Málaga liegt am Strand. Málaga hat eine verwinkelte Altstadt, eine mächtige Festung, coole Tapas-Bars, hochklassige Museen und ein meist angenehmes Klima. Trotzdem zieht kaum jemand in Erwägung, einen Stadturlaub hier zu verbringen. Nach 48 Stunden in Málaga ist die Stadt für mich vor allem eines: unterschätzt.

Fast wie die Alhambra: Gemäuer der Alcazaba in Málaga. Foto: Ralf Johnen
Das mag auch an der mächtigen Konkurrenz liegen. Córdoba, Ronda, Granada und – allen voran – Sevilla sind nicht weit entfernt und mit historischen Innenstädten gesegnet. Die nach Sevilla zweitgrößte Stadt Andalusiens allerdings hat als traditionelles Einfallstor für einen Urlaub an der Costa del Sol die besten Flugverbindungen. Für einen Roadtrip durch die Provinz bietet es sich an, einen Mietwagen ab Málaga zu buchen. Für 48 Stunden in Málaga indes ist das nicht nötig.

Foto: Ralf Johnen
Erster Tag 10 Uhr: Die Alcazaba
Doch zurück in die »Ciudad Genial«, wie Málaga sich neuerdings nennt. Eine Aussage, die von einem Selbstbewusstsein zeugt, das zurecht kontinuierlich wächst. Die Anfänge der Stadt gehen bis ins 8. Jahrhundert v. Chr. zurück. Das sichtbare Relikt der Vergangenheit aber stammt aus dem Zeitalter der maurischen Besatzung: Die zwischen 1057 und 1063 errichtete Alcazaba, eine verwinkelte Zitadelle.

Foto: Ralf Johnen
Um 10 Uhr steige ich die Stufen hinauf, um in den Genuss eines formidablen Rundumblicks zu kommen. Eine Drehung um die eigene Achse bringt sowohl die Sierra Nevada als auch das Mittelmeer ins Blickfeld. Am meisten aber staune ich über die Rückzugsräume der Zitadelle, die von einer erhabenen Architektur zeugen: Maurischer »Zen« in Reinform.
12 Uhr: Die Kathedrale von Málaga
Beim Straßenhändler vor der Santa Iglesia Catedral Basílica de la Encarnación kaufe ich einen Beutel gebrannte Mandeln, schließlich möchte ich keine Gelegenheit verpassen, Andalusien zu schmecken.

Foto: Ralf Johnen
Die Kirche mit dem langen Namen wurde 1528 über einer Moschee gebaut. Weil nur einer von einst zwei geplanten Türmen finanzierbar war, trägt sie im Volksmund den Namen »La Manquita«, was so viel wie »kleine, einarmige Dame« bedeutet. Diese Anekdote spricht mich an. Ich bleibe fast anderthalb Stunden in dem gewaltigen Bauwerk.

Immer gut in Spanien: die örtliche Markthalle. Foto: Ralf Johnen
14 Uhr: Traditioneller Lunch im Strachan
Höchste Zeit, dass ich mich in den Gassen der Altstadt verliere. Aber nicht zu lange, denn ich kann es kaum erwarten, ein paar Pimentos de Padron und Pata Negra zu verkosten. Hierzu zieht es mich in aller Welt immer nur in altmodische Lokale, wo es garantiert kein Hipster-Streetfood gibt.

Foto: Ralf Johnen
Meine Wahl fällt auf das Strachan, wo ich mir von einem fein livrierten Kellner ein Gläschen Sherry aufschwatzen lasse, um danach zum Muscat von Botani überzugehen, der sich die kommenden Tage als treuer Begleiter erweisen wird.

Die Erde ist eine Kugel. Foto: Ralf Johnen
16 Uhr: Fahrt zum Automobilmuseum von Málaga
Málaga selbst ist vieles, doch die Zeiten als uneingeschränkte Autostadt sind vorbei. In der historischen City dürfen nur noch Elektroautos fahren. Vorbildlich, da ohnehin alles eng beieinander liegt und die Gassen und Plazas so viel schöner sind ohne den Verkehr.

Oldtimer und Autor. Foto: Ralf Johnen
Das aber bedeutet nicht, dass Motor-Freaks hier nicht auf ihre Kosten kommen. Genau genommen beherbergt die Stadt sogar Automobile, die selbst Radfahrer und Bahnfreaks ins Schwärmen bringen. In einer ehemaligen Tabakfabrik hat ein portugiesischer Privatier eine Heimat für seine Sammlung historischer und exotischer Wagen gefunden. Eine Augenweide!

Antiker Citroen im Automuseum von Málaga. Foto: Ralf Johnen
18.30 Uhr: Zeit für ein kleines Nickerchen.
Auch wenn du nur 48 Stunden in Málaga bist: Ruheeinheiten sind in Spanien wichtiger als andernorts, denn das Essen wird spät serviert und die Nächte sind lang.
22.00 Uhr: Abendessen im El Pimpi
Zum Auftakt des andalusischen Abends geht es in eine Institution: die Bodegas el Pimpi. Das volkstümliche Lokal ist im besten Sinne urandalusisch.

Pflichtprogramm für den Herbst in Andalusien: Restaurant El Pimpi. Foto: Ralf Johnen
Gemütlich, verwinkelt und rumorig, dabei entsetzlich charmant. An den Wänden hängen Poster von Stierkämpfern und Fotografien prominenter Gäste, allen voran Antonio Banderas, dem berühmtesten Sohn der Stadt. Ich bestelle »Gepresste Lende vom Kastanienmastschwein« (steht so auf der deutschsprachigen Karte, ist mir aber besser als »Lomo« bekannt) und frittierte Sardellen.

Immer wieder schön: Poster von der Feria. Foto: Ralf Johnen
Dazu ist abermals der Muskat-Wein fällig, für den die Region bekannt ist. Später, in den Gassen der Altstadt, kommen ein paar kleine Tintos hinzu.

Bessere Zeiten: Foto von Antonio Banderas und Melanie Griffith in einem Restaurant in Málaga. Foto: Ralf Johnen
Zweiter Tag, 10 Uhr: Mit dem Fahrrad zum Botanischen Garten
Mit dem Fahrrad in Málaga unterwegs zu sein, hat seine Vorteile: Eine Handvoll Kilometer nördlich der Stadt befindet sich der Botanische Garten Conception, der großartige Landschaftsarchitektur, Baudenkmäler und aufwändige Fliesenmalereien vereint. Ein würdiger Rahmen für heimische und exotische Pflanzen, und zugleich ein Umfeld, in dem ich mir einen schwelgerischen Spaziergang gönne.

Laube mit Flieder im Botanischen Garten von Málaga. Foto: Ralf Johnen
12 Uhr: Picassos Geburtshaus
Nachdem ich die Picasso-Museen in Barcelona und Paris bereits in einem Zeitalter besuchen konnte, bevor Hundertschaften Schlange stehender Touristen die traurige Normalität wurden, wird es heute Zeit für das Geburtshaus. In diesem gediegenen Ambiente also ist das verschrobene Genie zur Welt gekommen.

Pablo Picasso in Málaga. Foto: Ralf Johnen
Hier hat er die ersten Eindrücke von jener Welt absorbiert, die er später auf immer neue Weise abbilden sollte, und in der er sich kaum einen Genuss hat entgehen lassen. Ich kann nicht anders, als fasziniert zu sein und an Picassos Generationsgenossen zu denken.

El Picador. Foto: Ralf Johnen
14 Uhr: Das Picasso-Museum von Málaga
Auch das Geburtshaus Picassos weiß einige Originale des produktiven Multitalents in seinem Besitz. Eine wahre Schatzkammer ist das nach ihm benannte Museum, das über 233 Werke des Künstlers verfügt. Nicht alle sind allererster Güte, doch in Kombination mit der Architektur des Palacio de Buenavista sind ein paar Stunden ein inspirierendes Erlebnis.

Foto: Ralf Johnen
16.30 Uhr: Strandspaziergang
Málaga ist immer eine Malocherstadt gewesen. Der große Hafen erzählt diese Geschichte bis heute. Doch die Stadt hat so viel mehr Gesichter. Ein beliebig ausdehnbarer Spaziergang in Richtung Westen führt bald zu einem neuen Boulevard, der stolz nach Antonio Banderas benannt ist.

Wer ist der berühmteste Sohn von Málaga? Heißt er vielleicht Antonio Banderas? Foto: Ralf Johnen
Hier snacke ich in einer Strandbar (»Chiringuito«) eine Dorade, die frisch vom Grill kommt. Später folgt gesichtsloses Brachland, das andernorts längt von Investoren in Beschlag genommen worden wäre, ehe unverhofft in einem Flussdelta ein Vogelschutzgebiet beginnt. Nach der Rückkehr in die Nähe der Stadt gönne ich mir zwei Cañas, frisch gezapfte Biere.

Unbedingt hingehen während der 48 Stunden in Málaga: ein Chriguito. Foto: Ralf Johnen
20.30 Uhr: Die Promenade am Yachthafen
Ein städtebauliches Vorzeigeprojekt. Boutiquen, Restaurants und ein schicker Parador flankieren den Boulevard auf der Landseite, während im Wasser bedächtig die Yachten schaukeln. Schön zum Schlendern und zur Beobachtung des allabendlichen Schaulaufens. Zurück in der Stadt esse ich bei Oleó eine vorzügliche Auswahl an Tapas, die traditionelle spanische Einflüsse mit baskischen und asiatischen kombiniert.

Art-déco-Fassade mit Jugendstillaterne in der Innenstadt von Málaga. Foto: Ralf Johnen
Schon jetzt weiß ich: eines Tages werde ich wiederkommen nach Málaga. Vorzugsweise in der Nebensaison. Ein Blick ins Portemonnaie bestätigt dieses Vorhaben, denn ein Stadturlaub in Málaga ist preiswert, ohne dabei in irgendeiner Weise billig zu sein. Ein Geheimtipp.

Logenplätze: Stierkampfarena von Málaga mit Randbebauung. Foto: Ralf Johnen
Informationen zu 48 Stunden in Málaga
Attraktionen
Alcazaba: tgl. 9–20 Uhr (im Winter bis 18 Uhr), Eintritt: 2,20 Euro
La Concepción (Historischer Botanischer Garten): Camino del Jardín Botánico 3, tgl. 9.30–19.30 Uhr (im Winter bis 16.30 Uhr), Eintritt 5,20 Euro.
Museo Automovilístico Avenida de Sor Teresa Prat 15, 9,50 Euro, Di–So 10.14.30 u. 16–19 Uhr.
Museo Casa Natal Picasso (Picasso Geburtshaus): Plaza de la Merced 15, tgl. 9.30–20 Uhr, 3 Euro (So 16–20 Uhr kostenlos).
Picasso-Museum Palacio de Buenavista, Calle San Agustín 8, tgl. 10–20 Uhr (im Winter bis 18 Uhr).
Santa Iglesia Catedral Basílica de la Encarnación: Calle Molina Lario 9, Mo Fr 10–18 Uhr, Sa bis 17 Uhr, 5/2 Euro

Wo regnet es häufiger? Foto: Ralf Johnen
Geniale Restaurants für 48 Stunden in Málaga
El Pimpi: Calle Granada 62, tgl. ab 10 Uhr.
Oleó Calle Alemania (ohne Hausnummer), Di–So 13.30–16 Uhr und Mi–Sa 20.30–0 Uhr.
Strachan: Calle Strachan 5

Foto: Ralf Johnen
Hotels
Don Curro: Angenehm traditionell, sauber und mittendrin gelegen. Mein Zimmer hatte sogar einen kleinen Sonnenbalkon. Calle Sancha de Lara 9, ab 75 Euro für das Doppelzimmer, www.hoteldoncurro.com
Castillo de Gibralfaro: Deutlich schicker ist der hoch über der Stadt gelegene Parador. In der staatlichen Nobelkette kostet die Nacht um die 160 Euro, www.parador.es
Weitere Informationen über 48 Stunden in Málaga
Schaut auf die deutschsprachige Internetseite des Tourismusbüros: malagaturismo.com/de
Text und Bilder: Ralf Johnen, zuletzt aktualisiert im Oktober 2021. Die Reise »48 Stunden in Málaga« wurde zum Teil durch Málaga Turismo unterstützt. Vielen Dank an hierfür an Isabell von Fame Creative Lab.
Comment
Meine letzte Malaga-Tour ist schon über zehn Jahre her, aber der Beitrag macht Lust auf eine Reise in die Region! An die Burg konnte ich mich noch gut erinnern – die Aussicht ist super!