Eine Kreuzfahrt in Alaska ist ein fantastisches Erlebnis. Bei einer Tour auf dem Katamaran MS Klondike können die Passagiere den Anblick von 26 Gletschern genießen. Doch im Prince William Sound leben auch Otter, Weißkopfseeadler und andere seltene Tiere, die sich regelmäßig zeigen.

Segelboote im Hafen von Whittier. Foto: Ralf Johnen
Die Anreise nach Whittier ist skurril: Ein Tunnel mit nur einer Fahrspur, den sich Eisenbahn und Autos teilen. Doch das ist noch nichts gegen den Ort selber. Whittier liegt an einem Fjord in Alaska – inmitten von Regenwald und Wasserfällen. Doch die Bewohner, rund 220 an der Zahl, leben alle gemeinsam in einem einzigen Haus. Einem schmucklosen Wohnblock.

Ready to go: Der Katameran MS Klondike im Prinz-William-Sund in Alaska. Foto: Ralf Johnen
Kreuzfahrt in Alaska: 26 Gletscher
Für die Passagiere von Kreuzfahrtschiffen muss es ein merkwürdiges Gefühl sein, hier anzulegen, um in die Alaska Railway umzusteigen. Doch das soll heute nicht meine Sorge sein, schließlich sind wir hier, um die weitläufigen Gewässer zu erkunden und dabei nicht weniger als 26 Gletscher in Augenschein zu nehmen.

An Bord der MS Klondike. Foto: Ralf Johnen
Unser Schiff heißt Klondike Express. Kernige Abenteurer mögen mit dem Namen Frontier-Romantik verbinden. Doch der Katamaran besitzt nicht den Hauch einer archaischen Aura. Viel mehr handelt es sich um ein modernes Schiff, das mit erstaunlichen 40 Meilen pro Stunde durch die Gewässer bürstet.

Seefood an Bord der MS Klondike. Foto: Ralf Johnen
An Bord der MS Klondike
Nach dem unvermeidlichen Sicherheitsvideo (hallo Amerika!) wird erst mal Lunch serviert: Leckerer Heilbutt mit dem Dunkelbier Alaska Amber.

Felsig: Der Prinz William Sound in Alaska. Foto: Ralf Johnen
Dieser solide Auftakt zu der Fünfstundentour ist möglich, weil die Landschaft ihre Reize zunächst eher verhalten offenbart. Bald aber öffnet sich der Passage Canal zu einem weiten Gewässer, das der britische Entdecker George Vancouver auf den Namen Port Wells getauft hat.

Fischerboot in Esther Passage. Foto: Ralf Johnen
Erstes Highlight: Esther Passage
Die vielen unbewohnten Inseln erinnern eher an die Südsee, denn an den hohen Norden. Zumindest heute, an diesem milden Sonnentag, an dem viele Locals ihre Boote ausführen.

Sportfischer auf Minikreuzfahrt in Alaska. Foto: Ralf Johnen
Als sich die Klondike mit Höchstgeschwindigkeit ihren Weg zur Esther Passage bahnt, halten es trotz Ganzkörpferfunktionskleidungsuniform nur Hartgesottene an Deck aus. Das ändert sich, als mit der engen Schneise der erste dramaturgische Höhepunkt erreicht ist.

So stellt man sich Alaska vor: Wasser, Hügel und schneebedeckte Berge. Foto: Ralf Johnen
Von nun geht es Schlag auf Schlag: Als das Gewässer sich wieder weitet, dauert es nicht lange, ehe an den Ufern des College Fjord ein Gletscher neben dem anderen auftaucht. Ewiges Eis auf Höhe des Meeresspiegels. Erste kleine Eisschollen treiben an uns vorbei. Manche sind von Seevögeln bevölkert, auf einer thront gar eine kleine Robbe.

So stellt man sich Alaska vor: Wasser, Hügel und schneebedeckte Berge. Foto: Ralf Johnen
Neugierige Otter im Prince William Sound
Den majestätischen Harvard-Gletscher am Ostende des Fjords meiden wir – angeblich, weil es »langweilig« dort ist.

Sieh da, zwei chillende Otter. Foto: Ralf Johnen
Stattdessen begutachten wir eine Kolonie neugieriger Otter, die mit viel Sinn für gelungene Posen im eisigen Wasser abhängen. In der freien Wildbahn habe ich vorher noch nie einen gesehen. Hier in Alaska hingegen scheint es fast so etwas wie eine Otterplage zu geben.

Ein Gletscher windet sich den Berg hinunter. Foto: Ralf Johnen
Kreuzfahrt in Alaska: Auf zum Barry-Gletscher
Gemächlich nähern wir uns dem Highlight der Tour: Der Barry-Gletscher reicht bis ins Meerwasser. Immer wieder brechen Stücke ab, so viele, dass die Oberfläche fast komplett mit Eis bedeckt ist.

Die MS Klondike zieht eine Spur durch den Prinz-William-Sund in Alaska. Foto: Ralf Johnen
Die Crew der Klondike nutzt dies, um Nachschub für ein recht exklusiven Getränk an Bord zu holen: Gletschereis-Margarita, die seltene Kombination von 10 000 Jahre altem Wasser und einer Cocktailmischung, bei der noch einiges an Raum nach oben offen ist.

Selbst das größte Weitwinkelobjektiv kann nicht alles erfassen bei der Minikreuzfahrt in Alaska. Foto: Ralf Johnen
Tropisch anmutender Regenwald
Die trutzige Eiswand aber ist nicht der einzige Blickfang in der Bucht. Wer sich um 90 Grad nach links dreht, sieht eine tropisch anmutende Regenwaldapplikation mit Wasserfällen. Eine weitere Vierteldrehung gestattet den Blick auf Otter, die im Eis treiben.

Gletscherabbruchkanten sind kein seltener Anblick bei der Kreuzfahrt durch den Prinz-William-Sund in Alaska. Foto: Ralf Johnen
Es ist schwer zu fassen, dass sich dies alles mit großer Selbstverständlichkeit auf engem Raum abspielt. Zumal ich bei ähnlichen Ausflügen in anderen Teilen des Planeten nur selten das Gefühl gehabt habe, nicht irgendeinem Touristennepp aufgesessen gewesen zu sein.

Landschaft mit Gletscher, grünem Felsen und schneebedeckten Bergen im Prinz-William-Sund in Alaska. Foto: Ralf Johnen
Tümmler begleiten die MS Klondike
Nach unzähligen »Ahhs« und »« nimmt der Katamaran Kurs auf den nahen Harriman Fjord. Nach dem opulenten Regenwald von eben gibt dieser sich rau und spröde. An den Hängen, erklärt die Bordbiologin, hat sich das Gletschereis erst kürzlich zurückgezogen. Eine Vegetation konnte sich noch nicht ausprägen.

Über Seevögel und Wasserfälle. Foto: Ralf Johnen
Der Weg zurück nach Whittier hält noch einige Pointen parat: Tümmler begleiten den Katamaran für ein Weilchen, auf den Flanken der Berge paradieren mächtige Bergziegen.
Hungrige Weißkopfseeadler
Schließlich, kurz bevor wir den Hafen erreichen, werden wir Zeugen eines kleinen Dramas: Tausende Möwen schwirren hektisch durch die Lüfte, um einen hungrigen Weißkopfseeadler zu verwirren. Erfolglos, denn schon bald richtet das Wappentier der USA ein Massaker an. Federn fliegen durch die Luft.

American Eagles? Die sind in Alaska allgegenwärtig. Foto: Ralf Johnen
Eine kleine Erinnerung daran, dass Alaska kein Themenpark ist. Auch wenn diese gelungene Minikreuzfahrt in den Sommermonaten den Eindruck erwecken kann, dass der Mensch auch die »last frontier« inzwischen ziemlich gut im Griff hat.
Informationen zur Kreuzfahrt in Alaska
Die 26-Gletscher-Kreuzfahrt wird vom Phillips Cruises angeboten. Die Klondike legt vom 8. Mai bis zum 30. September täglich um 12.30 Uhr ab, so es die Witterung erlaubt. Die fünfstündige Fahrt kostet 179 US-Dollar, außerdem sind Kombinationen mit der Alaska Railway ab Anchorage buchbar (262 $).

Der Autor in Weihnachtsstimmung. Foto: Privat
Ich persönlich bin der Meinung, dass es sich vor allem bei gutem Wetter um ein unvergessliches Nord-Erlebnis handelt. Das Preis-Leistungsverhältnis ist angemessen.
Text & Bilder: Ralf Johnen, zuletzt aktualisiert im Juni 2022. Der Autor war auf Einladung von Visit Anchorage in Alaska.
7 Comments
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haach, was für ein schöner Bericht und was für tolle Fotos. Alaska steht bei meinen Traumreisen ganz oben auf der Liste.
Viele Grüße
Martina
Danke, Martina! Der Aufwand lohnt. Alaska, the beautiful.
Wow! Das muß ein tolles Erlebnis gewesen sein. Manche andere Destination würde sich so eine Otter- oder Weißkopfseeadlerplage wünschen…..
Ja, the true north. Warte mal auf die Bärengeschichten, Sabine!
Wunderschöne Fotos!! Alaska steht auch noch auf meiner Bucket List. Grüße von der herrlich warmen Insel Ischia!
Lohnst sich auf jeden Fall, Cornelia. Nur musst Du den Hut gut festbinden! Viele Grüße