf Heinrich den Löwen zurück. Der ursprünglich aus Bayern stammende, um das Jahr 1129 geborene Herzog machte Braunschweig zu seiner Residenzstadt und führte sie zu wirtschaftlicher und kultureller Blüte. Ihm verdankt die heute rund 250 000 Einwohner zählende Hansestadt zudem die Burg Dankwarderode und einen imposanten Dom, in dem der Welfenherzog beerdigt ist.

Detail von Fachwerkhaus in der Braunschweiger Innenstadt
Wie aber kam Heinrich zu seinem reißerischen Beinamen? »Er wurde ihm verliehen, als er seine Macht ausdehnte«, erläutert Baumgart und ergänzt schmunzelnd, dass derartige Beinamen in Mode waren, wenn der eigene Name nicht sexy genug klang. Der etwas fad klingende Heinrich konnte demzufolge gut etwas Namenswürze vertragen.

Am Kohlmarkt
Schillernde Figur
Tatsächlich war Heinrich der Löwe alles andere als ein Langweiler, sondern eine schillernde Figur. Der machtbewusste und gläubige Welfe pilgerte im Jahre 1172 mit einem Heer von rund 1500 Mann 3000 Kilometer weit nach Jerusalem zur Grabeskirche, eine Reise, die ihn stark prägen sollte. Auf dem Rückkehr soll er über Byzanz, das heutige Istanbul, gereist, die Hagia Sophia besichtigt und dort leidenschaftlich mit dem Sultan über Religion gestritten haben.

Stadtansicht mit Patrizierhaus und Dom
Zurück in Braunschweig, gab Heinrich der Löwe unter den Eindrücken seinen Reise den Auftrag für den Bau des Doms St. Blasii. Das prächtige Gotteshaus wurde nicht nur Heinrichs Grabstätte, sondern es beherbergt unter anderem einen siebenarmigen Leuchter, der in seiner vielfältigen Symbolik auch für die drei Religionen Judentum, Islam und Christentum stehen könnte, so sehen es verschiedene Historiker. Auf jeden Fall scheint Heinrich der Löwe ein anderen Glaubensrichtungen aufgeschlossener Herrscher gewesen zu sein.

Gute Aussichten bei einer Radtour durch Braunschweig
Toleranz wird in Braunschweig großgeschrieben
Der Toleranzgedanke setzte sich über Gotthold Ephraim Lessing fort, der als bedeutender Vertreter der Aufklärung gilt und in Braunschweig lebte und hier beerdigt ist.

Stadt mit Herz: Pärchenampel in Braunschweig
Und der Toleranzgedanke lebt noch heute fort in der Stadt, in der Pärchenampeln den Weg über die Straße weisen und wo Bürger aus 170 Nationen leben, was beim »Fest der Kulturen« bereits seit 1981 gefeiert wird.

Macht man so in Braunschweig
Wer an einem Sommertag durch Braunschweig schlendert, erlebt eine lebendige Universitätsstadt, die rund 30 000 Studenten prägen. Schmucke Fachwerkhäuser wechseln sich mit funktionalen 50er-Jahre-Bauten ab. Braunschweig, einstmals Zentrum der deutsche Fachwerk-Architektur, wurde im Zweiten Weltkrieg zu 90 Prozent zerstört, die Fachwerkhäuser sind also in den meisten Fällen originalgetreue Nachbauten.

Abendessen im Restaurant Fuchsblau im Braunschweiger Magniviertel
Perfektes Wochenende in Braunschweig: das Magniviertel
Erhalten geblieben sind ein paar besonders schöne Fachwerkbauten im Magniviertel, rund um die namensgebende Kirche. Hier geht es ruhiger zu als am trubeligen Kohlmarkt in der Innenstadt. Auch shoppt man hier in inhabergeführten Geschäften oder lässt sich in einem der zahlreichen Lokale nieder. Wir waren im Fuchs Blau, das überwiegend Gerichte regionaler Prägung bietet.

Maximal verspielt: Fassade des Rizzi-Hauses
Harzer Forelle etwa, oder den Wild-Burger Hubertus, aber auch vegane Varianten des klassischen Buletten-Brötchens. Dazu ein süffiges Pils aus dem Hause Wolters, und wir bummeln gestärkt weiter.
Happy Rizzi House als Landmarke
Am Rande des Magni-Viertels steht ein Monument der guten Laune: das kunterbunte, mit vielen lachenden Mündern gestaltete Happy Rizzi House. Der Braunschweiger Galerist Olaf Jaeschke hatte Ende der 90er Jahre Wind davon bekommen, dass der Künstler James Rizzi den Auftrag für ein Kulturhaus in Paris oder New York bekommen sollte.

Braunschweig statt New York oder Paris: das Rizzi-Haus
Warum nicht in Braunschweig, fragte er Rizzi, wo doch die Konkurrenz viel geringer sein würde. Rizzi verband seine Zusage mit der Auflage, dass man innerhalb eines halben Jahres einen Bauherren, ein Rohkonzept und eine Baugenehmigung für ein solches Kunsthaus beschaffen möge. Das gelang, und so erfreuen sich heute die Braunschweiger und Touristen an dem Kunststück. Darin residiert das ebenfalls aus Braunschweig stammende Fashion-Label New Yorker mit seinem Büro.

Eine Tour auf der Oker ist ein Muss für ein perfektes Wochenende in Braunschweig
Perfektes Wochenende in Braunschweig: Flosstour auf der Oker
Etwas ermattet von den Eindrücken des Tages, freuen wir uns nun auf eine geruhsame Floßfahrt. Zwei Anbieter laden zur Fahrt auf der Oker, der Fluss, der Braunschweigs Zentrum umschließt. Die Flöße gleichen schwimmenden Biergärten, der Kapitän ist zugleich launiger Guide und für die Getränke bezahlt man auf Vertrauensbasis, in dem man am Ende der Tour seinen Beitrag in einem Becher entrichtet.

Wie ein schwimmender Biergarten: Flossfahrt auf der Oker
Gemütlich schippern wir also auf der Oker, der passable Wasserqualität bescheinigt wird, vorbei an herrschaftlichen Villen und altem Baumbestand. Eine gesellige Art der Abendgestaltung, kommt man doch auf dem engen Floß schnell ins Gespräch mit den anderen Passagieren.

Lichtinstallation mit Quallen über der Oker in Braunschweig
Ab in die grüne Umgebung
Nach einer geruhsamen Nacht im Steigenberger Parkhotel können wir nicht widerstehen und springen zum morgendlichen Bad im gegenüberliegenden Freibad ins Wasser. Derart erfrischt, fahren wir heute in die grüne Umgebung Braunschweigs, genauer nach Riddagshausen, nur ein paar Minuten Fahrt vom Zentrum entfernt.

Ländliches Idyll: der Schapenbruchteich in Riddagshausen
In Riddagshausen gibt es ein sehenswertes Zisterzienser-Kloster mit einem herrlichen Garten, in dem sich an einem Samstagmittag im Sommer eine Gruppe junger Frauen beim Picknick vergnügt und man ansonsten kaum einem anderen Besuchern begegnet.

Pflicht für ein perfektes Wochenende in Braunschweig: der Garten des Zistersienserklosters
Übrigens auch nicht auf der kleinen Wanderung durch das angrenzende Naturschutzgebiet. Erst im Cafe Teetied treffen wir wieder auf andere Menschen, die sich ebenso wie wir an frisch gebrühtem Tee und hausgemachtem Gebäck erfreuen.

Riddagshausen scheint bei jedem Atemzug sagen zu wollen: hier ist die Welt noch in Ordnung
Highlights waren für uns der Mohnkuchen und der köstliche Jasmin-Tee.
Das Braunschweiger Schloss und die Quadriga
Wieder zurück in der Innenstadt, widmen wir uns einem weiteren Bauwerk mit einer ungewöhnlichen Geschichte: dem Braunschweiger Stadtschloss. 1945 stark beschädigt, wurde das Schloss 1960 abgerissenen. Erst in den Jahren von 2005 bid 2007 wurde das Braunschweiger Stadtschloss wieder aufgebaut.

Fassade des Stadtschloss in Braunschweig im Abendlicht
Anders als zum Beispiel das Stadtschloss in Berlin, griff man dazu auf Originalbauteile zurück, die noch in Braunschweig »herumlagen«. Seit dem Wiederaufbau beherbergt es ein Museum und eine Shopping-Mall. Letztere wird von der einen Seite als Konsumtempel zur Belebung der Stadt gepriesen und von der anderen Seite als Gefahr für die Läden in der Innenstadt angeführt.

Vergangenheit und Gegenwart dicht beieinander: Springbrunnen vor den Schlossarkaden
Wir enthalten uns der Stimme und steigen dem Schloss aufs Dach. Dort befindet sich nämlich die Quadriga – ein von vier Pferden gezogener Streitwagen. Es handelt sich um die mit Abstand größte in Deutschland und eine der größten Europas. Von dort oben hat man einen grandiosen Blick auf die Stadt.

Wohlfühlort an der Oker: der Biergarten Grinsekatz
Sommerabend im Strandbad an der Oker
Wieder zurück auf dem Boden der Tatsachen, suchen wir eine Lokalität, wo wir die Eintracht Braunschweig gegen unseren favorisierten Verein spielen sehen können. Wir entscheiden uns für die Grinsekatz. Eine Strandbar, wo man die Füße in den Sand stecken, im Liegestuhl abhängen und bei einem Drink auf die Oker schauen kann.

Ruhige Augenblicke an der Oker, im Hintergrund der ehemalige Druckturm, der jetzt zum Steigenberger gehört
Viel besser wird es nicht – und so wird uns Braunschweig als sehr positive Überraschung in Erinnerung bleiben. Mit dem Wunsch, in nicht allzu ferner Zukunft wiederzukommen.

Reife Äpfel im Klostergarten der Zistersienser in Riddagshausen
Informationen zum perfekten Wochenende in Braunschweig
Unterkunft: Das Steigenberger Parkhotel hat uns sehr gut gefallen. Wir hatten ein geräumiges Zimmer mit guter Aussicht in ruhiger Lage. Eine Übernachtung kommt meist auf einen Betrag um die 100 Euro. Nimes-Straße 2, braunschweig.steigenberger.de.

Ländliches Idyll: der Schapenbruchteich in Riddagshausen
Essen und Trinken in Braunschweig
Restaurant im Fuchs Blau: Regionale Spezialitäten mit herrlichen Tischen unter freiem Himmel. Am Magnitor 1, fuchs-blau.de
Café Strupait: Magnitorwall 8, strupait.de
Café Teetied: Saisonal geöffnetes Ausflugslokal mit leckerem Kuchen und Tee. Nehrkornweg 1, 38104 Braunschweig

Perfektes Wandergebiet: der Elm östlich von Braunschweig
Floss-Fahrt auf der Oker
Floßstation: An Wochenenden in der warmen Jahreszeit. Die Touren dauern 1,5 bis 2 Stunden, Tickets kosten 17 Euro. Kurt-Schumacher-Str. 25/Ecke Löwenapotheke, floss-station.de.
Text: Frida van Dongen, Bilder: Ralf Johnen, zuletzt aktualisiert im April 2025. Die Pressereise wurde von Tourismus Niedersachen sowie Tourismus und Kongresse Braunschweig unterstützt.

Kapelle des Zistersienserklosters in Riddagshausen
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