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Cedar Key: Verschlafene Insel in Florida

Holzstege auf Cedar Key reichen bis weit in den Golf von Mexiko

Foto: Ralf Johnen

Cedar Key ist eine der letzten verschlafenen Inseln Floridas. Das Eiland versteckt sich in der Mitte der Golfküste in malerischem Marschland. Früher war Cedar Key die Wirkungsstätte eines deutschen Bleistiftbarons.

Wohnhaus mit Holzveranda und Wacholderbaum auf Cedar Key in Florida

Foto: Ralf Johnen

Zedern haben bis weit ins 19. Jahrhundert die Küstenlandschaft Mittelfloridas geprägt. Damals war der Bundesstaat noch kaum erschlossen. Als die ersten Pioniere den heutigen Sunshine State erreichten, war auch ein Deutscher dabei. Eberhard Faber interessierte sich vor allem für das Holz des Baumes, der dem Ort seinen Namen verliehen hat.

Ein Kanufahrer in den Gewässern vor der Insel in Florida

Foto: Ralf Johnen

Es war im Jahr 1868, als der Unternehmer auf der Nachbarinsel Atsena Otie ein Sägewerk zur Herstellung von Bleistiften eröffnet. Das Holz jenes Baumes, der in den USA als Red Cedar bekannt ist, schien dafür besonders gut geeignet. Nicht zufällig wird es in Deutschland auch als Bleistiftzeder bezeichnet wird.

Kormorane und Pelikane ruhen auf Pfählen im Wasser

Foto: Ralf Johnen

Die Zedern sind in Wahrheit Wacholderbäume

Die Bezeichnung allerdings ist irreführend, denn im biologischen Sinne handelt es sich nicht um eine Zeder, sondern um die größte Subspezies des Wacholders. Die auf den Inseln im Marschland gewachsenen Bestände genügten zur Herstellung Hunderttausender Bleistifte. Als jedoch 1896 ein Hurrikan über die Insel hinwegfegte, wurden das Sägewerk und fast alle Wohnhäuser zerstört.

Ein Motel mit pinkem Anstrich in Florida

Foto: Ralf Johnen

Niemand zog einen Wiederaufbau in Erwägung. So war das damals in Florida, das wild und unberechenbar war. So hat das näher am Festland gelegene Cedar Key die Rolle als bewohntes Eiland übernommen.

Seesterne sind in Florida keine Seltenheit, werden aber meist nicht als Lebewesen erkannt. Das scheint dieses Schild zu besagen.

Foto: Ralf Johnen

Heute zieht es vor allem Individualisten hierhin, die das Marschland erkunden, Meeresfrüchte mögen und die ohne die kommerziellen Attraktionen der Tourismusindustrie auskommen. Wer sich nach Einsamkeit oder Ursprünglichkeit sehnt, ist im Westen Floridas zwischen Tampa und Tallahassee überhaupt  gut aufgehoben.

Ein Manati aus Pappmaché

Foto: Ralf Johnen

Die Orte Homosassa und Crystal River wissen durch die häufige Anwesenheit von Manatis viele Touristen anzuziehen. Sie sind überwiegend von erzkonservativen und streng gläubigen Menschen bewohnt. Ansonsten aber dominieren hier Sümpfe und Wälder, in deren Umgebung kaum jemand sein Dasein fristet.

An Wochenende fallen Horden von Studenten in die Restaurants auf der Insel Cedar Key in Florida ein

Foto: Ralf Johnen

Hotspot für Hippies

Eine Ausnahme bildet Cedar Key, das über eine Dammstraße mit dem Festland verbunden ist. Im öffentlichen Bewusstsein geriet die Insel mit ihren nur 700 Einwohnern nach dem Aus der Bleistiftproduktion zunehmend in Vergessenheit. Dies nutzten Hippies und andere Lebenskünstler, um sich hier einzurichten. Erst Mitte der 90er Jahre bekam Cedar Key dank der Subventionierung von Muschelzuchten einen neuen Anschub, der durch die allgemeine Zunahme der Reisefreude verstärkt wurde.

Ortsbild von Cedar Key mit Holzhäusern in Pastellfarben

Foto: Ralf Johnen

Heute ist Cedar Key ein charmanter Ort, der ein bisschen aus der Zeit gefallen scheint. Das bonbonfarbene Florida der Themenparks und Outlet Malls ist ganz weit weg. Zwar kommt es an Wochenenden vor, dass Busladungen voller Studenten aus Gainesville einfallen, um ein wenig Meeresluft zu schnuppern. Ansonsten aber ist die Insel eher Individualisten vorbehalten, die einen Road Trip durch Florida machen. Publikumsmagnet ist die Dock Street am Hafen, wo sich einige recht bunte Fischrestaurants mit Barbetrieb angesiedelt haben. Auf dem örtlichen Pier versuchen Sportangler ihr Glück, die umfangreichere Gesellschaft vor allem anlässlich des Sonnenuntergangs erhalten.

Pfeilschwanzkrebse sind auf Cedar Key in Florida weit verbreitet

Foto: Ralf Johnen

Abenteuerliches Atsena Otie

In gut einem Kilometer Entfernung umweht die Nachbarinsel Atsena Otie derweil ein Hauch von Abenteuer. Wer mag, kann sich von Tide Water Tours mit einem Boot auf dem Eiland absetzen lassen. Unterwegs werden die Boote zuweilen von Delfinen begleitet. Auch Meeresschildkröten, Manatis und Adlerrochen fühlen sich in den Gewässern wohl. Die Insel selbst ist heute ein Naturschutzgebiet, doch die Spuren der Zivilisation sind immer noch vorhanden. Dazu gehört auch das einstige Sägewerk von Eberhard Faber.

Das Island Hotel ist eine Institution auf Cedar Key

Foto: Ralf Johnen

Wer die einmalig intime Atmosphäre von Cedar Key erleben möchte, kommt am Island Hotel nicht vorbei. Wenn sich in Jung und Alt treffen, dauert es meist nicht lange, bis jemand zum Piano schreitet, um in die Tasten zu hauen. Das Traditionshaus stammt noch aus der Zeit des Bleistiftbarons.

Cedar Key an der Golfküste Floridas bei Ebbe

Foto: Ralf Johnen

Informationen zu Cedar Key

Die Insel gehört zum Levy County, das sich als Nature Coast oder Natural North Florida vermarktet.

Lage: 215 km nordwestlich  von Tampa, 210 km südw. von Jacksonville, Anfahrt aus Richtung Tampa über Fl-589 und US-98 bis Otter Creek, dort links auf Fl-24 bis Cedar Key

Aktivitäten: Tide Water Tours,  hat verschiedene Ausflüge im Angebot. Die Tour nach Atsena Otie wird mehrmals im Rahmen von Rundfahrten durch die Inselwelt angeboten und kostet 16 USD. Ebenfalls buchbar sind eine Island Tour (2 Stunden, 29 USD) und eine Fahrt zur Mündung des Suwannee River (3–4 Stunden, 53 USD). 302 Dock Street, Cedar Key, Tel. 352 543 95 23,

Das Barefoot Artist Café in Florida

Foto: Ralf Johnen

Essen und Trinken: Tony’s Seafood ist eine Institution auf der Insel, Produkte auch zum Mitnehmen, 597 2nd Street, Cedar Key, Tel. 352 543 91 43,

Unterkunft: Island Hotel, 373 2nd Street, Cedar Key, Tel. 352 543 51 11.

Allgemeine Informationen über Florida auf der Webseite von Visit Florida.

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