Zum ersten Mal seit 15 Jahren sind am Strand von Scheveningen Sandskulpturen zu sehen. Die neun Kunstwerke haben allesamt einen Bezug zum Seebad von Den Haag.

Der Storch als Stadtwappen von Den Haag darf beim Festival nicht fehlen
Der 8. August 1964 ist in Scheveningen bis heute nicht vergessen. Die Rolling Stones haben sich angesagt, um im ehrwürdigen Kurhaus ihr erstes Konzert in den Niederlanden zu geben. Schon nach wenigen Minuten gerät die Situation außer Kontrolle, das Publikum droht den edlen Saal auseinanderzunehmen. So endet der Auftritt bereits nach zwölf Minuten im Chaos.

Martin de Zoete ist Künstlerischer Leiter des Sandskulpturenfestival in Scheveningen
Sandskulpturenfestival in Scheveningen erinnert an Konzert
Etwas mehr als 60 Jahre nach dem denkwürdigen Tag lebt das Konzert der Rolling Stones wieder auf. Vor dem Kurhaus erinnert eine großformatige Sandskulptur an das Ereignis. Wie Martin de Zoete als künstlerischer Leiter des Sandskuplturenfestivals in Scheveningen erläutert, zeigt sie einen überlebensgroßen Mick Jagger, der ein Mikrofon an seinen Körper hält.

Nach 15 Jahren zurück: die Sandskulpturen in Scheveningen. Hier Mick Jagger vor dem Kurhaus
Unterhalb der Knie geht das Bild des Musikers in das Logo der Rolling Stones über: Den berühmten Mund, aus dem neckisch eine Zunge hervorragt. Bis einschließlich 1. Juni 2025 ist das vergängliche Kunstwerk in Scheveningen an prominenter Stelle zu sehen. Ideal für ein memorables Foto.

Helena Bangert arbeitet an einer Sandskulptur über die Tierwelt Afrikas
Ausflug in die afrikanische Savanne
Auch die anderen acht Sandskulpturen besitzen einen Bezug zum Seebad von Den Haag. Abgesehen von einer stehen sie dort, wo man sie eher erwarten würde, nämlich auf der Strandseite. Da wäre etwa die Scheveninger Savanne. Die Sandskulptur geht auf die Niederländerin Helena Bangert zurück. Sie scheint auf den ersten Blick die Tierwelt Afrikas abzubilden. Wer genauer hinsieht versteht jedoch, dass es sich um einen Verweis auf die Vergangenheit Scheveningens als Austragungsort von Zirkussen handelt.

Auch bei Dauerregen bis zum 1. Juni zu sehen: die Skulpturen in Scheveningen
Noch ein Stück weiter in Richtung Norden ist eine Sandskulptur dem zweiten ikonischen Bauwerk Scheveningens neben dem Kurhaus gewidmet: dem Pier. Die Seebrücke stand bereits hier, als die Rolling Stones ihr Konzert gegeben haben. Bis heute ist sie ein Blickfang geblieben – nicht zuletzt wegen des Riesenrads, das seit einigen Jahren stoisch seine Runden auf dem Meer dreht.

Auch bei Dauerregen bis zum 1. Juni zu sehen: die Skulpturen in Scheveningen
Relaunch des Piers von Scheveningen
Doch um die Aufmerksamkeit der jungen Generationen dauerhaft auf sich zu ziehen, scheint es mehr als einer hübschen Sandskulptur zu bedürfen. Daher arbeiten die Betreiber an einem Relaunch des Piers, der dem Publikum im kommenden Jahr vorgestellt wird. Vorausgesetzt, die Stadt Den Haag stimmt den Plänen zu.

Ikonisch: der Pier von Scheveningen als Sandskulptur
Auch ohne einen rundumerneuerten Pier aber mangelt es in Scheveningen nicht an neuen Impulsen. Die Strandpavillons etwa rüsten immer weiter auf. Wer bei Miss Maui sitzt, blickt bei entspannten Elektronikklängen auf tropische Sonnenschirme. Auf der Karte stehen luxuriöse Leckereien wie ein Lobster-Sandwich.
Sandskulpturenfestival in Scheveningen: Dank an Rettungsschwimmer
Doch zurück zu den Sandskulpturen, von denen die eine den weithin sichtbaren Leuchtturm thematisiert. Eine andere hat als Motiv die Bademode von Vergangenheit und Gegenwart. Die wohl bewegendste Geschichte allerdings besitzt das »Lifeguards for Life« betitelte Werk, das der örtlichen Seenotrettung gewidmet ist.

Manchmal hat die Seenotrettung in Scheveningen mehr als 100 Einsätze pro Tag – das kann man mit einer Skulptur würdigen
Ein Thema von höchster Bedeutung, wie der ehrenamtliche Rettungsschwimmer Lorenzo Roque betont. »Viele Leute unterschätzen die Kraft des Meeres.« Schon indem man einfache Fehler vermeide, könne man das Risiko spürbar verringern. Dazu gehöre, nicht dort ins Wasser zu gehen, wo die Wellen am niedrigsten zu sein scheinen. »Genau dort nämlich drängt das Wasser ins Meer zurück – und die Gefahr ist am größten, das ungeübte Schwimmer mitgesogen werden.«
Skulpturenmuseum Museum Beelden aan Zee
Sehenswert ist auch die südlichste Sandskulptur. Dabei handelt es sich um ein genaues Abbild einer dauerhaften Skulptur, die jenseits des Boulevards auf den Dünen thront: Die Maske von Mitoraj. Das vom polnischen Bildhauer Igor Mitoraj angefertigte Kunstwerk wirkt wie das geheimnisvolle Fragment einer Theatermaske. Und während die Sandskulptur in kommenden Monaten die Blicke der Urlauber und Tagesausflügler auf sich ziehen wird, lohnt auch die Auseinandersetzung mit dem Original.

Tropisches Scheveningen: Sonnenschirme bei Miss Maui
Es gehört zum Museum Beelden aan Zee, das sich genau an dieser Stelle hinter den Dünen ausbreitet. Es ist das einzige Museum in den Niederlanden, das sich ausschließlich der Bildhauerei verschrieben hat. Das Ausstellungshaus verfügt über ein zugängliches Depot und stellt einen Teil seiner Dauersammlung auf einer Terrasse mit Blick aufs Meer aus.

Doppelter Mitoraj: das Skulpturenfestival Beelden aan Zee in Scheveningen
Spektakuläre Wechselausstellungen
Darüber hinaus ist das Museum Beelden aan Zee für seine oft spektakulären Wechselausstellungen bekannt. Wer Freude an den Sandskulpturen in Scheveningen hat, sollte auch Spaß an den hier gezeigten Exponaten haben. Besonders sehenswert ist die großformatige Installation Breaking Waves der Niederländerin Ana Oosting. Sie bringt mithilfe kinetische Berechnungen die Wellenbewegung des Meeres ins Museum.

Immer im Rhythmus: die Installation Breaking Waves von Ana Oosting im Museum Beelden aan Zee
Im benachbarten Trakt ist derweil die Installation des syrischen Künstlers Khaled Dawwa zu sehen. Er verarbeitet in einem stark abgedunkelten Raum die zerstörerische Wut des Krieges in seiner Heimat. Ergreifend.
Informationen zum Sandskulpturenfestival in Scheveningen
Die Arbeiten sind bis einschließlich 1. Juni auf dem Boulevard und um das Kurhaus zu sehen. Selbst starker Regen kann ihnen nichts anhaben, da die Skulpturen aus einem lehmhaltigen Sand gefertigt sind. Der Eintritt ist natürlich kostenlos. Weitere Informationen auf der Webseite von der Webseite des Tourismusbüros von Den Haag.

Skulturen mit Blick aufs Meer gibt es nur im Museum Beelden aan Zee in Scheveningen
Das Museum Beelden aan Zee ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 18,50 Euro.
Die Installation Breaking Waves von Ana Oosting ist bis einschließlich 9. Juni zu sehen.
Text und Bilder: Ralf Johnen, April 2025. Der Autor war eingeladen von Den Haag & Partners.
Leave A Reply