Die Trulli von Alberobello sind die vielleicht bekannsteste Attraktion in Apulien. Doch der Südosten Italiens hat viel mehr zu bieten: Die weiße Stadt Ostuni, das lebendige Lecce, das rätselhafte Castel del Monte oder den Küstenort Polignano.

Unwirklicher Anblick: Nadelbäume vor den Trulli von Alberobello. Foto: Ralf Johnen
Die Skyline von Alberobello ist nicht hoch. Dafür aber hat sie einen Rhythmus: Einige Hundert kegelförmige Dächer reihen sich auf den Hügeln des Städtchens in mehreren Reihen aneinander. Es sind die markanten Trulli von Alberobello: entzückende kleine Häuschen, die in ihrer Vielzahl einen kuriosen Anblick bieten.

Formenvielfalt in Apulien: Das Dach eines Trullo in Alberobello mit dem Turm der Kirche und einer Palme. Foto: Ralf Johnen
Die Trulli von Alberobello: Strahlend weiße Rundbauten
Wie Anna erzählt, haben die Hirten Apuliens im Süden von Italien die charakteristische Bauweise ab dem 13. Jahrhundert entwickelt. Durch ihre dicken Wände und ihre winzigen Fenster bieten die strahlend weiß getünchten Rundbauten im Sommer Schutz vor der gnadenlosen Hitze.

Ein Oldtimer von Fiat in den Straßen von Alberobello in Apulien. Foto: Ralf Johnen
Im Winter hingegen hält sich die Ofenwärme im Süden Italiens lange. Das Besondere sind die aus flachen Kalksandsteinen gemauerten Dächer, die sich nach oben verjüngen und die ohne Mörtel auskommen. Anna sagt schmunzelnd, dass die Dächer einer alten Legende zufolge deshalb so beliebt waren, weil sie rasch demontiert werden konnten, wenn sich Gesandte des Kaisers ankündigten.

Die Steinhäuser mit Runddächern gehören zum Weltkulturerbe. Foto: Ralf Johnen
Top-Attraktionen in Apulien
Nachdem die altertümlichen Bauten lange Zeit als Behausung der Armen verschmäht wurden, stehen die Trulli von Alberobello seit einigen Jahren wieder hoch im Kurs. Das mag auch daran liegen, dass die größte zusammenhängende Trulli-Siedlung zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt. Mit Portalen, die von Rosenstöcken gesäumt sind. Und Dächern, die von rätselhaften Symbolen geziert sind. »Am schönsten«, sagt Anna, »ist es hier früh morgens«.

Aus jedem Blickwinkel eine Augenweide: die Trulli von Alberobello. Foto: Ralf Johnen
Wenn das Licht der aufgehenden Sonne die Wände der Trulli einfärbt. Wenn sich kaum ein Mensch in den Gassen des 10.000-Einwohnerstädtchens tummelt. Und die zu Souvenirgeschäften zweckentfremdeten Trulli ihre Pforten noch nicht geöffnet haben.

Dekorativ: Pinien am Castel del Monte. Foto: Ralf Johnen
Siesta im Castel del Monte
Im gesamten Süden der Alta Murgia bereichern die Trulli das Landschaftsbild. Einzeln oder auch in Gruppen prägen sie das rund 400 Meter hohe Plateau, das sich in gut 20 Kilometern Entfernung parallel zur Adria erhebt. Etwas weiter im Norden, wo die Alta Murgia Nationalpark ist, befindet sich auch ein absolutes Unikat: Weithin sichtbar thront das Castel del Monte auf der Anhöhe. Es ist eines der bedeutendsten Bauwerke im Süden von Italien.

Tief einatmen: das Castel del Monte in der Mittagshitze Apuliens. Foto: Ralf Johnen
Das Bauwerk mit seiner unverkennbaren Form wurde im 13. Jahrhundert von Friedrich II. in Auftrag gegeben. Es handelt sich um einen achteckigen Grundriss mit ebenso vielen Türmen, die ihrerseits auch achteckig sind. Die strenge Geometrie prägt den Schnitt jedes einzelnen Raums, weil sie sich im Innenhof wiederholt. Draußen umzingeln mächtige Pinien die Festung – was den leicht entrückten Gesamteindruck nur noch verstärkt. Der sehenswerte Solitär ist ebenfalls Weltkulturerbe.

Felder mit Klatschmohn gehören zu den weniger prominenten Sehenswürdigkeiten. Foto: Ralf Johnen
Das lebendige Ostuni: Top-Attraktionen in Apulien
Trotz seiner archaischen Architektur aber ist Apulien keineswegs ein lebloses Freilichtmuseum. Der beste Beweis ist Ostuni, ein Städtchen mit 35.000 Einwohnern, das sich weiter südlich in der Murge hinter turmhohen weißen Mauern versteckt. Diese vermitteln zwar bis heute den Eindruck, dass die Bewohner nur ungern von Eindringlingen gestört werden. Das aber stimmt nicht.

Perfekte Harmonie: eine Araukarie vor den Gemäuern Alberobellos. Foto: Ralf Johnen
Denn wenn in der »citta bianca« ein heißer Tag zu Ende geht, tobt rund um die Piazza das Leben. Bei Helligkeit mag es in den steilen Gassen und Stiegen der Altstadt eher ruhig zuzugehen. Sobald es kühler wird, und die Dämmerung einsetzt, aber versammeln sich alle Generationen im Stadtkern. Vor allem an Wochenenden, sagt Anna, kommen junge Menschen aus der ganzen Region in die Kleinstadt.

Entertainment für alle Generationen im abendlichen Ostuni. Foto: Ralf Johnen
Wer schon in Apulien ist, sollte auf keinen Fall Lecce ignorieren. Die Studenstadt in Italiens Stiefel ist lebendig und verfügt über ein Stadtbild mit vielen altehrwürdigen Bauten.

Häuser mit Arkaden und Vespa in der süditalienischen Stadt Lecce. Foto: Ralf Johnen
Auch Lecce gehört zu den Top-Attraktionen in Apulien
Auch die Traditionen muten archaisch an: Lecce ist eine Hochburg des katholischen Glaubens. Immer wieder ziehen Geistliche im Rahmen rätselhaft anmutender Prozessionen durch die Stadt.

Wirkt aufgesetzt, entspringt aber der Realität: Geistliche in Lecce. Foto: Ralf Johnen
Eine weitere Station die sich lohnt, ist Polignano a Mare. Das Städtchen ist bekannt für seine Lage auf steilen Klippen und gehört zu den beliebtesten Zielen in ganz Italien.

Kann sich auch sehen lassen: die Steilküste von Polignano. Foto: Ralf Johnen
In den örtlichen Restaurants kombinieren die Küchenchefs Elemente der apulischen Küche wie Orechietti mit frischen Meeresfrüchten.

Die Hoffnung stirbt zuletzt: Angler in Poligano a Mare. Foto: Ralf Johnen
Die Fischer von Trani
Auch Trani bietet sich zum Besuch an: Im Hafen verdingen sich Fischer auf eine urtümliche Weise, die Zentraleuropäer seltsamerweise immer wieder in Verzückung versetzt.

Kein Hightech: Fischer in der Hafenstadt Trani. Foto: Ralf Johnen
Sehr fotogen ist außerdem der Hafen mit der weithin sichtbaren Kathedrale.

Mit Campanile: Der Hafen von Trani in Apulien gehört zu den Top-Sehenswürdigkeiten Apuliens. Foto: Ralf Johnen
Nicht zuletzt hat sich auch die einst als ruppig verschrieene Hafenstadt Bari gemacht. Die Kapitale gehört mittlerweile auch zu den Top-Sehenswürdigkeiten von Apulien. Sehenswert ist das neoklassizistische Opernhaus.

Eine Frau auf dem Weg aus der Messe. Foto: Ralf Johnen
Genug Argumente also für einen ausführlichen Besuch in Apulien. Doch wer noch mehr Anreize benötigt: Auch die Hollywood-Stars haben Apulien in den verganenen Jahren entdeckt. In der Folge sind die Hotels der gehobenen Klasse wie Pilze aus dem Boden geschossen.

Die Uferpromenade von Bari in Apulien ist gut geeignet für ein Gläschen Primitivo. Foto: Ralf Johnen
Informationen über die Trulli von Alberobello
Apulien und die Alta Murgia sind von den Flughäfen Bari und Brindisi bequem erreichbar. Eurowings und Ryanair fliegen beide Destinationen von verschiedenen deutschen Flughäfen an.

Zweckentfremdet: Trulli in Apulien gibt es auch als Spardosen mit den Logos der italienischen Fußballverein. Foto: Ralf Johnen
Die beste Reisezeit sind die Monate April und Mai sowie September und Oktober, wenn sich die Hitze mit Temperaturen von 25 bis 30 Grad in Grenzen hält. Im Hochsommer ist es sehr heiß und voll. Die Küste an der Adria wird weitflächig von Ferienanlagen in Beschlag genommen.

Only in Italy: Springbrunnen vor einem Landhotel in Apulien bei Bari. Foto: Ralf Johnen
Abgesehen von einfachen Pensionen und Unterkünften für Pauschalreisende bietet Apulien neuerdings auch Wellness-Unterkünfte für gehobene Ansprüche. Einige Hotels wie das Il Palmento bieten Zimmer in Trulli (ab etwa 140 Euro pro Nacht für zwei Personen). Ebenfalls hübsch ist das Teuta Monacelle (tenutamonacelle.com).
Text und Bilder: Ralf Johnen, zuletzt überarbeitet im Februar 2025.

Lebensfreude im abendlichen Bari. Foto: Ralf Johnen
Comment
Apulienbericht und -fotos machen wieder große Lust auf eine Reise dorthin ! Großartig !