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Robie House von Frank Lloyd Wright in Chicago

Robie House in der Chicago South Side von außen

Foto: Ralf Johnen

Mit dem Prairie House hat Frank Lloyd Wright der amerikanischen Architektur ein Gesicht gegeben. In Chicago steht mit dem Robie House eines der schönsten Exemplare. Ein Thema, das auch die Route 66 begleitet.

Gerade Linien bestimmen das Prairiehaus von Frank Lloyd Wright

Foto: Ralf Johnen

Chicago gilt als Geburtsstätte des Wolkenkratzers, wie wir ihn kennen. So ist die Skyline denn auch im internationalen Vergleich extrem beeindruckend. Egal, ob man sich im Loop befindet, am Lake Michigan oder in der Einkaufsstraße »Magnificent Mile«, wie die Michigan Avenue im Volksmund heißt.

Außenansicht des fantastischen Robie House in Chicago

Foto: Ralf Johnen

Wolkenkratzer und geballte Urbanität sind die sichtbarsten Elemente der facettenreichen Stadt. Dicht gefolgt von den vielen Migranten, die in der zweiten Hälfte des 19. Jh. den rasanten Aufschwung Chicagos erst ermöglicht haben. Gleichzeitig konnte sich auch im Mittleren Westen der USA ein wohlhabendes Bürgertum etablieren, das den gediegenen Lebensstil der europäischen Bohème zu imitieren versuchte.

Horizontale Linien sind das charakteristische Merkmal von Frank Lloyd Wrights Architektur

Foto: Ralf Johnen

Form follows function

Ein Architekt allerdings wollte sich nicht damit zufriedengeben, das auf der anderen Seite des Atlantiks Vorhandene nachzuahmen. Nein, Frank Lloyd Wright (1867–1959) hatte sich in den Kopf gesetzt, eine spezifisch amerikanische Architektur zu kreieren. Diese wollte er mit einem entsprechenden Einrichtungsstil kombinieren.

Durchbruch im Innenraum in Frank Lloyd Wrights Robie House

Foto: Ralf Johnen

Nach Lehrjahren im Büro von Louis Sullivan hat er dessen Maxime »Form Follows Funtion« auf das Wohnhaus der Zukunft angewendet. Seine Domizile sollten sich bezüglich der Materialien und Formensprache auf organische Weise in die amerikanische Landschaft einfügen.

Innenansicht des Robie House von Frank Lloyd Wright in Chciago

Foto: Ralf Johnen

Für seine Idealvorstellung von einem modernen Heim schuf Wright den Terminus »Prairiehaus«. Ein Flachbau mit enormem Grundriss, der wo immer möglich in die Topographie eingepflegt wird. Zudem setzt Wright auf charakteristische Baustoffe aus der Region und natürliches Licht.  Der Visitonär entwickelt diverse Systeme, die eine eigenständige Kühlung seiner Wohnhäuser begünstigt haben. Nicht zuletzt kultiviert er ein ebenso funktionales wie formschön-modernes Interieur, dessen Gestaltung sich der Baumeister selbst vorbehält.

Türenfront mit Bleifenstern im Robie House in Chicago

Foto: Ralf Johnen

Prairiehäuser links und rechts der Route 66

Während seiner langen Karriere sollte Wright in nicht weniger als 39 Bundesstaaten seine Spuren hinterlassen. Auch während eines Trips über die Route 66 kommt sowohl sein Werk wie auch sein Einfluss immer wieder in greifbare Nähe. Doch wer schon jetzt neugierig ist und größere Umwege scheut, kann in einem der vielen Suburbs Chicagos einen Entwurf begutachten, der noch als eine Art Prototyp des Prairiehauses gelten darf, gleichzeitig aber formvollendet ist.

Stuhl und Lampen in Robie House an der Route 66

Foto: Ralf Johnen

Das Robie House hat Wright 1908/09 für einen gleichnamigen Unternehmer ganz in der Nähe der Universität im Stadtteil Hyde Park gebaut. Robie allerdings geriet in finanzielle Schwierigkeiten und kam nur 14 Monate in den Genuss seines Hauses, das er an eine andere Familie verkaufte. 1926 veräußerte diese das seinerzeit von den Nachbarn angefeindete Bauwerk an die Uni, die ein Wohnheim mit Speisesaal daraus machte.

Bleifenster designt von Frank Lloyd Wright in Chicago

Foto: Ralf Johnen

Frank Lloyd Wrights Möbel auf dem Müllhaufen

In der Folge landeten Wrights Möbel auf dem Müll – und sein Meisterwerk entkam mehrmals nur knapp dem Abriss. Erst 1997 löste die Uni ihre zwischenzeitlich eingerichteten Büros im Robie House auf, um das seit 1971 denkmalgeschützte Domizil der Frank Lloyd Wright Preservation zu übergeben, die 2019 eine elf Millionen Dollar teure Restaurierung abschließen konnte.

Stühle aus dem Atelier von Frank Lloyd Wright im Robie House in Chicago

Foto: Ralf Johnen

Auch wenn das ursprüngliche Mobiliar fast vollständig fehlt, präsentiert sich das Haus seitdem in formidablem Zustand, wobei sein Design in vielerlei Hinsicht stilprägend war für die Glanzzeit der Route 66. Wer es sich ansehen möchte, sollte ein Uber bestellen und sich in 20 bis 30 Minuten die Lebensgeschichte des Fahrers oder der Fahrerin anhören. Diese stammen mit einiger Sicherheit aus Tansania, Syrien oder Indien – und sie alle haben ihre ganz eigene Meinung zum vermeintlichen Traumland USA. Ein authentischeres Chicago-Erlebnis gibt es kaum.

Außenansicht von Robie House an der Route 66 mit Balkon und Pflanzen

Foto: Ralf Johnen

Informationen über Frank Lloyd Wrights Robie House in Chicago

Robie House liegt etwa 10 km südlich des Loops in Chicagos South Side. 5757 South Woodlawn Avenue, Chicago, Tel. 312 994 4000, Do–Mo 10–15 Uhr, Tickets 20 $ (Führungen jeweils zur vollen Stunde)

Weitere Informationen Reisen nach Chicago und Illinois auf den jeweiligen Webseiten.

Weitere Projekte von Frank Lloyd Wright in und um Chicago

Frank Lloyd Wright hat weitere Projekte in und um Chicago realisiert. An vorderster Stelle steht Emil Bach House, das sich etwa 15 km nördlich der City befindet. Es ist der einzige Wright-Entwurf in den USA, der heute als Hotel fungiert. Als solches ist es allerdings sündhaft teuer, wer in den historischen Gemächern nächtigen möchte, muss 350 bis 500 Dollar por Nacht auf den Tisch legen. Von Mai bis Sptember gibt es von 11–14 Uhr 45-minütige Führungen. 7415 N. Sheridan Road, Chicago, Tel. 773 654 3959, Führungen unter Tel. 312 994 4000, 12 $

Autor Ralf Johnen vor Frank Lloyd Wrights Robie House in Chicago

Foto: Ralf Johnen

In Oak Park, wo Ernest Hemingway das Licht der Welt erblickt hat, befanden sich lange die Büros von Wright und seinen Mitarbeitern. Hier auch hat Wright mit dem Unity Temple einen stark von geometrischen Formen geprägten Sakralbau errichtet. 875 Lake Street, Oak Park, Führungen Mo–Fr 10–15 Uhr, Tickets 18 $

Auch Wrights 1889 gebautes Wohn- und Arbeitshaus in Oak Park steht Besuchern offen. Das Frank Lloyd Wright Home and Studio ist aber von der Formensprache noch nicht so elaboriert wie Robie House. 951 Chicago Avenue, Oak Park, tgl. 10–16 Uhr, Eintritt 18 $

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